Titelbild FLW24 - Fußball Limburg-Weilburg

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Sterilisiert den Fußball doch kaputt!

Offener Brief an die Mächtigen der Verbände

flw24 Kolumnist Claus Coester.

Sehr geehrte Herren Bosse in FIFA, UEFA und DFB!

Was werdet Ihr Euch noch alles ausdenken, um dieses herrliche Spiel, das Millionen auf dem Erdenrund so in seinen Bann ziehen kann, ungenießbar zu machen? Trampelt ruhig die Emotionen auf den Rängen und dem Rasen kaputt! Ihr seid auf dem besten Wege, das zu schaffen.

Mit dem Videobeweis wollt Ihr den Fußball gerechter machen. Dass ich nicht lache! Ihr lasst aufwendige technische Anlagen installieren, habt aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn da sitzen in den Dunkelkammern Herren, die bei der Interpretation von Bildern immer verschiedener Meinung sein können. Wir wollen den Videobeweis nicht gänzlich in die Tonne klopfen. Aber Heranziehung bei Abseits? Lasst den Quatsch! Lasst die kalibrierten Linien! Jüngstes absurdes Beispiel im Premier League Spiel Westham United gegen Manchester City am vergangenen Samstag. City-Stürmer Raheem Sterling wird ein Treffer wegen vermeintlicher Abseitsstellung aberkannt. An der großen Schautafel werden – das haben uns die auf der Insel immerhin voraus -  60 Tausend Zuschauer im London Stadium Zeugen einer nicht zu überbietenden Lächerlichkeit. Von der Schulter des Schützen wird eine gestrichelte vertikale Linie zur horizontalen Linie auf dem Rasen gezogen und dann verglichen mit der Pobacke eines Westham-Abwehrspielers. Die in der Dunkelkammer diskutieren da um Millimeter. Ja sind denn da noch alle Tassen im Schrank?

Kamera nicht komplett verbannen

Den Videobeweis sollte man in bestimmten Fällen als Zeugen heranziehen. Tätlichkeit oder nicht? Grobe Unsportlichkeit oder nicht? Der Referee hat auch nur zwei Augen. Der zuständige Assistent ebenfalls. Wenn hier ein eindeutiges Fehlverhalten übersehen wird, warum sollte man ein unbestechliches Instrument wie die Kamera nicht zu Hilfe nehmen? Ein Paradebeispiel gefällig? Bitte schön. Nationalspieler Kimmich steigt außerhalb des Spielfeldes dem Dortmunder Sancho im Supercupfinale mit der offenen Sohle auf den Fußrücken. Aua! Noch mehr Aua, dass hier keine Konsequenzen mit Rot gezogen werden. Und noch viel mehr Aua, dass der bayerische Übeltäter vor der Kamera die Chuzpe besitzt, diesen Fehltritt in ein Versehen umzudeuten. Ja um Himmels willen! Wo sind denn da die Herren vom FC Bayern oder vom DFB, die den jungen Mann einmal in den Senkel stellen? Da hört es doch auf: Nationalspieler als Vorbilder für die Jungen?

Änderungen gehören zum Fußball wie zum Leben

Der Fußball sollte sich Änderungen nicht vollkommen verschließen. Es hat durchaus Änderungen gegeben, die ihm gut getan haben. Dreht man den Film etwa ein halbes Jahrhundert zurück, da finden wir noch keine Auswechselmöglichkeit. Dass bei Remis nach 120 Minuten die Münze geworfen wurde. Gott sei Dank lange vorbei! Dem Fußball ist durch das Elfmeterschießen ein weiteres dramatisches, für die Unterlegenen natürlich traumatisches Element gegeben. Die Rückpassregelung ist seit 30 Jahren eingeführt. Gott sei Dank! Ganz frisch: Anstoß ins eigene Feld zurück, auch noch akzeptiert. Torabstoß nicht unbedingt an Spieler außerhalb des Strafraums. Auch noch gut. Nichts dagegen! Aber das ganze Theater um Auslegung „Hand oder nicht Hand“, „Unnatürliche Körpervergrößerung oder nicht“. Da hört doch alles auf! Da, wo die Interpretation anfängt, fängt auch der Schlamassel an. Also meine Herren! Lasst die Leute auf dem Platz Fußball spielen und die Zuschauer Freude daran haben und führt nur Regeln ein, deren Anwendung jeder vernünftige Zeitgenosse nachvollziehen kann.

Es grüßt sportlich jemand, der im Fußball eine Menge erlebt hat.