Titelbild FLW24 - Fußball Limburg-Weilburg

Borussia kopiert beim 8:4

Eine Vorlage aus dem alten Fußballkreis Limburg

Der Signal Iduna Park, das ehemalige Westfalen-Stadion, hat in seiner mehr als 40jährigen Geschichte sicher viele Besonderheiten erlebt. Erinnern wir uns zum Beispiel an jenen denkwürdigen Abend – es war der 9. April 2013 -, als Borussia Dortmund in der 89. Minute gegen FC Malaga beim Stand von 1:2 schon am Tropf hing. Dann kam die Wahnsinnsminute 90: Die „Notärzte“ Marco Reus und Filipe Santana hauchten der schon todgeweihten Klopp-Elf neuen Odem ein und wandelten den Rückstand in einen Sieg um. Erst diese 90 Sekunden ebneten den Westfalen die „Road to Wembley“ und bescherten den Fußballfreunden dann das bisher einzige deutsche CL-Finale. In diesem krönte schließlich Bayern München das Jahr 2012 durch ein 2:1 mit dem Triple.

Der gestrige Dortmunder Abend wird auch seinen Platz im Geschichtsbuch des europäischen Fußballs finden. Zwar war die Borussia längst für die Gruppenphase qualifiziert und der Gegner Legia Warschau schon vor Anpfiff jenseits von Gut und Böse. Pessimisten haben vielleicht die große Langeweile befürchtet. Aber was dann über 90 Minuten auf dem Rasen passierte, war jenseits aller Vorhersehbarkeit. Und das ist das Besondere am Fußball. Die Polen waren angereist, um sich anständig aus dem Wettbewerb zu verabschieden. Borussen-Trainer Tuchel seinerseits hatte dem sog. zweiten Anzug, der tatsächlich kein zweiter ist, Gelegenheit zur Eigenwerbung gegeben. Im Vergleich zum frischen 1:0-Sieg gegen Bayern München standen in der Startelf neun (!) andere Spieler. Lediglich Matthias Ginter und Bartra waren am letzten Samstag beim Anpfiff dabei. Wohl dem Coach, der aus einem solchen Reservoir schöpfen kann! 

Wer`s gesehen hat, wird es lange in Erinnerung behalten. Der Torreichtum beim 8:4 ist singulär in der Geschichte der Champions League. Die Abläufe waren kaum nachvollziehbar. Legias 1:0-Führung münzten Kagawa und Sahin binnen drei Minuten in ein 3:1 um. Bis zur Pause hatte der Schiedsrichter acht Mal angepfiffen. Später ging es munter weiter. Die Torschützen nahmen sich jetzt etwas zurück und vollstreckten nur noch fünf Mal. Thomas Tuchel hatte es fast die Sprache verschlagen: “Surreal. Sowas hab ich noch nicht gesehen.“ 

Wäre der Dortmunder Coach im Sommer 1996 im Würgeser Stadion Goldener Grund gewesen, hätte er das o.g. Zitat nicht äußern können. Dortmund kann ein 8:4 nicht alleine für sich beanspruchen. In der Oberliga Hessen gab es beim Spiel des gastgebenden RSV Würges gegen Eintracht Frankfurt Amateure exakt ein 8:4. Der heutige Kreisoberligist war in der Saison 1995/96 unter Trainer Harald Ringel in die Oberliga Hessen aufgestiegen, die damals die vierthöchste Spielklasse war. Einen Block im Würgeser Team bildete die Eisbachtal-Fraktion mit Keeper Frank Weisbrod, Thomas Meuer, Rüdiger Ackermann und Andreas Schuy. Ein paar zugereiste Spieler aus Rhein-Main wie Andreas Schreier oder der feine Techniker Claus Plattek mischten mit. Auch ein paar Akteure aus der direkten Nachbarschaft wie Olaf Zuckrigl (ehemals Limburg 19) oder Dirk Hünerbein (ehemals SV Limbach) waren mit von der Partie.

Ein sonniger Samstagnachmittag Anfang August 1996 sollte am dritten Spieltag eines der Highlights in der Geschichte des RSV bringen. Und der Südkreis hat über 30 Jahre davon eine ganze Reihe erlebt. Bei der Eintracht wirkten  u.a. der junge Alexander Schur mit. Am Ende hatte Würges acht Mal, Frankfurt viermal getroffen. Unvergesslich zwei Freistoß-Tore von Dirk Hünerbein binnen kurzer Zeit vom selben Punkt. Frankfurts Keeper Kevin Knödler, der später in der Regionalliga Süd u.a. Stammtorhüter bei TSG Hoffenheim und Waldhof/Mannheim war, hätte beinahe entnervt seinen Kasten verlassen.

Würges maß sich in dieser Saison mit einer Reihe von namhaften Gegnern wie Kickers Offenbach, FSV Frankfurt, Viktoria Aschaffenburg oder SV Wehen. Es sollte noch ein weiteres Jahr im hessischen Oberhaus werden. Dann kam der Abstieg. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends erholte sich dann der RSV Würges, brach unter Jürgen „Schorsch“ Menger zu neuen Ufern auf. Es erfolgte eine neue, erfolgreiche, länger andauernde Ära in der Oberliga Hessen.