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EM-Tagebuch – Teil 1: Weiter – immer weiter !

EM-Tagebuch – Teil 1: Weiter – immer weiter !

"Mein größer Fehler war es anzunehmen, dass wir mit unserem dominanten Ballbesitzfußball durch die Vorrunde kommen."

Joachim Löw – 29.08.2018 - bei der Pressekonferenz zur Aufarbeitung des Debakels bei der WM 2018 in Russland.

„Treten Sie zurück und nehmen Sie Ihren Trainer gleich mit“

Max Stillger am 18.12.2018 in einem offenen Brief an den damals noch amtierenden DFB-Präsidenten Reinhard Grindel

 

62% Ballbesitz gegen den amtierenden Weltmeister – da glänzen manchem Statistiker die Augen – aber kaufen können wir uns dafür nichts.

Und ich befürchte, dass ich nach dieser EM die Meinung nicht mehr exklusiv habe, dass es wohl besser gewesen wäre, Hansi Flick noch vor der EM ins Amt zu heben.

Aber diese EM bietet – nachdem jetzt alle Mannschaften ihren ersten Auftritt hinter sich hatten – auch jede Menge Diskussionsstoff außerhalb der DFB-Elf.
Der für mich prägendste Moment war die Szene mit Christian Eriksen, nicht zuletzt deshalb weil ich vor 14 Jahren eine ähnliche Erfahrung - mit leider nicht so positivem Ausgang – aus nächster Nähe miterlebt habe.

Solche Momente zeigen von einer Sekunde auf die andere, dass es wichtigere Dinge im Leben als den Fussball gibt. Wenn da nicht viele Beteiligte unmittelbar die richtigen Maßnahmen eingeleitet hätten, wäre dort einer der besten Fussballer, den es momentan auf diesem Planeten gibt, möglicherweise im Sarg aus dem Stadion getragen worden.
Im Profi-Bereich ist dafür gesorgt, dass in einem solchen Fall schnell eine optimale Behandlung gewährleistet ist. Aber wie sieht es im Amateurbereich aus ?
Dort sitzt nicht bei jedem Spiel ein Notarzt an der Seitenlinie.

Deshalb:

  1. Wir brauchen eigentlich auf jedem Dorfsportplatz einen Defibrillator
  2. In jedem Verein muss einer (oder bessere mehrere) Spieler oder Betreuer so ausgebildet sein, dass die auch wissen, wie man so ein Gerät korrekt einsetzt.

Der DFB und die DFL könnten hier große Pluspunkte sammeln, indem man

  1.  den Vereinen koordinierte Hilfestellung beim Einkauf bietet
    (wenn alle Vereine ein einheitliches Gerät bei einem Hersteller ordern, kann hier auf höchster Ebene ein ordentlicher Rabatt ausgehandelt werden)
  2. wenn dann noch ein „kleiner Zuschuss fließt“ ist diese Investition auch für kleine Vereine tragbar (ein Gerät kostet um die 1.500 € - bei entsprechendem Rabatt von 500 € und Zuschuss von 500 € pro Verein bleibt ein überschaubarer Betrag von 500 € als Eigenbeteiligung für den jeweiligen Verein hängen)

Wenn eine solche Aktion dazu führt, dass auch nur ein Menschenleben gerettet wird, hat sich diese EM zu spielen (was auch ich durchaus in Frage gestellt habe), gelohnt.
Das ist die Überleitung zu der Frage:

Muss das in diesen Zeiten sein, eine derartige Großveranstaltung – noch dazu in 11 verschiedenen Ländern – zu veranstalten oder hätte man das Ganze nicht lieber abgeblasen ?
Für mich ist dann schon schwer zu verstehen, dass da gestern in Budapest 60.000 ohne Maske im Stadion sitzen und ein Spiel so zelebrieren, wie wir das vor dem März 2020 gekannt haben. Und in Deutschland müssen Gastronomen, Einzelhändler, Künstler etc. nach wie vor große Einschränkungen in Kauf nehmen.

Die Wahrheit liegt wie so oft, wahrscheinlich in der Mitte.

Noch schwerer zu verstehen war für mich allerdings, dass die UEFA vor 3 Wochen 20.000 Engländer nach Portugal transportiert, damit die sich dort ein Spiel zwischen zwei englischen Mannschaften um den Champions-League Pokal vor Ort anschauen.

Warum hat man da nicht in Wembley gespielt ?

Im Moment sind die Corona-Zahlen trotzdem auf dem richtigen Weg – ob es die deutsche Mannschaft auch ist, wird sich am Samstag zeigen.

Ich freue mich jedenfalls auf den Tag, wo der Herr Lauterbach wieder in seinen Keller geht, in dem er dreißig Jahre lang vor Ausbruch der Pandemie gesessen hat.
Und ich freue mich auch endlich wieder auf den heimischen Sportplätzen mit vielen altbekannten „Strategen“ Fachgespräche bei Bier und Bratwurst zu führen.

Max Stillger