Interview / Portraits
02.04.2009
Porträt Stefan Simon
![]() |
Anderthalb Jahrzehnte Profifußball - da kann Stefan Simon, der Offheimer, viel erzählen. Die Fußballstatistiken im Internet attestieren dem Endreißiger 172 Spiele in der Zweiten Bundesliga und rund 190 Spiele in der Regionalliga (zu der Zeit 3. Liga). Ein Jahr Abstecher in die Oberliga Hessen dazu.
Rumgekommen ist er viel. Offenbach, Ahlen, Frankfurt, Darmstadt, Homburg/Saar, Wehen und Eschborn, das sind die Stationen, die der Mittelfeldspieler und Stürmer durchlaufen hat. Jetzt ist er seit knapp zwei Jahren in seinen Heimathafen SC Offheim eingelaufen, wo er aktuell als Spielertrainer mit dem SC an der Spitze der A-Liga Limburg/Weilburg steht.
Früher Aufbruch Richtung Frankfurt
Stefan Simon gehört nach eigenem Bekenntnis zu den sog. Straßenfußballern. "In jeder freien Minute habe ich mit Kumpels irgendwo gegen den Ball getreten." Bis zur C-Jugend jagte er für den SC Offheim dem runden Leder nach. Dann wurden die Weichen für die spätere Profilaufbahn gestellt. Eintracht Frankfurt hieß das vorläufige Ziel. Die Jugendspäher des DFB wurden auf den talentierten Linksfuß aufmerksam. Unter Holger Osieck etablierte sich der junge Simon im Kader der U 15 und U 16-Nationalmannschaft.
Pekinger Kulisse: 80000
Absolutes Highlight war inder Jugendnationalmannschaft die Weltmeisterschaft in China. Vor 80000 Zuschauern unterlagen die deutschen Jungen im Reich der Mitte Nigeria mit 0:2. Aufder gegenerischen Seite spielte Jonathan Akpoborie (u.a Stuttgart, Wolfsburg, Rostock. In der deutschen Elf standen u.a. Marcel Witeczek (Ürdingen, Bayern, Gladbach), Detlef Dammeier (Hannover, Hamburg, Wolfsburg, Bielefeld) und Martin Schneider (Gladbach, Nürnberg, Duisburg). Der Coach hieß Horst Köppel. Andy Möller war der Teamgefährte bei den Eintracht A-Junioren.
Grundlagen bei Eintracht Amateure
Die Lehrjahre ab der Seniorenzeit verbrachte Simon bei der den Amateuren von Eintracht Frankfurt unter dem Trainer Jürgen Sparwasser. Die Verbindung zu den Profis war hergestellt (Jörg Berger), aber dann kam das Verletzungspech.
Zweitligatour startet in Darmstadt
Jürgen Sparwasser hatte unterdessen bei Darmstadt 98 angeheuert. Der besann sich seines früheren Schützlings Simon und verpflichtete diesen an das Böllenfalltor, wo er zwei Spielzeiten verbrachte. Kickers Offenbach war als Station angesagt. Hier erlebte Stefan Simon alle Höhen und Tiefen. Oberliga, Regionalliga, Zweite Bundesliga. "Die absolut schönste Zeit," schwärmt er heute noch über den Kultklub vom Main. "Tolles Publikum, unnachahmliche Atmosphäre am Bieberer Berg". In diese Phase fällt auch das legendäre Flutlichtspiel des OFC gegen Memmingen. Es ging um den Aufstieg in die Regionalliga. Im veralteten Mannheimer Stadion kam die Überlastung der Flutlichtanlage (zudem sendete der HR live) dem OFC kurz vor dem Abpfiff zu Hilfe. Im Wiederholungsspiel in Stuttgart hatten die Hessen dann mit 2:0 gegenüber den tapferen Allgäuern die Nase vorn.
Wechsel nach Ahlen über Handy
Wenn Stefan Simon schildert, wie der Wechsel von Kickers Offenbach zum Zweitligisten LR Ahlen vollzogen wurde, erhält man einen kleinen Einblick, wie abenteuerlich das Geschäft Profifußball sein kann. Die Westfalen, deren Trainer Peter Neururer war, interessierten sich für Simon zum Saisonwechsel. Als er zum Jahreswechsel aus dem USA-Urlaub zurückkam und auf deutschem Boden das Handy einschaltete, las er in einer SMS, dass der Wechsel bereits in der Winterpause vollzogen war. "Am nächsten Tag sollte ich in Ahlen auf dem Trainingsplatz stehen. Das hieß die Tasche packen und zunächst in Westfalen im Hotel wohnen."
Von Ahlen auf den Wehener Halberg
In der Saison 2002/03 orientierte sich der Offheimer wieder Richtung Heimat. Es schlossen sich drei Jahre beim SV Wehen an. Das letzte Jahr im Profifußball verlebte er dann beim damaligen Regionalligisten 1. FC Eschborn, wo dann plötzlich die Geldtüte platzte. "Da warte ich heute noch auf Geld", kann er sich einen kleinen Seitenhieb Richtung aktuellem Hessenligisten nicht verkneifen.
Unterschiedliche Bewertung von Trainern
Wer eine so abwechslungsreiche Tour durch verschieden Klubs hinter sich hat wie Stefan Simon, kann natürlich ein Lied von verschiedenen Trainern singen. "Nerurer, ja das war vielleicht der beste Trainer, den ich hatte. Vasic (SV Wehen) muss ich auch nennen." In eine andere Kategorie ordnet er Uwe Rapolder (jetzt TuS Koblenz) ein. Hier scheint es "chemische" Probleme in der Harmonie zwischen ihm und dem Übungsleiter gegeben zu haben. "Wir spielten mit Ahlen bei Greuther Fürth. Da durfte ich dann in Fürth den Wald kennenlernen und Baumstämme heben. Nachmittags beim Spiel stand ich als einziger Linksfuß noch nicht einmal auf dem Bogen." Kurios, kurios! Noch kurioser wird es, wenn der Trainer dann noch die heiße Empfehlung ausspricht:"Gib vorzeitig deinen Vertrag zurück!"
Zurück zu den Offheimer Wurzeln
So könnte der Ex-Profi sicher noch manche Geschichte zum Besten geben. Jetzt hat es ihn an seinen Ursprung zurückgeführt, von dem er im Alter von 14 Jahren aufgebrochen war. Sein Engagement gehört aktuell dem SCO, mit dem er beste Aussichten hat, in die Kreisoberliga aufzusteigen. Sonntag geht es zum ärgsten Konkurrenten nach Eisenbach, "wo wir gewinnen wollen." Ansonsten ist Stefan Simon künftig auch für andere sportliche Aufgaben offen. "Mal sehen, was kommt."
Privat ist das Augenmerk unseres Gesprächspartners ganz auf die Familie gerichtet. Beim vierjährigen Sohn Luca sieht er schon Interesse am runden Leder. "Wenn er das mag, werde ich ihn später fördern." Ansonsten gibt es ganz aktuell einen weiteren Anlass zur Freude im Hause Simon. Vor zwei Wochen wurde Töchterchen Marleen zur Welt gebracht.
Das Interview führte Harald Snell.
Weitere Interviews / Portraits:
"Atze" Rompel, Bernd Schröder, Bernhard Raab, Daniel Markic, Daut Retkoceri, Emmrich Reif, F. Guckelsberger, Franz-Josef Wolf, H. Mattersberger, Harald Karger, Heinz Hankammer, Jürgen Menger, Jens Boehnke, Klaus Halberstadt, Lutz Wagner, Michael Blättel, Michael Diel, Michael Röser, Michael Sauer, Ramon Berndroth, Stefan Simon, Tae Ha Park, Wolfgang Frank




