Titelbild FLW24 - Fußball Limburg-Weilburg

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Wetter – Kreisel - Mekka

Mythische Begriffe in der Welt des Fußballs

Vielleicht gibt es schon ein Lexikon, das mythische Begriffe aus der Welt des Fußballs auflistet. Wenn nicht, wäre das doch ein lohnenswertes Desiderat. Mythische Begriffe sind nicht nur im Fußball wie Pflöcke der Erinnerung an Ereignisse und Personen, die einem im Laufe langer Jahrzehnte begegnet sind.

Mythische Begriffe ranken um Fußballindividualisten, Stadien, Derbys, Spielweisen. Wenn sie fallen, sind die Experten gleich im Bilde. Spricht jemand von „Fritz-Walter-Wetter“, denkt der Kundige sogleich an viel Regen und aufgeweichten Rasen und an das Wankdorf-Stadion in der Schweizer Hauptstadt. Kreiert wurde der Begriff nach dem „Wunder von Bern“. Am regenreichen 4. Juli 1954 hatte Deutschland gegen die hochfavorisierten Ungarn 3:2 gewonnen. Spielführer und Dirigent Fritz Walter machte wie das übrige Team ein herausragendes Spiel. „Boss“ Rahn war mit seinem Doppelpack der „Held von Bern.“ Der „Chef“ Sepp Herberger hatte seinen Spielern die neuartigen Schraubstollen, eine damals geniale Erfindung von Adidas, verpasst. Die Ballkünstler aus Budapest konnten ihr Schuhwerk nicht variieren und mussten am Ende kapitulieren.  https://www.youtube.com/watch?v=7DCcSNcR-mQ

Zwei Jahrzehnte zuvor erfanden sie im Ruhrpott den „Schalker Kreisel“. Mit einem neuen Spielsystem, in dem der Ball häufiger zirkulierte als üblich, entzückten Fritz Szepan, Ernst Kuzorra & Co, Legenden vom Schalker Markt, ihre Fans. (https://www.youtube.com/watch?v=_88O-ukIty8)

Ein Tscheche wird zum Trendsetter

Kennt noch jemand Antonin Panenka? Diesen frechen Schnauzbart aus dem goldenen Prag. Er hatte Gold im rechten Fuß. Bei Bohemians spielte er die längste Zeit. Wegen seiner zauberhaften Freistöße hieß er auch „Der Mann mit den Radaraugen.“ Panenka ist der Urvater des gechippten  Strafstoßes. Des „Panenka-Hebers“ bedienen sich seitdem viele Fußballgrößen rund um den Globus. Meist erfolgreich. Gelegentlich geht es in die Hose. Ob Sepp Meyer heute noch Alpträume hat, weiß niemand. Jedenfalls überlistete der kleine Tscheche bei der Weltpremiere seines Kabinettstückchens die „Katze von Anzing“ mit dem kecken Heber und machte sein Team 1976 zum Europameister. Zuvor hatte der in Kürze scheidende Bayernboss Uli Hoeneß es beim Elfmeterschießen mit der Brechstange versucht und den Ball in den Belgrader Nachthimmel gedroschen. Der Ball wurde nie mehr gesehen. Satiriker vermuten, dass die Kugel heute noch in der Erdumlaufbahn fliegt. https://www.youtube.com/watch?v=U1LEiBl4N5Y

https://www.youtube.com/watch?v=WUoLcy6Lzgc

Lokalderbys

Stadtderbys – ein heißes Eisen. Man muss hier differenzieren. Es gibt solche, bei denen dem Fußballfan das Herz höher schlägt, aber auch die, bei denen es regelmäßig zu Horrorszenarien kommt.

Manche Stadtderbys haben eine lange Tradition und magische Berühmtheit erlangt. Wer wollte nicht einmal beim Superclasico am Rio de la Plata dabei gewesen sein, wenn die Boca Juniors, der Klub aus dem Arbeiterviertel im Hafen von Buenos Aires, aus dem einst Diego Maradona hervorging, und der bereits 1925 von eben dort in das vornehme Viertel Nunez umgezogene FC River Plate aufeinander treffen? Duelle, in denen auf den Rängen Mittelklasse gegen Arbeiterklasse steht. Am Rio de la Plata ist beim Superclasico stets Feuer im Spiel und auf den Rängen. Nicht nur in früheren Zeiten herrschte da Klassenkampf mit nicht selten zu beklagenden Todesfällen. https://www.youtube.com/watch?v=fNKjd0Yi4u0 

In der serbischen Hauptstadt Belgrad zählen die Begegnungen zwischen Roter Stern und Partizan ebenfalls zu den „Alarmspielen“. Im Maracana – nicht das am Zuckerhut, sondern das an der Donau - ist dann eine erhöhte Polizeipräsenz nötig.  https://www.youtube.com/watch?v=LOEc2vokM5c

In der schottischen Premier League zählt das „Old Firm“, wenn Rangers und Celtic regelmäßig im Schnitt dreimal jährlich im Ibrox-Stadium oder Celtic Park die Klingen kreuzen, zu den Höhepunkten der Saison. Gottlob sind die aus der Genese der Vereine tradierten Gegensätze – die Rangers protestantisch und Celtic katholisch – heute nicht mehr so dominant.  https://www.youtube.com/watch?v=81tM4CYXWVw 

Berlin erlebte am vergangenen Samstag mit dem Stadtderby Union gegen Hertha  die Uraufführung dieser Traditionsvereine in der Bundesliga. Fußballerisch war das nicht Güteklasse A, aber doch prickelnd. So klein das Stadion der „Eisernen“ in Köpenick ist: Allein den Namen „Alte Försterei“ umweht schon etwas Besonderes. Dass der Aufsteiger dann noch mit 1:0 siegte, passte der Mannschaft aus dem Ostteil der Hauptstadt genau ins Bild. Tolle Choreographie, ein gelungenes Event. Dem konnte auch eine Handvoll Idioten keinen Abbruch tun, die den umsichtigen Referee Deniz Aytekin zur Unterbrechung veranlassten. Im Vergleich zu Belgrad und Buenos Aires tendiert der Risikograd in Köpenick zum Glück gegen Null. Dennoch sollten alle für die Sicherheit Verantwortlichen nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ alles für die Eindämmung der Gefahr tun. https://www.youtube.com/watch?v=xv8naoLERVE

Das Mekka des Fußballs

Ist im Kontext zum Fußball die Rede von „Mekka“, meint niemand das religiöse Zentrum des Islam auf der arabischen Halbinsel. Wer ins „Mekka des Fußballs“ möchte, macht von Frankfurt eine 50 minütige Flugreise auf die Insel und besucht ein Spiel im Londoner Wembley Stadion, dem Nationalstadion des englischen Fußballs. Es ist nicht mehr die 1925 eröffnete Arena mit den verschwundenen Zwillingstürmen, sondern die seit 2007 an gleicher Stelle eröffnete Multifunktionsarena im Norden der britischen Hauptstadt. Wembley gilt bei allen Fußballfans als ein Name, dem man im fußballerischen Sinne fast Ehrfurcht entgegenbringt. Früher sprach man vom „heiligen Rasen von Wembley“. Mit dieser Spielstätte wird neben vielen anderen Großereignissen immer das berühmteste „Nicht-Tor“ der Fußballgeschichte verbunden sein. Man schrieb das Jahr 1966. „The Three Lions“ wurden zum bisher einzigen Mal Fußballweltmeister. Die Elf des DFB holte die erste von vier Vizeweltmeisterschaften. Im Fußball wird das „Wembley-Tor“ immer seinen festen Platz behaupten. https://www.youtube.com/watch?v=XtiWJe54PPU