Titelbild FLW24 - Fußball Limburg-Weilburg

Anzeige

Man in black hat Vorrang vor men in black

Georg "Schorsch" Horz.

In einer Woche geht der Punktspielbetrieb endlich wieder los. Alle 14 Tage bis 3 Wochen werde ich mich dann wieder mit einer Mannschaft rumärgern müssen, die mit schwarzen Trikots aufläuft.

Schwarz ist die Farbe der Schiedsrichter. Ich habe auch nur schwarze Trikots. Eines mit langem Arm ist schon älter als 25 Jahre, von zwei kurzen ist eines ein Geschenk von Lutz Wagner, dem ich mal assistieren durfte, das andere ist auch schon uralt.

Ich kann mir dann bei den Spielen wieder Belehrungen anhören, ich müsste doch Ausweichtrikots haben. Muss ich nicht. Die Krönung ist "Herr Schiedsrichter, Sie können sich doch ein Leibchen überziehen!" "Du mich auch!" Die mit Leibchen gekleideten Schiedsrichter erweisen unserer Zunft einen Bärendienst.

Die Regel, dass schwarz die Farbe des Schiedsrichters ist, sollten eigentlich alle Fußballvereine, die ihren Sport richtig betreiben, wissen und auch leben. Nein, ich ziehe mir als Spielleiter kein Leibchen an. Der Verein, der schwarz als Trikotfarbe wählt, sollte schon so konsequent sein, ein andersfarbiges Trikot parat zu haben. Nein, ich bin auch kein Sturkopp. Bei Ahlbach/Oberweyer gegen Bad Camberg wollte die Heimmannschaft unbedingt in schwarz spielen. "Florian" Silbereisen ist nach Hause gegangen und hat mir ein rotes Trikot aus seinem Bestand geholt. Auch gut, damit kann ich leben.

Weiterhin sollte bekannt sein: die Trikotfarben der Mannschaften und die Farben der Stutzen müssen sich unterscheiden, im Konfliktfall wechselt im Amateurbereich die Heimmannschaft, bei den Profis wechselt der Gast. Die Farbe der Trikots der Torhüter müssen sich von denen beider Mannschaften unterscheiden, hier darf die gleiche Farbe wie der Schiedsrichter getragen werden. Auch in diesem Bereich gibt es immer wieder Konflikte, weil man glaubt, sich darüber hinwegsetzen zu dürfen.

Warum hat der Schiedsrichter Horz nur schwarze Trikots?

Schiedsrichter sehen in schwarzen Trikots am Besten aus.

Da ich ein fauler Sack bin, brauche ich mir nur ein schwarzes Trikot einzupacken und liege immer richtig.

Geld war in den Vereinen TUS Eisenbach und VfL Eschhofen, für die ich gepfiffen habe / pfeife, immer ein Thema, weil es nicht im Überfluss vorhanden war. Jedes Jahr die neue Kollektion von Adidas in den Farben schwarz, gelb, blau, rot und grün, neuerdings auch noch Schiedsrichterstutzen in diesen Farben (Mann, sieht das scheiße aus) und dann auch noch mit kurzem Arm für den Sommer und langem Arm für den Winter macht 10 Trikots pro Jahr, ist aber nicht mein Ding. ADIDAS soll sich dumm und dämlich verdienen, aber bitte nicht auf Kosten meines VfL Eschhofen. Außerdem habe ich als Schiedsrichter keinen Feindkontakt, niemand hält mich fest, ich grätsche nicht und liege auch nicht öfters mal auf dem Boden. Was ich sagen will: so ein Schiedsrichtertrikot hält Jahre, meines mit langem Arm, siehe oben, schon knapp 3 Jahrzehnte. Diese Überfluss- und Wegwerfgesellschaft mache ich nicht mit, es widerstrebt mir, vollkommen intaktes Material wegzuwerfen, nur weil eine neue Kollektion auf dem Markt ist. Mache ich privat auch nicht. Bei 3 Schiedsrichtern pro Verein, die sich jährlich komplett neu einkleiden, ist der aufzubringende 4-stellige Betrag in der Jugendarbeit wesentlich besser aufgehoben. Ein guter Schiedsrichter definiert sich selbstverständlich auch darüber, gegenüber den Menschen um unseren Sport ordentlich aufzutreten und pünktlich und ordentlich inklusive Schuhputz gekleidet zu sein, es muss aber ganz bestimmt nicht die neueste Kollektion Schiedsrichterkleidung sein.

Warum kommt mir das Thema gerade jetzt in den Sinn?

Am vergangenen Sonntag wollte ich meinem Eschhöfer Kumpel Jürgen Leukel kurz "Guten Tag" sagen, vermutete ihn auf dem Sportplatz. Seine Söhne Manuel und Tobias spielen beim VfL Eschhofen. Und der spielte in Hollese in einem Freundschaftsspiel gegen die SG Birlenbach / Balduinstein aus dem Rhein-Lahn-Kreis. Beide Mannschaften waren komplett in schwarz gekleidet. Farbtupfer war Schiedsrichter Bernd Lukas, er trug ein rotes Trikot, seine Hose und Stutzen (Gottseidank) waren auch schwarz. Eschhofen zog sich gelbe Leibchen über.

Mein Appell, auch weil die Saison 19/20 nicht mehr so fern ist und vielleicht bald neue Trikotsätze angeschafft werden: schafft Euch bitte keine schwarzen Trikots an. Konsequenterweise solltet Ihr Euren Schiedsrichtern auch nur schwarze Trikots finanzieren. Ihr spart viel Geld und vermeidet vor Eurem Spiel Konflikte mit dem Spielleiter. Es gibt eigentlich nur Argumente für meinen Appell und keines dagegen, zum Leidwesen der Firma ADIDAS und zur Freude der Vereinskasse.

Nächstes Wochende geht es wieder los. Ich freue mich darauf, Euch zu treffen. Wenn es nicht gerade gegen den VfL Eschhofen oder den TUS Eisenbach geht, wünsche ich Euch Erfolg.

Wir sehen uns / Schorsch Horz

PS: Die Trikots müssen Rückennummern haben. Die Nummern 1 bis 20 sollten genügen. Wenn der Hochzeitstag, das Geburtsjahr, die Namensähnlichkeit mit einer Zahl, die Anzahl der Geschlechtspartner/innen oder der gezeugten Kinder und was weiß ich noch innerhalb dieses Bereiches ist, ist es ja okay. Rückennummern 55, 70, 92 oder 99 sind aber ganz einfach nur affig. Vielleicht sollte die ganze Konzentration wieder einmal darauf gerichtet werden, guten Fußball zu spielen.