Titelbild FLW24 - Fußball Limburg-Weilburg

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Immer wieder, immer wieder, immer wieder WGB

Aus aktuellem Anlass hat Max Stillger seine erste Kolumne für uns geschrieben.

Einer der ältesten und bekanntesten Schlachtrufe der deutschen Fussball-Kultur, lässt sich (leider) auch auf ein Problem ummünzen, das nicht nur im Fussballkreis Limburg-Weilburg, sondern bundesweit den Verantwortlichen immer mehr Kopfzerbrechen bereitet.

Eines ganz deutlich vorab: Ich habe viele Freunde, deren familiäre Wurzeln im Ausland liegen (ich schreibe hier bewusst nicht „Migrationshintergrund“, weil ich dieses Wort abwertend finde) und finde es auch gut, dass wir in Deutschland die Türen für jedermann offen haben. Und meine internationale Erfahrung geht über Mallorca und die Türkei hinaus. Auch wenn es noch keine 104 Länderpunkte, wie bei meinem alten Kumpel Heinz Ewald, sind.

Und aus dieser Erfahrung kann ich sagen:

Es gibt zwei Regeln, mit denen man auf der Welt immer klar kommt.

Regel Nr. 1: Immer freundlich sein und Regel Nr. 2: Immer das alte Sprichwort „andere Länder – andere Sitten“ beachten.

Wenn alle Beteiligten sich an diese beiden Regeln halten, bräuchten solche Beiträge überhaupt nicht geschrieben zu werden. Aber anscheinend ist das im richtigen Leben nicht immer so einfach.

Und wenn es dann – wie in der vergangenen Zeit in inflationärem Ausmaß - „Stress auf dem Sportplatz“ gibt, taucht natürlich zuerst immer die Frage auf: „Wer hat Schuld? bzw. wer hat angefangen?“

Fakt ist: „Stress“ gibt es nicht bei Selters gegen Eisenbach, Niederbrechen gegen Oberbrechen oder Elz gegen Offheim (allesamt spannungsgeladene Lokalderbys, die, wäre die DFL für die Ansetzung verantwortlich, man eigentlich als „Risikospiele“ bezeichnen würde).

Nein: Leider taucht bei den „Zirkusspielen“ immer wieder nur ein Name auf: WGB Weilburg – und es ist eigentlich zweitranig, wie da der Gegner heisst.

Warum ist das so? Diese Frage geht Richtung aller Beteiligten.

Nach meiner persönlichen Einschätzung sind hier zwei Faktoren vorab zu nennen:

  1. Anscheinend liegt bei solchen Spielen die Hemmschwelle zu verbalen Provokationen niedriger -das gilt für beide Seiten.  (siehe Regel Nr. 1 oben)
  2. Der Umgang mit sportlichen Niederlagen scheint nicht in allen Kulturkreisen so gepflegt abzulaufen, wie bei uns. (siehe Regel Nr. 2 oben)

Da es im Sport immer Sieger und Verlierer geben wird, kann letzteres nicht so einfach gelöst werden. Auch wenn das jüngst eine frustrierte „Helikopter-Mutter“ mit der Forderung der Abschaffung der Bundesjugendspiele versucht hat.

Wir reden oft von Solidarität und Integration im Bezug auf Mitbürger, deren Wurzeln im Ausland liegen. Auf dem Fussballplatz ist das viel einfacher als im wahren Leben, denn eine der (ausnahmsweise guten) Aktionen der FIFA liegt darin, weltweit einheitliche Regeln für den Fussballsport aufgestellt zu haben. Und das gilt auch für das „Benehmen“ vor, während und nach dem Spiel.

Wenn das aber einer der Beteiligten dauerhaft ignoriert, wird man ihn irgendwann nicht mehr mitspielen lassen. Solidarität kann dann auch so aussehen, dass sich alle 17 Mannschaften einer Liga weigern, gegen das 18. Team anzutreten. Bisher lautet die Regel ja, dass man erst nach 3-maligem Nichtantreten aus dem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Dann wird zwar eine Mannschaft mit 102 Punkten und ohne Gegentor Meister, aber ich glaube diese  Meisterschaftsfeier macht auf keinem Kulturkreis auf der Welt irgendjemand Spass. Und die Beste der übrigen 17 Mannschaften hat ja immer noch die Relegation…

Ich hoffe, es kommt nicht soweit, aber wir sind momentan auf dem besten Weg in diese Richtung.

Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in den beiden eingangs erwähnten Regeln.

„Immer freundlich sein“ – gilt für alle Beteiligten.

Bei Regel Nr. 2 liegt die Hauptarbeit bei den Verantwortlichen von WGB, dieses ihrem Umfeld (Spielern und Zuschauern) klar zu machen.

Markus Stillger