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27.09.2018
Kategorie: Schorsch Horz, Aktuelles
Von: flw24 von Schorsch Horz

Ich bin gerne Amateurschiedsrichter


Beim Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen foulte Bellarabi den bajuwarischen Verteidiger Rafinha übel. Selbst ohne die schwerwiegende Verletzung hatte diese Aktion die rote Karte verdient, die Schiedsrichter Tobias Welz richtigerweise zeigte und die 4 Spiele Sperre nach sich zog. Dieses Foul rief auch, neben den Herren Kovac und Hoeneß, Bayern-Boss Rummenigge auf den Plan, DFB und Schiedsrichter müssten die Bayern-Spieler besser schützen, sonst hätte der Deutsche Meister bald keine Mannschaft mehr. Der verletzte Tolliso wurde dabei mit ins Feld geführt, obwohl sich dieser ohne Fremdeinwirkung das Kreuzband gerissen hatte. Gilt der Schutz nur für Bayern-Spieler? Habe ich in den letzten Jahren eigentlich Rummenigge-Forderungen nur nicht mitgekriegt, wenn Bayern-Spieler mal über die Stränge geschlagen haben? Zum Beispiel, wenn ein übermotivierter und frustrierter Ribery mal wieder eine Tätlichkeit an einem Gegenspieler beging und er nur mit einer gelben Karte bestraft wurde.

Ich bin gespannt, was der ehemalige Nationalspieler zum üblen Foul von James an McKennie bei Schalke gegen Bayern sagt. McKennie steht den arg gebeutelten Schalkern verletzungsbedingt mehrere Wochen nicht zur Verfügung. Sportfreunde, die den Bayern-Bonus beklagen, werden bestärkt, James erhielt meines Wissens von Spielleiter Daniel Siebert noch nicht einmal die gelbe Karte. Die Rummenigge-Forderung nach Schutz seiner Spieler war also, wenn auch in anderem Sinne, erfolgreich. 

Mittlerweile ist es Donnerstag, Rummenigge schweigt.

Das beschriebene Szenario erlebe ich sonntäglich bei den von mir geleiteten Seniorenspielen und auch als Zuschauer auf anderen Sportplätzen. Bei gegnerischen Bagatellfouls werden schärfste Strafen gefordert, haut der eigene Mann den Gegenspieler um, wird sogar der gegebene Freistoß angezweifelt, es sei doch der Ball gespielt worden. Geht das Ding schief, sprich die eigene Mannschaft verliert, hat man in dem Schiedsrichter den Sündenbock gefunden und unterstellt ihm im Pressebericht spielentscheidende Fehlentscheidungen, das Gegenteil kann ja nicht bewiesen werden. FLW24 hat am 31.08.2018 bei den Berichteschreibern der Vereine für mehr Fairness gegenüber dem Spielleiter geworben. Ich möchte das unterstützen.

Starrsinn und Geldgeilheit

Ich komme zur Frage: stellt sich der Bundesligaschiedsrichter eigentlich gegenüber dem Amateurkollegen besser oder schlechter? Der Fernsehbericht schafft durch Bilder aus zahllosen Kameras Transparenz. Bestätigt sie den Schiedsrichter in seiner Entscheidung, ist Alles gut. Problematisch wird es, wenn die Fehlentscheidung belegt wird, die falsche Abseitsentscheidung (es ging um wenige Zentimeter) bei der Eintracht gegen Leipzig hat den Hessen möglicherweise 2 wichtige Punkte gekostet. Zur Katastrophe wird es, wenn der Videobeweis herangezogen wird und danach immer noch falsch entschieden wird. Die Platzverweise vom Wochenende in Nürnberg und Hoffenheim (4. Spieltag) gegen Hannover und Dortmund nehme ich als Beleg dafür. Es gibt aber noch eine Steigerung und zwar, wenn der Videoassistent überhaupt nicht eingreift. Als Gladbach-Fan äußere ich mein Unverständnis darüber, dass Patrick Herrmann für das üble Grätschen auf den Knöchel des Standbeins seines Gegenspielers keine rote Karte erhält. Die WM 2018 lässt grüßen. Eine Linie, wann Köln eingreift oder nicht eingreift, erkenne ich nicht, die Verfahrensweise ist willkürlich. Die Zeit der Unterbrechung, bis das Bildmaterial gesichtet ist, dauert viel zu lange und nimmt der Veranstaltung die Spannung. Verantwortliche sollten sich mal Gedanken darüber machen, weshalb immer mehr Zuschauer den Stadien fernbleiben, ich registriere immer mehr halbvolle Ränge. Die Zeiten, wo alle 9 Stadien ausverkauft waren, gehören der Vergangenheit an. Das hat aber auch andere Gründe, deren Beseitigung aber am Starrsinn und der Geldgeilheit der Herrschaften in der Otto-Fleck-Schneise scheitern. Fragt mal nebenan bei der Eintracht, ob es Spaß gemacht hat, im leeren Stadion von Marseille zu spielen. Nur das Ergebnis passte, der Rest nicht.

Nichts daraus gelernt

Also, es wird deutlich. Ich bin gegen den Videobeweis. Er macht den Fußball kaputt. Fehlentscheidungen des Schiedsrichters und seines Teams gehören zum Spiel. Vor dem Videobeweis wurde mehr über das Premiumprodukt Fußball diskutiert, Schiri-Fehlentscheidungen waren eine Randnotiz. Heute wird mehr über Schiedsrichterentscheidungen diskutiert als über das eigentliche Spiel selbst. Der Videobeweis hat die Schiedsrichterleistungen nicht besser gemacht. Hinzukommt kommen die sozialen Medien, wo sich Schiedsrichter dann ob ihrer Fehlleistungen oder der Fehlleistungen ihres Torrichters oder ihrer Assistenten oder den Kellerkindern in Köln auf teilweise üble Art und Weise durch den Dreck ziehen lassen müssen. Viele haben aus der Geschichte um Babak Rafati nichts gelernt. Vielfach sind die Attacken weit unter der Gürtellinie auch nur Antipathien gegenüber einem bestimmten Schiedsrichter geschuldet. 

Und, ein 2. also: ich bin gerne Amateurschiedsrichter und möchte kein Schiedsrichter in den höheren Ligen sein. Ich entscheide, möglicherweise auch falsch, ich revidiere dann und wann auch mal eine Entscheidung, dann wird aber weiter gekickt und nicht Ewigkeiten debattiert. Auf Grund meines Alters und meiner Lebens- und Berufserfahrung kann ich mit Bepöbelungen und Beschimpfungen bei der Spielleitung und auch mit einer negativen Kritik, die mit der Vereinsbrille des Gegners durchaus anders ausfällt, umgehen. Insbesondere für meine jungen Schiedsrichterkollegen bitte ich aber um einen fairen und respektvollen Umgang, sowohl auf dem Sportplatz als auch auf dem Papier.

Am Wochenende trefft Ihr mich nicht auf einem Sportplatz an, Eisenbacher Kirmes ist angesagt. Danach aber wieder / Schorsch Horz