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03.10.2018
Kategorie: Claus Coester, Kolumnen, Claus Coester, Aktuelles
Von: flw24 von Claus Coester

Wissenswertes aus dem Oberhaus


flw24 Kolumnist Claus Coester.

Ein paar Bundesligasplitter

Lasst uns mal wieder in die Überraschungstüte des deutschen Fußballs schauen. Am Samstag, dem 24. August 1963 um 17:00 Uhr wurde ein neues Kapitel im deutschen Fußball aufgeschlagen. Mit der Bundesliga startete, was in Italien, Spanien oder England schon lange der Fall war, eine eingleisige Profiliga. Die fünf Oberligen auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik  (Oberligen Nord, West, Südwest, Süd sowie Stadtliga Berlin (West) gehörten der Geschichte an. Ebenso wie das Endspiel um die deutsche Meisterschaft.

Der 1. FC Köln - das Bayern München der 1960er Jahre

Der heute mit Abstand reichste und erfolgreichste deutsche Fußballverein, Bayern München, schlummerte noch in der zweitklassigen Regionalliga Süd im Dornröschenschlaf. Kaiser Franz, der Bomber der Nation und die Katze von Anzing saßen aber schon in den Startlöchern. Zwei Jahre später stießen auch sie zur Elite des deutschen Fußballs vor. Der FC Bayern, seit Jahrzehnten im deutschen Fußball das Maß aller Dinge, muss sich gegenwärtig mit 53 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zum deutschen Oberhaus noch mit dem zweiten Rang begnügen. Beim Hamburger Sportverein, der mit 55 Jahren noch den Rekord hält, ist bekanntlich am Ende der vergangenen Saison die Uhr abgelaufen. Keiner zweifelt ernsthaft daran, dass in drei Jahren der deutsche Rekordmeister aus der bayerischen Landeshauptstadt auch diesen Rekord mit dann 56 Jahren gebrochen haben wird.

1963/64 Zuschauerboom – Im 21. Jahrhundert Zuschauerexplosion

6.616.371 Zuschauer hatte die neu geschaffene Liga in ihrer ersten Spielzeit bei 240 Begegnungen in die damals noch veralteten Stadien gelockt, die zu 90 Prozent nur Stehplätze boten. Größter Zuschauermagnet war im Wiegenjahr der Bundesliga der VFB Stuttgart, der mit 602.000 Zuschauern (Schnitt 40.133) die zweitplatzierte Hertha BSC (532.311/35.487) deutlich distanzierte.  Im Vergleich dazu strömten in der Saison 2017/18 bei allerdings 17 statt der damaligen 15 Heimbegegnungen 1.351.429 Fußballfreunde in die Arenen (Schnitt 44.646). Die Zuschauerkönige regieren heute im Signal-Iduna-Park und in der Allianz-Arena. Über die Gründe der Verdoppelung gegenüber dem Gründungsjahr vor mehr als einem halben Jahrhundert braucht man nicht lange zu spekulieren. Die neuen High-Tech-Arenen bieten Komfort, das Bundesligaspiel ist zum Event mutiert (oder sollte man sagen „degeneriert“?), das auch nicht Fußball-Affine anzieht, und nicht zuletzt ist die wirtschaftliche Situation der Bundesbürger schlichtweg üppiger geworden. Man gönnt sich einfach mehr. Was nicht heißt, dass das Gros der Bundesbürger in den 1960er Jahren darbte. Aber es ging alles etwas bescheidener zu. Sowohl im Leben der Matadoren, die einem auf dem Rasen Vergnügen bereiteten,  als auch bei den Fans.

„Effze Kölle“ unangefochten Champion

Mit dem 1. FC Köln stand am Ende der Gründungssaison ein souveräner Meister auf Rang 1. Ihm folgte mit geziemendem Abstand von sechs Pluspunkten (altes Punktsystem: Sieg 2, Remis 1, Niederlage -2) der Meidericher SV (heute MSV Duisburg). Auf Platz 3 konnte die punktgleiche Eintracht aus Frankfurt stolz sein. Die beste Platzierung, die die Hessen in der Bundesliga bis dato erreicht haben. Dies allerdings zweimal. Aber an das traumatische Finalspiel in Rostock am 16. Mai 1992 möchte ja kein Eintracht-Fan mehr denken. Sonst blutet ihm ja zurecht sein Fußballerherz.

Köln wiederholte Triumph von 1962

Die von dem Schwaben Schorsch Knöpfle trainierten Rheinländer holten 1964 nach der ersten Meisterschaft 1962 (4:0 im Endspiel Berliner Olympia-Stadion gegen 1. FC Nürnberg) die Salatschüssel erneut an den Rhein. 16 Jahre nach der Gründung des Klubs 1948 war die Prophezeiung ihres mächtigen Präsidenten Franz Kremer ein weiteres Mal in Erfüllung gegangen. Ein Kuriosum gilt es noch zu erwähnen, das wohl singulär in der Bundesligageschichte ist. Ein Makel war im Laufe der Spielzeit 1963/64 auf das weiße Trikot des ersten Bundesligameisters gefallen. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 29. Februar 1964 ging es beim 1:1 sehr hektisch zu. Der Chronist war selbst als Zuschauer im Müngersdorfer Stadion. Kölns jahrelanger Goalgetter Christian Müller, der während seiner erfolgreichen Karriere eigentlich als besonnener Spieler bekannt war, musste wegen einer Tätlichkeit gegen den Eintracht-Akteur Dieter Stinka nach reichlich einer Stunde das Spielfeld verlassen. Dafür durfte er die folgenden sieben Partien von der Tribüne aus zuschauen. Im Schlussspiel gegen den VFB Stuttgart schnürte Müller wieder die Schuhe. Das Spiel gegen Eintracht Frankfurt, in dem mit fast 39 Jahren noch Ikone Richard Kreß auf Seiten der Hessen mitwirkte, endete dann noch mit einem Skandal, als ein Kölner Rowdy den Schiedsrichter Lutz  nach Schlusspfiff am Spielfeldrand mit einer Fahnenstange attackierte. Der DFB bestrafte den kommenden Meister mit seinem ersten Heimspiel in einem Stadion mit Radrennbahn. Gemeint ist  natürlich nicht die im Schatten der Hauptkampfbahn gelegene Kölner Radrennbahn, in der Mitte der 1970er Jahre während des Baus des Vorgängerbaus des heutigen Rhein-Energie-Stadions etliche heiße Bundesliga-Schlachten stattfanden. Nein, die Kölner mussten für ihr „Heimspiel“ gegen Eintracht Braunschweig ins 40 Kilometer entfernte Wuppertal umziehen. Dort hatten die Geißböcke im Stadion am Zoo, das bis zum heutigen Tag eine Radrennbahn aufweist, beim 4:1 gegen die Löwen aus Braunschweig allerdings wenig Mühe. Die Norddeutschen sollten dann drei Jahre später - sicher überraschend -  die Meisterschale nach Niedersachsen holen.