Assistenz in der Kalkulationsbteilung m/w - Starte Deine Karriere bei der Bauunternehmung Albert Weil AG

flw24 Kolumnen

Die Kolumnen auf flw24 werden präsentiert von:

Anzeige

 

31.10.2018
Kategorie: Claus Coester, Claus Coester, Kolumnen, TopNews, Aktuelles
Von: flw24 von Claus Coester

Von Aberglauben und „Falschgeld“

Episoden aus der Geschichte zweier Vereine tief im Westen

flw24 Kolumnist Claus Coester.

Zwei Farbkleckse aus dem deutschen Fußballatlas sollen heute einen Spot bekommen. Im Geschichtsbuch von Borussia Dortmund und 1. FC Köln hat je ein Ereignis aus dem Jahre 1957 und 1965 - freilich neben anderen Highlights - seinen festen Platz.

Alfred genannt „Aki“ Schmidt, der 2016 im Alter von 81 Jahren das Zeitliche segnete, hat bei Borussia Dortmund in der „Hall of Fame“ seinen festen Platz. Er hat nie im Westfalen-Stadion bzw. Signal-Iduna-Park gespielt. Dort machte er noch im hohen Alter Führungen. Als sog. Innenstürmer war sein Aktionsfeld bei Heimspielen über ein Jahrzehnt das Stadion „Rote Erde“. Dieses dient heute der U23 der Schwarz-Gelben im Schatten der großen Arena als Heimstadion.

Karriere eines ewigen Borussen

Sepp Herberger hatte das begnadete Talent Alfred Schmidt, das schon als Youngster im Borussen-Team eine feste Größe war, am 3. April 1957 in der Nationalmannschaft gegen die Niederlande (2:1 im Olympiastadion Amsterdam) debütieren lassen. Bis 1964 wurden es dann 25 Länderspiele mit fünf Toren sowie zwei Teilnahmen an Weltmeisterschaften.

Neben vielen Sonnentagen nur ein schwarzer Tag

Eine Besonderheit in der Vita dieses wunderbaren Technikers, auf die gerade er allerdings liebend gern hätte verzichten können, wird nie in Vergessenheit geraten. Im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft 1957 musste der Stammspieler und Junginternationale Aki Schmidt, der in bester Form und nicht verletzt war, in Zivil – Auswechselspieler war noch ein Fremdwort – auf der Tribüne Platz nehmen. Ein bitterer Tag, jener 23. Juni, an welchem sein Team gegen den Hamburger SV mit 4:1 die Meisterschale erneut  in Empfang nahm, exakt mit der gleichen Elf, die ein Jahr zuvor mit 4:2 gegen den Karlsruher SC erstmals den Meistertitel an den Dortmunder Borsig-Platz geholt hatte . Was war passiert? Borussen - Trainer Helmut Schneider hatte den Plan, ob aus Aberglauben oder Überzeugung sei dahingestellt, mit der identischen Elf den Sieg von 1956 ein Jahr später zu wiederholen. Der Erfolg gab ihm am Ende Recht. Wehe, wenn es ohne den begabten Nationalspieler schief gegangen wäre! Wer hätte da in Schneiders Haut stecken wollen?

Erster internationaler Titel für eine deutsche Vereinsmannschaft

Für den jungen Aki Schmidt war die Nichtberücksichtigung im zweiten Endspiel der Borussia die herbste Enttäuschung in seinem sehr erfolgreichen Leben als Fußballer. Mehr als schwacher Trost werden seine späteren Erfolge bestimmt gewesen sein. Die können sich sehen lassen: 1958 vierter Platz bei der Weltmeisterschaft in Schweden, 1963 erneute deutsche Meisterschaft für die Borussia  im letzten deutschen Endspiel (3:1 gegen den 1. FC Köln in Stuttgart), 1965 DFB-Pokalsieger, 1966 Sieger im Europa-Pokal der Pokalsieger (2:1 n.V. gegen FC Liverpool im Hampden Park Glasgow). Erstmals hatte ein deutscher Klub eine internationale Trophäe gewonnen.

Der verrückteste Münzwurf

Die zweite Rückblende geht ebenfalls in den Westen. Jetzt sind wir in Köln am Rhein. Der 1. FC Köln ging 1964 als erster deutscher Meister, der durch die Bundesliga ermittelt wurde, in die Geschichte ein. Im Europapokal der Landesmeister (sprich Champions League) hatten es die Geißböcke Anfang 1965 im Viertelfinale mit dem FC Liverpool zu tun, der damals von dem legendären Bill Shankly trainiert wurde. Im Hinspiel im Müngersdorfer Stadion sowie im Rückspiel an der Anfield Road hatte man sich – auch nach Verlängerung - jeweils torlos getrennt.

Drittes Spiel bringt Köln kein Glück

Der Modus verlangte damals ein drittes Spiel auf neutralem Platz. Im Fejenoord-Stadion von Rotterdam stand es nach 120 Minuten 2:2. Elfmeterschießen als „Ultima Ratio“ hatte in den Köpfen der FIFA- bzw. UEFA-Funktionäre die Reifeprüfung noch nicht bestanden. Und so kam es zu dem wahrscheinlich absurdesten Münzwurf der Sportgeschichte, den Millionen an den Fernsehschirmen miterlebten. Als der belgische Schiedsrichter Robert Schaut am späten Abend des 24. März 1965 die Münze zum ersten Mal hochwarf, ließ das Fußballschicksal den Motor zunächst noch stottern: Die Münze blieb hochkant im Morast stecken. Der Fußballgott strapazierte also die Nerven der Spieler und Fans  auch nach 300 Minuten noch. Bei der Wiederholung des Münzwurfs hatte er dann schließlich ein Einsehen: Die Reds von der Anfield Road rissen jubelnd die Arme in die Höhe und hatten sich für das Halbfinale gegen Inter Mailand qualifiziert. Die Kölner aber verließen, geschlagen von einer irrwitzigen Regelung, erhobenen Hauptes den Platz. Sie mussten akzeptieren: Fußball ist am Ende nur ein Spiel.