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15.11.2018
Kategorie: Kolumnen, Max Stillger, Aktuelles, Kolumnen
Von: flw24 von Max Stillger

Geld regiert die Welt !


flw24 Kolumnist Max Stillger.

Diese Woche fand in Hamburg zum fünften Mal die Konferenz „Fussball & Ökonomie“ statt, an der ich zum dritten Mal teilnehmen durfte.

Für mich ist es jedes Mal beeindruckend welche Geschäftsmodelle sich rund um den Fussball entwickeln und es werden immer mehr.

Ein Trend ist ganz klar zu erkennen: Vor zwei Jahren war ich noch der einzige Teilnehmer, der sich hauptberuflich mit Kapitalmarkt-Themen beschäftigt. Heuer waren es schon fünf.

Für mich bedeutet das: Der Fussball wird immer mehr als Wirtschaftsfaktor erkannt.

Vor neun Jahren haben Fondsmanager-Kollegen die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wenn ich denen erzählt habe „ich habe mir mal ein „kleines Paket“ an Borussia Dortmund zugelegt“. Damals war die BVB-Aktie neben einigen europäischen Clubs wie Manchester United oder Lazio Rom, die einzige Beteiligungsmöglichkeit, die für professionelle Anleger über die Börse zugänglich war.

Heute ist das „BVB-Paket“ das zehnfache wert. Weitere Börsengänge von Bundesligisten gab es bisher nicht, aber – das prophezeihe ich an dieser Stelle – das wird sich in den kommenden Jahren ändern.

Mit Schalke 04 und Hertha BSC haben sich zwei Bundesligisten zwar ebenfalls an den Kapitalmarkt gewagt, aber hier wurden keine Aktien, sondern Anleihen ausgegeben. In Form der „Fananleihe“ gab es dieses Instrument zwar schon lange, aber Schalke und Hertha haben gezielt institutionelle Investoren angesprochen, die dann auch mal Pakete von mehreren hunderttausend Euro gezeichnet haben.

Schalke hat auf diesem Weg 50 Millionen Euro eingesammelt – Hertha BSC 40 Millionen Euro. Für mich insofern auch eine interessante Erfahrung, wenn man mit den Verantwortlichen eines Vereins in kleiner Runde zusammen sitzt und die dich dann fragen: „Jungs, wieviel Zinsen müssen wir denn bieten, damit wir unser gesetztes Ziel erreichen bzw. damit Ihr investiert?“ Und wie immer im Leben gibt es einen am Tisch, der möglichst viel haben will und einen, der möglichst wenig bezahlen will.

Wer am Ende des Tages besser verhandelt hat, zeigt dann der Markt, denn diese Anleihen werden genauso wie Aktien jeden Tag an der Börse gehandelt.

Die Anleihe von Schalke 04 (5% bis zum 07.07,2023) zum Beispiel notiert aktuell bei 110%, was bedeutet, wer diese Anleihe heute kauft, erzielt damit bis zum Ablauf im Juli 2023 eine Rendite von nur 2,25% p.a. – mit der Einschränkung, dass Schalke 04 das Geld dann pünktlich zurück zahlt. Jetzt kaufen? – wohl eher nicht.

Zudem kann Schalke 04 ab dem 7.7.2021 die Anleihe zu 101,5 zurückkaufen, dann wird es für den Käufer zum aktuellen Kurs (nach Steuern) ein klassisches „Drauf-Leg-Geschäft“

Und ich bin mir sicher dass sich Peter Peters (der Finanzchef von Schalke) diesen Termin dick im Kalender angestrichen hat.

Diejenigen, die vor zwei Jahren investiert haben, können dagegen auf ein sehr erfolgreiches Geschäft zurück blicken.

Gekauft zum Kurs von 100 – zwei Jahre 5% Zinsen kassiert – und jetzt für 110% verkauft. Macht eine zweistellige Rendite p.a.

Nicht schlecht in Zeiten, wo dank der Europäischen Zentralbank der Nullzins regiert.

Etwas anders sieht das Bild bei Hertha BSC aus.

Hier gibt es 6,5% p.a – die Anleihe wurde gerade erst heraus gegeben und läuft 5 Jahre.

Für denjenigen, der glaubt, dass der Verein in fünf Jahren nicht pleite ist und das Geld zurück zahlen kann, bzw. eine Anschluss-Anleihe platzieren kann, ein verlockendes Geschäft.

Das scheint auch der „Markt“ zu erkennen, denn die Anleihe ist in den vergangenen Tagen schon auf einen Kurs von 103 gestiegen.

Definitiv keine Note eins im Zeugnis bekommen für mich die Verantwortlichen in den Vereinen.

Aus meiner Sicht bezahlt Ihr viel zu viel an Zinsen, Ihr wärt Euer Zeug in der heutigen Zeit auch zu 3% losgeworden. Wenn Ihr bei allen Geschäften so verhandelt…

Am Beispiel Schalke hat der Markt das über den Kurs korrigiert.

Bei Hertha BSC rechne ich 1% „Hooligan-Malus“ drauf und sage 4%. Da bin ich der festen Überzeugung, dass wir auch bei dieser Anleihe in den nächsten 12 Monaten einen Kurs von 106-108 sehen werden. Das aber nur, weil Hertha eine Klausel vereinbart hat, dass die Anleihe nach 2,5 Jahren zum Kurs von 103 zurückgezahlt werden kann, ansonsten wäre auch da ein Kurs von 110 drin (ohne Gewähr).

Und wie immer im Leben hat das, was der eine zuviel bezahlt hat, ein anderer im Säckel..