Starte Deine Karriere bei der Bauunternehmung Albert Weil AG

flw24 Kolumnen

Die Kolumnen auf flw24 werden präsentiert von:

Anzeige

 

16.05.2018
Kategorie: Knappschafts-Kicker, Aktuelles, TopNews
Von: Knappschaftsexperte Dr. Friedrich Hölzl

Warum Schuhe für Frauen so wichtig sind


Knappschaftsexperte Dr. med. Friedrich Hölzl, Chirurg und Ärztlicher Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme am Rhein-Maas Klinikum in Würselen vor den Toren Aachens

Trainerlegende Sepp Herberger, der die deutsche Fußballnationalmannschaft 1954 erstmals zum Weltmeistertitel führte, hielt nichts davon, wenn sich Damen anschickten, dem runden Leder hinterher zu jagen. „Fußball ist keine Sportart, die für Frauen geeignet ist“, urteilte der Coach. 1955 verbot der DFB den Frauenfußball sogar.

Zwischenzeitlich sind die Damen auf Vereinsebene den Herren mitunter voraus – nimmt man den internationalen Vergleich. Bei den Männern qualifizierte sich wieder mal kein Team für das Champions-League-Finale. Derweil hängten die Fußballerinnen  des VfL Wolfsburg als nationale Titelträgerinnen nicht nur das eigene Männerteam im übergreifenden Bundesligaduell  um Längen ab sondern erreichten auch das Endspiel der Besten auf europäischer Ebene.

Da könnte der deutsche Fußballfan doch eigentlich zufrieden sein. Doch das Zuschauerinteresse belegt anderes. Populär sind die Herren. Fußball bleibt in erster Linie  Männersport.

In der Tat ist im direkten Geschlechtervergleich ein Frauenteam in der Regel hoffnungslos unterlegen. So unterlag die australische Frauennationalmannschaft der männlichen U15 mit 0:7. Selbstverständlich ist dieser Vergleich gemein und völlig ungeeignet, die Qualifikation von Frauen für den Fußballsport zu bewerten. Natürlich sind die Vertreterinnen des romantischen Geschlechts ihren testosterontriefenden Artgenossen in einigen Punkten schon rein medizinisch-anatomisch unterlegen.

Durchschnittlich verfügen Frauen über etwa zwei Drittel der Absolutkraft von Männern, da sie einfach weniger Muskelmasse haben. Relativ zum Gewicht ist aber die Beinkraft gleich oder gar etwas höher als beim Mann, dafür ist die Oberkörperkraft etwas unterrepräsentiert.

Eigentlich doch schon mal keine schlechte Voraussetzung zum Fußballspielen, wenn man nicht gerade im Tor steht. Neben den Unterschieden in der reinen Muskelmasse ist aber auch die Trainierbarkeit hormonell bedingt schlechter und der Aufbau der Muskulatur und Muskelfasern einfach anders als bei Männern. Schließlich unterscheidet sich der Habitus schon alleine durch kürzere Arme und Beine, einen längeren Rumpf und einen anders liegenden Körperschwerpunkt sowie verschiedene Hebelverhältnisse. Im Ausdauerbereich zum Beispiel  verbrauchen Damen weniger Kalorien und punkten im Geschlechterduell in der Disziplin Energieversorgung und Energieausbeute vor allem bei längerer aerober Belastung. So sind Frauen schon zwangsläufig hinsichtlich der Kraft und Statur gegenüber Männern benachteiligt.

Teamfähig und taktisch versiert

Und trotzdem hat die Evolution sie erhalten. Denn Frau sein birgt auch Vorteile…

So machen  Frauen ihre bautechnisch bedingten Nachteile durch andere Eigenschaften wieder wett. Sie lernen einfacher und schneller. Das gilt auch für koordinative Bewegungsabläufe im Sport. Sie sind in der Regel wesentlich teamfähiger und taktisch intelligenter. Hier kommt ihnen die fehlende Testosteronexplosion auf dem Platz dann endlich zugute. Das Gehirn beteiligt sich nicht nur beim Kopfball am Spiel.

Statistiken zeigen auch, dass Frauen weniger theatralisch auf dem Platz agieren. Während sich der bagatell-gefoulte Mann minutenlang schmerzgeplagt über den Rasen rollt, hat Frau längst dem Gegenspieler die Hand gereicht, die Haare gerichtet und den Freistoß ausgeführt.

Aufgrund der körperlichen Unterschiede und des damit verbundenen weniger aggressiven Spiels verletzen sich Frauen beim Fußball auch seltener, dann allerdings meist schwerer. Am häufigsten sind es Knie- und Kopfverletzungen.

Auf den richtigen Schuh kommt es an

Der fußballspielende Damenfuß braucht natürlich den richtigen Schuh. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen tatsächlich, dass keineswegs einfach kleine Herrenschuhe getragen werden sollen. Der falsche Schuh fördert Verletzungen und mindert den Erfolg. Inzwischen verfügt der Markt über ein wachsendes Angebot an Damenfußballschuhen.

Frauenfußball ist eben weniger aggressiv, weniger athletisch und nicht so kraftvoll, dafür aber oft einfach technisch, taktisch und im Spielfluss schöner. Vielleicht ein bisschen wie zu Beckenbauers Zeiten bei den Jungs und man fragt sich ganz verschämt: Wieviel Power und Athletik verträgt der Fußball mit Blick auf die weitere Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten? Im Volleyball sind inzwischen Frauenteams längst populärer als Männermannschaften. Bedingt durch ungebändigte Kraft bekommen dort die Jungs kaum noch längere und spannende Ballwechsel hin.

Zum Glück gibt es ja auch im guten alten Männerfußball zierliche, kleine und eher zarte Balltreter. Messi, Iniesta und Xavi sind alle um 1,70 Meter groß, Italiens Nationalspieler Lorenzo Insigne kann sich mit gerade mal 1,63 Metern hinter seinem Einlaufkind verstecken und  den großen Diego Armando Maradona hätte man mit einer roten Zipfelmütze auf dem Kopf auch gut in den Vorgarten stellen können.

Thomas Müllers Storchenbeine zeigen eindrucksvoll, dass es eben nicht immer nur auf Kraft, Muskeln und Athletik ankommt. Und gerade diese Spieler sind es doch oft, die den Männerfußball so bereichern, weil sie eben etwas anders spielen als die Masse.

Voraussetzung für ein fesselndes Spiel ist allerdings auch ein ebenbürtiger Gegner. Und da ist dann auch das vermutlich größte Problem in der Attraktivität des Frauenfußballs. Oft ist das Leistungsniveau der Kontrahenten so unterschiedlich, dass es fast langweilig wird. Zweistellige Siege sind nicht die Seltenheit, sondern fast die Regel. Doch bei der zunehmenden Fußballbegeisterung von Mädchen und jungen Frauen wird sich dieser Mangel in der Zukunft vermutlich immer mehr ausgleichen.

Übrigens zahlt der norwegische Verband heute schon allen Nationalspielern die gleichen Prämien – egal welches Geschlecht sie haben.