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02.05.2018
Kategorie: Michael von Kunhardt, Aktuelles, Kolumnen, TopNews
Von: flw24 von Michael von Kunhardt

Abschlussverhalten


flw24-Kolumnist Michael von Kunhardt.

„Der beste Spielzug ist wirkungslos, wenn der Ball letztlich doch nicht im Tor landet. „

Heute sprechen wir über Abschluss! Abschluss eines Spielzuges, Abschluss einer Saison und Abschluss einer Karriere. 

Es ist sehr interessant zu beobachten, dass es quer durch alle Sportarten Athleten und Spielertypen gibt, die sehr stark im Vorbereiten sind, am Ende die Ernte aber nicht einfahren.

Eine Frage des Charakters

Woran liegt das? Ein Mangel an Entschlusskraft, Zielfokussierung, Verantwortung, Selbstvertrauen und Misserfolgstoleranz sind die relevanten Antworten. Eine Sache zu Ende bringen ist somit auch eine Frage des Charakters. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass im modernen Fußball jeder Spieler exzellente Abschlussqualitäten haben muss – und diese sind unablässig zu trainieren. Das Spiel ist zudem so schnell geworden und Defensivspieler schalten sich mit einem klar erhöhten Aktionsradius viel mehr in die Offensive ein als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Dadurch entstehen Chancen für jeden Spieler. Lediglich auf der Torwartposition besteht noch die Zuordnung, im Wesentlichen hinter der eigenen Mittellinie zu bleiben. Jeder Spieler sollte heute unbedingt in der Lage sein, massive Torgefahr ausüben zu können. Hier gibt es definitiv noch ganz viel Luft nach oben und damit ist wieder mal ein Potenzial identifiziert!

Torerfolg als „betriebliche Übung“

Erfahrungen prägen den Charakter. Wenn ein Spieler das Tor nicht fühlt, weil er zu wenige Torerfolge hat, dann wird es sehr wahrscheinlich auch dabei bleiben. Es bildet sich so etwas wie eine „betriebliche Übung“, also Gewohnheit, aus. Diese hinsichtlich des Zielfokus negative Gewohnheit gilt es, durch Intervention aktiv zu durchbrechen und im Erfolgsfalle wiederum gezielt als positiv wirksame Gewohnheit zu verstetigen. Kurzum: Torabschlussverhalten muss einen enormen Stellenwert im Training haben. Zudem ist es Aufgabe der Trainer, eine Kultur der Fehlertoleranz beim Abschuss im Team zu implementieren. Ich weiß aus Tausenden von Einzelcoachings, dass es selbst im Profifußball sehr viele Spieler gibt, die sich zwar zutrauen, einen Pass über 30 Meter sicher an den eigenen Mann zu bringen, hingegen sich nicht wirklich in der Lage sehen, einen Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Unglaublich! Warum eigentlich nicht? Weil sie es nicht hinreichend geübt haben und/oder sie schlicht und einfach nicht die Verantwortung bei der „Schwarz-Weiss-Situation“ tragen wollen. Entweder bist du der Held oder der Depp. Das ist eine enorme Ergebnisspanne, mit der tatsächlich viele Spieler nicht zurecht kommen. Aus diesem Grunde ist es absolut unverzichtbar, dass Trainer ihre Spieler motivieren und immer wieder darin stärken, vor dem Tor bedingungslose Verantwortung zu übernehmen und dass sie das Trainer-Vertrauend dafür haben.

Saisonabschluss – Krönung oder ... ?

Ein 100-Meter-Sprinter fokussiert sich immer auf 110 Meter, um sicher mit Top-Speed über die Ziellinie zu rasen. Zum Saisonfinale ändert sich hinsichtlich der Mentalität von Teams hingegen auf unterschiedlichste Art eine ganze Menge. Während Mannschaften wie der HSV in den letzten Jahren immer erst mit dem Rücken komplett zur Wand stehen müssen, um Power auf den Platz zu bringen, geht bei anderen Teams wie aktuell der Eintracht trotz des aktuellen Erfolgs im DFB-Pokal auf der Bundesliga-Ziellinie die Luft aus. Natürlich wirken immer viele Komponenten ein und auch das Glück spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dieses Glück stellt sich allerdings je nach Mentalität und Persönlichkeit mal schneller und weniger schnell ein. Das gestrige Ausscheiden der Bayern in der Champions-League ist dafür ein wunderbares Beispiel. Ganz am Ende waren es eben die beiden Schnitzer von Rafinha und Ulreich, die den Unterschied ausgemacht haben. Da sind sich die meisten Experten einig. Und dabei sprechen wir über Reife. Real war in beiden Spielen in den relevanten Statistiken Bayern unterlegen und gewinnt dennoch. Warum? Weil Real immer noch einen Tick reifer und unter Druck auf Top-Level geübter ist. Im übrigen sehe ich persönlich den verhängnisvollen Rückpass von Tolisso aus mentaler Sicht als deutlich schlimmer als den Black-Out von Ulreich unter Extremdruck an. Bei dem Pass bestand keinerlei Vororientierung, Tolisso hatte sich zuvor keinerlei Überblick verschafft, bevor er seinen Kepper im allerwichtigsten Saisonspiel einfach schlampig in die Bredoullie brachte. Das geht nicht! Der Pass war eine gravierende und für Ulreich absolut unerwartete und verantwortungslose Fehlentscheidung, ohne die es seine eigene Fehlentscheidung erst überhaupt nicht gegeben hätte. Apropos Verantwortung gilt das gleiche für das erste Gegentor bezüglich des Deckungsverhaltens von Alaba. Es ist doch eine absolute Grundvoraussetzung beim Abwehrverhalten quer durch alle Sportarten und alle Ligen, dass immer sowohl Ball als auch unmittelbarer Gegenspieler gleichzeitig im Blick zu halten und zu kontrollieren sind. Manchmal gelingt es nicht – ich muss es aber unbedingt versuchen und das hat Alaba erst gar nicht gemacht. Mir geht es hier nicht um persönliches Fingerpointing, sondern darum, Kriterien zu identifizieren aufmerksam zu machen, die während einer Saison und auf der Zielgeraden den Unterschied machen.

Karriere-Abschluss

Und dann sprechen wir noch über den Abschluss der Trainerkarriere von Jupp Heynckes. Das Triple war ihm nicht nochmals vergönnt. Dennoch kann er höchst erhobenen Hauptes in Rente gehen. Das war fantastisch! Er hat es wirklich erneut und großartig verstanden, aus einer bedenklichen und sehr unklaren Situation ein System zu entwickeln und Spieler in ihrer Qualität zu stärken. Dabei war und ist er immer klar, in seinen Aussagen absolut uneitel und respektvoll. Die Niederlage wird für Don Jupp nachwirken – aber das ist „Part of the deal“ und er ist Profi genug. Wenn Du Dich stellst, bekommst Du im Sport beides – den Erfolg und die Niederlage. Die Ungewissheit macht es spannend und macht unsere Begeisterung letztlich aus. Ein sauberer Abschluss ist eine gute Grundlage für etwas Neues.

Lasst uns die Dinge, die uns wichtig sind, ob im Sport oder auch sonst konsequent und sauber zu Ende bringen.

Viel Erfolg und Spaß dabei!

Bis zu einer weiteren Kolumne in einem neuen Rhythmus - wir lesen uns wieder mal in der neuen Saison.

Herzlichst und sportlichst

Michael von Kunhardt

Hinweis:

Michael wird Donnerstagmorgen 03. Mai um ca. 06:45 Uhr zu Gast im SAT.1 Frühstücksfernsehen​ sein und zum Thema Sven Ulreich und der Umgang mit Rückschlägen Rede und Antwort stehen.