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20.04.2017
Kategorie: Kolumnen, Aktuelles, Michael von Kunhardt, Interviews, TopNews, EVL
Von: flw24 von Michael von Kunhardt

Kommunikationskultur und Trainer-Typen


flw24-Kolumnist Michael von Kunhardt.

Kommunikationskultur:

Die Kommunikationskultur innerhalb eines Teams hat eine enorme Bedeutung in Bezug auf das Ergebnis. Ich möchte dies an einigen nationalen und internationalen Beispielen verdeutlichen.

Zunächst gilt zu klären in welcher übergeordneten Kultur, in welchem System ein Team überhaupt angesiedelt ist. Sprechen wir von einem stark hierarchischen oder sogar autoritären System oder eher von einem demokratischen und liberalen System? Das ist zunächst eine ganz bedeutende Basisbestimmung. In Deutschland hat ein Trainer beispielsweise ganz andere Freiheiten und Möglichkeiten als in autoritäreren Ländern wie beispielsweise Korea, Malaysia oder China. Dort mischt sich die Politik und auch mal ein regierender Sultan oder König nicht nur in die Struktur des Trainingsbetriebes, sondern sogar auch in die Aufstellung der Mannschaft ein. Das gibt es auch heute immer noch – unglaublich! 

Auf Deutschland übertragen würde das bedeuten, dass beispielsweise Angela Merkel entscheidet, ob Mario Gomez oder Marco Reus stürmen soll. Kurzum: in Deutschland haben die Trainer aus politischer und religiöser Sicht systembedingt zunächst alle Freiheiten. Die nächste Ebene, die hinsichtlich der Ausprägung einer Teamkultur zu betrachten wäre, ist die Clubkultur. Wer hat alles ein Mitspracherecht? Präsident, Sportdirektor, Manager ....usw.? Im weiteren Schritt kommen wir zum Trainer und er sollte den unmittelbarsten Einfluss auf die Mannschaft haben, wenn es darum geht, eine Kultur zu entwickeln. Dann schauen wir uns jetzt mal verschiedene Trainertypen an:

Trainertypen:

Joachim Löw > Stetiger Entwickler

Stellt sich vor sein Team, modern, gibt Freiraum und ist letztlich doch konsequent. Spieler, die eine rote Linie überschreiten, sind raus (Beispiel Kuranyi & Großkreutz).

Ein Trainer, der meist besonnen bleibt und Niederlagen unaufgeregt analysiert und den Weg der stetigen Entwicklung weiter beschreitet.

Louis van Gaal > Auoritärer Patriarch

Hat eine sehr klare Vorstellung und führt sein Team sehr autoritär. Vorteil: bei einer Erfolgsserie kann er mit wenigen Worten sein Team klar lenken, weil es ihm folgen wird. Bei Niederlagen besteht die große Gefahr, dass die Kluft zum Team sehr schnell sehr groß wird, weil er das Team nicht abholt und mitnimmt, sondern voran schreitet. Eine autoritärer Trainer, der sich als Person für meinen Geschmack deutlich zu wichtig nimmt und dadurch Entwicklungsmöglichkeiten auslässt. Letztlich ein Trainertyp, der nicht mehr in unsere Zeit passt.

Carlo Ancelotti > Besonnener Organisator

Ein Trainer, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlt und sozusagen mit der Politik der ruhigen Hand souverän agiert. Er beruhigt ein System von sich aus – selbst als es zu Beginn seiner Trainerzeit bei Bayern gar nicht so richtig gut lief, sagte er zu den erfolgsverwöhnten Vorständen: „Bleibt ruhig – ich weiß, was ich mache und der Erfolg wird kommen.“ Bis zum Champions-League-Aus gegen Real Madrid war dies auch sehr glaubhaft. Er ist kein Typ, der ein Team in einem speziellen Moment stark motiviert, sondern eher ein System errichtet, das dann funktioniert oder eben nicht.

Auf alle Fälle versteht er es, ein Team auch mit großen Namen zu steuern.

Jürgen Klopp > Mobilisierender Motivator

Klopp versteht es ausgezeichnet, ein Team zu einem wirklichen Team auszubilden. Das ist ihm in Mainz, in Dortmund und nun auch in Liverpool gelungen. Er mobilisiert

das Team als Ganzes, agiert äußerst leidenschaftlich und ist dabei sehr nahe an den Spielern dran. Er kann durch seine unmittelbare und deutliche Art in einem Spiel sehr aktiv eingreifen und Spiele trainerseitig öfters drehen als die meisten anderen Trainer. Diese Art der Teamführung ist sehr zeitgemäß  - gepaart mit Kompetenz letztlich bärenstark.

Julian Nagelsmann > Kompetenter Generalist

Trainer des Jahres  - und das hat seinen guten Grund. Er vereint viele der vorgenannten Charakteristika und das bereits als immer noch sehr junger Trainer (29 Jahre). Er ist sozusagen ein sehr kompletter Generalist – er ist sehr vielseitig und handelt agil und dynamisch. Definitiv ein Trainertyp der Zukunft, der dazu auch noch angenehm und eher uneitel auftritt.

Quer durch alle Sportarten hat sich heute als erfolgsversprechendste Kommunikations-Kultur ausgebildet:

Eine moderner Trainer arbeitet heute intensiv mit den Stärken der Spieler. Er holt die Spieler ab, er lobt die Spieler sehr, sehr viel. Dadurch bildet er den Boden, um auch kritisieren zu können. Ein Top-Trainer ist detailinformiert, sehr kompetent und kann idealerweise gleichermaßen mobilisieren und beruhigen. Er gibt eine klare Richtung vor, nutzt jedoch das Wissen der Spieler, um das System und auch einzelne Spieler aus dem Team heraus noch schneller zu entwickeln. Das Team entwickelt sich somit zu einem guten Teil selbst und der Trainer gibt den Rahmen dafür und fordert diese endogene Entwicklung zugleich auch ein. Er versteht es, die Spieler immer wieder in Spannung zu versetzen und kann Stimmungen erzeugen. Er entwickelt Persönlichkeiten auf und neben dem Platz, sorgt für Erfolge, um die Siegermentalität Nr. 1 immer wieder stärker auszubilden – Selbstvertrauen.

Ich wünsche allen Trainern und Teams einen hohen Anspruch an die eigene Entwicklung und bei der Umsetzung viel Freude und Erfolg.

Bis zu nächsten Kolumne, wir lesen uns.

Herzlichst und sportlichst 

Michael von Kunhardt