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11.09.2018
Kategorie: Interviews, Aktuelles, TopNews
Von: flw24 von Tobias Schneider

Von Limburg über Mainz, Frankfurt und Katar in den Breisgau

Zu Besuch bei Michael Bukowiecki, Sicherheitsbeauftragter beim SC Freiburg

Tobias Schneider und Dominik Groß besuchten Michael Bukowiecki (Mitte) im Breisgau beim SC Freiburg.

Wir waren mal wieder für euch auf Tour und haben einen ehemaligen Fußballer aus dem flw-Land besucht, den es in die Ferne verschlagen hat. Michael Bukowiecki, früher aktiv beim JFV Dietkirchen, bei den Sportfreunden Eisbachtal, beim RSV Würges und dem SV Rot-Weiß Hadamar, arbeitet beim SC Freiburg als Sicherheitsbeauftragter und stellvertretender Veranstaltungsleiter. Wie seine Aufgaben aussehen, welche Besonderheiten es beim SC Freiburg gibt und was sich beim Sport-Club ändern wird, hat er uns bei unserem Besuch verraten.

Es ist 11 Uhr, als wir in Freiburg am Schwarzwald-Stadion ankommen. Schon bei der Suche nach einem Parkplatz sind uns die ersten Besonderheiten des Bundesligastadions des SC Freiburg klar: Das Stadion liegt mitten im Wohngebiet, direkt neben dem Freiburger Strandbad und der Dreisam, die am Stadion entlang fließt. Da wir früh dran sind, bekommen wir einen Parkplatz schlappe 150 Meter vom Stadion entfernt in einer Seitenstraße.

Freiburger Spielfeld: Schief und zu kurz

Michael „Buko“ Bukowiecki empfängt uns vor dem Stadion und stattet uns mit Tagesakkreditierungen aus, dank denen wir Zutritt bekommen zu verschiedenen Bereichen, die „normale Besucher“ nicht zu sehen bekommen. Beim Betreten des Stadions gleich der Aha-Moment mit Besonderheit Nummer zwei: Direkt hinter dem Stadion erhebt sich der Schwarzwald – ein tolles Panorama. „Das Stadion hat allerdings noch weitere Besonderheiten zu bieten“, erklärt uns Buko lachend. „Zum einen spielt der SC mit einer Ausnahmegenehmigung des DFB, weil das Spielfeld drei Meter kürzer als vorgegeben ist. Zum anderen hat das Spielfeld ein Gefälle von einem Meter und ist damit das schiefste Spielfeld der Bundesliga. Einfach einebnen geht allerdings nicht, weil das Fundament des Dachträgers in den Platz hineinreicht.“

Das Einebnen würde sich allerdings auch nicht mehr lohnen, denn der Sport-Club Freiburg baut ein neues Stadion etwas außerhalb im Nordwesten der Stadt im Wolfswinkel neben Flugplatz und Messe und plant den Einzug spätestens zum Beginn der Saison 2020/21. „Mit dem alten Stadion sind wir einfach an Grenzen gestoßen“, erklärt uns Buko. „Das neue Stadion ist ein ganz wichtiger Schritt für den Verein und die Region, um den Fußball-Bundesligastandort Freiburg zu sichern und weiterzuentwickeln. Im neuen Stadion werden wir Platz haben für 34.700 Zuschauer – aktuell haben wir nur eine Kapazität von 24.000 Steh- und Sitzplätzen. Die hohe Nachfrage an Tages- und Dauerkarten kann der Verein seit Jahren nicht ausreichend bedienen.“

„Selbst der Trainer kommt mit dem Fahrrad“

Der wirtschaftliche Aspekt spielt hierbei natürlich eine Rolle, aber auch organisatorische Aspekte. „Aktuell haben wir mit 350 Parkplätzen einfach wenige Stellflächen am Stadion und die Einlasssituation für die Gästefans ist immer etwas herausfordernd“, führt Buko aus. „Diese Aspekte können wir nun von Grund auf so planen, dass wir gut aufgestellt sind und für die Zukunft noch Entfaltungsmöglichkeiten haben.“ Als Sicherheitsbeauftragter ist Buko natürlich in die Planung des neuen Stadions involviert und erarbeitet unter anderem die Layouts für das Einlass- und Parkmanagement oder auch die allgemeine Sicherheitskonzeption. Im neuen Stadion wird es dementsprechend ausreichend Parkplätze geben. A propos Parkplätze: Hier kommt eine weitere Freiburger Besonderheit zutage. „Im neuen Stadion planen wir mit 3.000 Fahrradparkplätzen“, erklärt uns Buko mit einem Lächeln. „Ganz viele Fans kommen mit dem Rad, das ist hier im Breisgau ganz selbstverständlich. Selbst unser Trainer Christian Streich kommt meist mit dem Rad zum Training und sogar zu den Spielen.“

„Die Zuschauer sollen sich bei uns wohlfühlen“

Womit wir wieder beim aktuellen Stadion und unserem Besuch zum Spiel gegen die Frankfurter Eintracht sind. „Unser Gästeblock wurde in Umfragen schon mehrmals zum schlechtesten Gästeblock der Liga gewählt“, klärt uns Buko auf, „leider sind die Sichtverhältnisse nicht optimal. Das wird sich aber im neuen Stadion ändern. Dort werden alle 34.700 Zuschauer optimale Bedingungen vorfinden.“ Wobei wir uns einig sind: Für das spezielle und nostalgische Gefühl in einem solchen Stadion kann man eine nicht optimale Sicht schon mal in Kauf nehmen.

Ein „positives Stadionerlebnis“ ist übrigens das Hauptziel von Bukos Arbeit. „Das beinhaltet natürlich die Durchführung einer Veranstaltung ohne außergewöhnliche Sicherheitsstörungen. Die Zuschauer sollen sich bei uns wohlfühlen und natürlich Lust haben wiederzukommen.“ Zu dem Wohlfühlfaktor tragen auch die heimischen Fans bei, die in der Bundesliga als fair und freundlich gelten – auch gegenüber den Gästeteams. Im Stadion selbst fällt noch auf, dass es nicht die typische „0815-Bratwurst“ gibt, sondern unterschiedliche Imbissmöglichkeiten, von belegten Brötchen über Pizza, Flammkuchen, Döner und Burger bis hin zur scharfen Merguez, einer scharf gewürzten Hackfleischbratwurst.

„Die An- und die Abreise sowie Ein- und Auslass sind für uns die wichtigsten Phasen“

Zeit, an den Essensständen vorbeizuschauen, hat Buko an einem Spieltag allerdings nicht, „obwohl unsere Haupttätigkeiten in der Woche vor dem Spiel stattfinden“, wie uns Buko erzählt. „Wie viele Tickets wurden verkauft, wie viele Gästefans kommen, mit welchen Verkehrsmitteln und wann kommen die Fans, welche Gruppierungen sind dabei, sind Fan-Aktionen wie Choreographien oder Ähnliches geplant? Diese Fragen stellen wir uns vorab und stimmen uns entsprechend mit der Polizei und allen weiteren Sicherheitspartnern ab. Im Vordergrund steht dabei für uns neben der Sicherheit der Servicegedanke: Wir wollen, dass die Fans problemlos, zügig und komfortabel auf ihren Steh- oder Sitzplatz kommen.“

Am Spieltag selbst beginnt Bukos Arbeitstag gegen 10 Uhr und „richtig ernst“ wird es mit dem ersten Meeting um 11:30. „Da stimmen wir uns nochmal teamintern ab. Die wichtigste Phase beginnt mit der Stadionöffnung zwei Stunden vor Spielbeginn. Während des Spiels sitze ich in unserer Leitstelle auf der Haupttribüne – dort habe ich einen guten Überblick über das ganze Stadion und Zugriff auf die Videoaufzeichnungen der Sicherheitskameras. Zudem bin ich ständig über Handy und Funk in Kontakt mit dem Deutschen Roten Kreuz, mit der Polizei und dem Ordnungs- und Sicherheitsdienst.“

„Das war für mich ein prima Einstieg“

Als wir Buko nach dem Spiel treffen, ist er zwar enttäuscht, dass seine Freiburger mit 0:2 gegen die Eintracht verloren haben, ist aber zufrieden mit dem Ablauf des Spiels aus der Sicht des Sicherheitsbeauftragten und Veranstalters. Seit dem 1. Juni 2017 macht er den Job nun und hat mittlerweile natürlich schon einige Veranstaltungen im Schwarzwald-Stadion begleitet. „Begonnen habe ich übrigens nicht mit einem Spiel des SC Freiburg, sondern in der 1. Pokalrunde 2017/2018, als der FC Rielasingen-Arlen (6. Liga) gegen Borussia Dortmund gespielt und dafür unser Stadion gemietet hat – das auch gleich ausverkauft war. Dort die Gesamtorganisation zu übernehmen, war für mich ein prima Einstieg“, plaudert der 33-jährige über seine Anfänge beim SC.

Aktiv ist Buko nicht nur bei den Heimspielen des SC, sondern er fährt auch zu fast allen Auswärtsspielen mit und tauscht sich dort mit den Kollegen der anderen Vereine aus. In Kontakt mit dem Bereich Stadionmanagement kam der gebürtige Limburger übrigens im Rahmen seines Sportmanagement-Studiums, das er in Mainz an der Johannes-Gutenberg-Universität absolviert hat. Gegen Ende des Studiums hat er ein siebenmonatiges Praktikum im Projektmanagement in der Frankfurter Commerzbank-Arena absolviert, „während dem ich schon viel Verantwortung übernehmen durfte bei der Organisation von Konzerten, Fußballspielen und Kongressen.“

Von Limburg über Mainz, Frankfurt und Katar in den Breisgau

Nach einem Abstecher nach Katar, wo er 4,5 Jahre für eine international tätige Sportsicherheits-organisation tätig war und dort verschiedene Projekte betreute  (u. a. für die FIFA während der WM 2014 in Brasilien, für das Organisationskommittee der WM 2022 in Katar oder auch die Handball-EM in Dänemark 2014), bewarb er sich  auf die vom SC Freiburg ausgeschriebene Stelle – und bekam nach einigen Bewerbungsgesprächen den Zuschlag. „Beim ersten Bewerbungsgespräch war ich ehrlich überrascht und dachte „Wow, mit dieser verhältnismäßig einfachen Infrastruktur und diesen wirtschaftlichen Möglichkeiten schafft man es, in der Bundesliga mitzuspielen“.

Aber das macht laut Buko eben den SC Freiburg aus: „Alles ist etwas kleiner und sympathischer, obwohl die Organisationsstruktur in den letzten Jahren bereits vergrößert und weiter professionalisiert wurde. Der Verein ist echt und baut auf Tradition auf und von Präsident und Vorstand über die Fans bis hin zu allen Mitarbeitern, die schon teils ewig dabei sind: Die Leute sind nett zueinander und arbeiten bzw. engagieren sich gern für ihren SC – deshalb macht auch mir die Arbeit nach meinem ersten Bundesligajahr weiterhin richtig Spaß. Und mit dem Stadionneubau haben wir einen spannenden und wichtigen Schritt noch vor uns.“

Spannend bleibt es auf jeden Fall im Breisgau! Das flw24-Team wünscht dir, dass du mit dem SC Freiburg noch tolle Jahre erlebst. Vor allem natürlich viel Erfolg beim Projekt „Stadionneubau“. Und vielleicht kannst du ja dafür sorgen, dass das Feld wieder schief wird – damit dieser sympathische Verein weiterhin seine Besonderheiten und sein besonderes Flair behält.