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23.10.2018
Kategorie: Interviews, Aktuelles, TopNews
Von: flw24 von Claus Coester

„Die Fans sind unglaublich wichtig für uns“

Interview mit Daniel Steuernagel (Trainer von Kickers Offenbach)

Daniel Steuernagel Trainer von Kickers Offenbach. Foto: Claus Coester

Beruf: Grundschullehrer und Fußballlehrer, 38 Jahre alt.

Das Gespräch wurde am 11.10.2018 in Offenbach geführt (Sparda-Bank-Hessen-Stadion am Bieberer Berg).

Profil

Aktiver Spieler: SV Inheiden, TSV Hungen (D-A-Jugend), Senioren: FSV Steinbach (FSV Fernwald), VFB Aßlar, FSV Steinbach (FSV Fernwald), TSV Michelbach, Eintracht Lollar, Watzenborn/Steinberg.

Trainerstationen:( Spielertrainer) Eintracht Lollar, Viktoria Nidda, (Trainer) SSV Lindheim, SC Teutonia Watzenborn/Steinberg (Verbandsliga) Aufstieg in Hessenliga und Regionalliga Südwest (Durchmarsch)

"Der Fußball ist oft voller Überraschungen…"

flw24: Hallo Daniel, verrückte Fußballwelt: In der vorletzten Spielzeit 2016/17 spielst Du mit SC Teutonia Watzenborn/Steinberg gegen Kickers Offenbach. 2:1 in Wetzlar. Und in der Saison 2018/19 bis Du Cheftrainer am Bieberer Berg.

DS: Ja, der Fußball ist oft voller Überraschungen…

flw24:…heißt? 

DS: Nach dem fünften Spieltag hatten wir als Aufsteiger immerhin sechs Punkte erreicht. Doch ich musste für mich damals die persönliche Entscheidung treffen und mein Amt zur Verfügung stellen, da ich die zeitliche Belastung, die der Trainerjob in der Regionalliga mit sich bringt, nicht mehr mit meinem Beruf als Lehrer unter einen Hut bringen konnte. Trainer in der Regionalliga ernsthaft ausgeübt heißt „Fulltime-Job“.

flw24: Umso mehr verwundert, dass Du nicht lange danach beim Regionalligisten Sportfreunde Siegen die Aufgabe als Sportlicher Leiter übernommen hast. Das muss doch den Verantwortlichen in Watzenborn/Steinberg aufgestoßen sein.

DS: Sie haben das verstanden, weil die Aufgabe und die zeitliche Belastung in Siegen eine andere war. Alle die mich kennen, wussten, dass mein Herz so für den Fußball schlägt, dass ich mich früher oder später hauptamtlich für eine Aufgabe im Sport entscheiden würde.

flw24: Ja, aber Siegen war doch nur eine kurze Episode.

DS: Ja, ich war dort von Oktober 2016 bis zum Saisonende engagiert. Es war geplant, die Position des sportlichen Leiters dort in ein Hauptamt umzuwandeln. Die sollte ich dann übernehmen. Dann kamen die Insolvenz des Klubs und ein Neubeginn in der Oberliga Westfalen dazwischen.

flw24: Und was machte Daniel Steuernagel?

DS: Ich konzentrierte mich voll auf meine Ausbildung an der Sportschule in Hennef zum Fußballlehrer.

flw24: Was ja wiederum auf Dein großes Herz für den Fußball hinweist. Wer saß mit Dir auf der „Schulbank“?

DS: U.a. Francesco Copado oder Dimitrios Grammozis.

flw24: Wie führt nun aus einer solchen Konstellation Dein Weg auf den Bieberer Berg?

DS: Der frühere Eintracht-Spieler Sead Mehic, in dessen Händen bei den Kickers die sportliche Leitung liegt, und ich waren miteinander bekannt. Sead war im Übrigen beim SSV Lindheim, der in der Verbandsliga Hessen Süd spielt, mein Nachfolger als Trainer. Sead rief mich an und fragte, ob ich mir eine Aufgabe als Trainer bei den Kickers vorstellen könnte. 

flw24: Also nach dem Motto „Anruf genügt“ und man ist mal schnell Cheftrainer bei einem traditionsreichen Verein?

"Kickers hat eine lange Tradition"

DS: Ganz so ist es natürlich nicht. Wir führten seriöse Gespräche, d.h. die Verantwortlichen der Kickers Präsident Helmuth Spahn, Geschäftsführer Christopher Fiori und Sead konnte ich von meinem Konzept und Ideen überzeugen. 

flw24: Und Du bekamst den Zuschlag. Was war für Dich die Motivation und gab es Konkurrenten?

DS: Ich denke schon, dass es die gab. Kickers Offenbach wird nicht gerade den ersten Besten nehmen, sondern verantwortungsbewusst auswählen. Im Übrigen ist die Frage für mich nicht von Bedeutung. Ich bekam den Zuschlag und wollte mich gewissenhaft auf meine neue Aufgabe konzentrieren. Über die Motivation brauchte ich nicht lange nach zu denken. Kickers hat eine lange Tradition. Endspiel um die deutsche Meisterschaft 1959, Pokalsieg 1970 gegen Köln, schönes neues Stadion und nicht zuletzt eine großartige Fankultur. Im Schnitt kommen zu den Heimspielen bis jetzt ca. 6000 Zuschauer. Der Fokus liegt natürlich in der Gegenwart und bei der Arbeit mit meinen Spielern.

flw24: Wie ist Dein Kontakt zu den Fans?

DS: Gut. Neulich war ich zu einem Fantreffen eingeladen. Da stand der Pokal von 1970 auf dem Tisch. Natürlich eine Replik. Das sagt doch alles über Stolz und Traditionsbewusstsein hier am Bieberer Berg. Die Fans sind unglaublich wichtig für uns.

flw24: Hat der Verein Dir im Hinblick auf das Saisonziel einen Auftrag erteilt etwa „All or nothing“, d.h. konkret „Wir erwarten die Mission Aufstieg“?

DS: Nein, hier hat mir keiner die Pistole auf die Brust gesetzt. Aufstieg geschieht ja nicht per Knopfdruck. Andererseits wollen natürlich alle Verantwortlichen, dann natürlich die Fans und dazu ja auch ich selbst, dass ein so traditionsreicher Klub wie die Kickers wieder dahin kommt, wo er hingehört. Das bedeutet natürlich als erster Schritt zurück in die Dritte Liga. Aber das ist kein einfaches Unterfangen. Da gibt es große Konkurrenten wie Waldhof Mannheim oder Saarbrücken und andere. Aber es ist schon richtig: Der Anspruch, zügig hochzugehen, ist da. Sonst wären wir nicht Kickers Offenbach. Aber es ist verdammt schwer und erfordert von allen Beteiligten eine große Anstrengung.

flw24: Das ist der rechte Zeitpunkt, um über den bisherigen Saisonverlauf zu sprechen. Am Beginn stotterte der Kickers-Motor: Zwei Remis und zwei Niederlagen im Startprogramm….

DS: Rein rechnerisch stimmt das. Aber hier wurde keiner nervös. Alle kennen die Qualität des Kaders, der über viel Potential verfügt. Es muss aber alles passen, um den Aufstieg gegen die starke Konkurrenz zu schaffen. Es folgte ja dann eine kleine Serie von drei Siegen mit der wunderbaren Leistung meiner Jungs beim 7:0 gegen den FSV Frankfurt.

"Ergebnisse kannst du nicht am Reißbrett entwerfen"

flw24: Und dann kommen die Kickers mit leeren Händen aus Freiburg zurück. Eine Ernüchterung?

DS: Wir hatten uns alles vorgenommen. Wir haben uns mental vorbereitet. Aber Fußball oder besser gesagt Ergebnisse kannst du nicht am Reißbrett entwerfen. Dafür werfe ich gerne zwei Euro ins Phrasenschwein. 

flw24: Nach dem Strauchler im Breisgau folgten zwei Remis und zwei Siege. Zuletzt der grandiose Erfolg nach Rückstand beim Spitzenreiter Waldhof Mannheim. Also seid Ihr wieder in der Spur?

DS: Ja, und da wollen wir so lange bleiben. Der nächste Schritt ist im kommenden Heimspiel gegen Balingen. Aber das funktioniert nur, wenn wir alles abrufen. Das heißt volle Konzentration.

flw24: Daniel, lass uns etwas über die tägliche Arbeit und Dein Verhältnis zur Mannschaft sprechen. Wie sieht der Alltag aus?

DS: Im Regelfall bin ich gegen 8:15 Uhr hier in Offenbach in meinem Büro. Am Vormittag oder Nachmittag ist Training. Dazwischen ist natürlich kein Leerlauf. Das ganze Team, d.h. die Spieler und der Trainerstab nehmen täglich eine Mahlzeit zusammen ein. Nachbesprechungen, Vorbesprechungen mit dem Trainerstab, Videoanalysen über den kommenden Gegner usw. Da kommt Vieles zusammen. Abends, das kann auch mal 20 Uhr werden, bin ich wieder zu Hause. Die Beziehung zu meiner Mannschaft ist nach meinem Empfinden gut. Ich bin nicht der Kumpeltyp. Die Spieler siezen mich. Sie reden mich meistens mit Coach an. Eine richtige Distanz ist wichtig.

flw24: Trainerstab…das heißt?

DS: Wir sind ein Oktett, das zusammenarbeitet. Sead Mehic als Sportdirektor, Bernd Winter, der als Team-Manager für die organisatorischen Abläufe wie Termine, Fahrten u.v.a.m. die Verantwortung hat, Max Lesser, unser Co-Trainer, der auch die wichtige Aufgabe des Videoanalysten wahrnimmt, Rene Keffel, der frühere Kickers-Torwart, der für die Torleute zuständig ist, Bastian Kliem und Alexander Konjevic, die Athletik-Trainer, Jörn Klümper, unser Physiotherapeut und meine Wenigkeit als Cheftrainer. 

flw24: Videoanalyse. Wie stelle ich mir das vor?

"Nur so erreichen wir unsere Ziele"

DS: Max Lesser erstellt akribisch einen Zusammenschnitt von den letzten Spielen unseres nächsten Gegners. Den schaut sich dann die ganze Mannschaft an. Es wird erläutert. Das eigene Spiel wird natürlich auch analysiert. Und es finden auch Einzelgespräche mit den Spielern statt, die ich mit Max zusammen führe. Auch so können sie aus Fehlern lernen.

flw24: Das ist ja hochprofessionell.

DS: Richtig. Aber so muss es sein. Nur so erreichen wir unsere Ziele. Am Tag vor dem Spiel gibt es dann die Schlussbesprechung. Bei Auswärtsspielen reisen wir am Spieltag mit dem Bus an.

flw24: Daniel, was sind für Dich bei der täglichen Zusammenarbeit die wichtigsten Komponenten?

DS: Das möchte ich allgemein formulieren. Als ich der Mannschaft vorgestellt wurde, habe ich in meiner ersten Ansprache betont, dass es wichtig ist, dass hier jeder bei unserer gemeinsamen Aufgabe dem anderen den nötigen Respekt entgegenbringt. Nur so können wir erfolgreich sein. Jeder muss die Arbeit des anderen anerkennen und schätzen. Auch der Zeugwart Wolfgang Böttge oder die Greenkeeper Jost Lückhoff und René Tuchscherer üben ihren unverzichtbaren Part aus. Das muss ich eigentlich nicht eigens betonen. 

flw24: Daniel, vielleicht noch eine kurze Anmerkung zum Spielsystem von Kickers Offenbach, wie Du es Dir vorstellst.

DS: Das ist der allgemeine Wechsel der vier bekannten Phasen: Wie verhalte ich mich als Mannschaft bei eigenem Ballbesitz oder bei Ballbesitz des Gegners und dazu das jeweils nötige Umschaltspiel. Das Spiel besteht ja aus einem dauernden Wechsel dieser Phasen. 

flw24: Gut Daniel. Da haben wir einiges durchgeackert. Noch kurz zum Hessenpokal. Wie ist der Stellenwert?

DS: Ohne jede Frage hoch. Kickers Offenbach ist eine Pokalmannschaft und hat wie bereits erwähnt 1971 überraschend gegen Köln den Pokal geholt. Also ist es Verpflichtung und ein hoher Anreiz zugleich, hier auf dem Bieberer Berg im Derby gegen Hessen Dreieich – es ist ja ein Kreisderby - erfolgreich zu sein. Das sind wir ja auch unseren großartigen Fans schuldig. Von dem wirtschaftlichen Effekt der Teilnahme an der DFB-Pokalhauptrunde brauche ich ja nicht zu reden.

flw24: Daniel, bleibt mir, Dir für die Geduld bei unserem Gespräch zu danken. Bei deiner Arbeit wünsche ich Dir viel Erfolg und persönlich alles Gute. Und natürlich im Spiel gegen die TSG Balingen einen Dreier.