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20.03.2018
Kategorie: Interviews, Aktuelles, TopNews
Von: flw24 von Claus Coester

„Auf dem Weg in die Kabine steckte mir jemand einen Zettel zu“


Gerhard „Bimbo“ Bopp. Foto: Claus Coester

Das Gespräch wurde am 15.03.2018 geführt. GBB = Gerhard „Bimbo“ Bopp

Erster „Privattrainer“ Heinz Berndroth, der Vater von Ramon

flw24: Hallo Gerhard, schön, dass wir uns zum Gespräch treffen. Wir sind ja nicht ganz in Deiner alten Heimat, sondern in Harxheim an der Peripherie von Mainz.

GBB: Genau genommen stimmt das. Ich bin ja Stadt-Mainzer, und da wiederum ist meine direkte Heimat die Neustadt.

flw24: D.h. nördlich der Kaiserstraße bist Du groß geworden. Wie und wo lernte man da das Fußballspielen?

GBB: Ganz einfach auf der Straße. Einen Fußballplatz gab es in der direkten Umgebung nicht. Irgendeine freie Fläche war unser Sportfeld.

flw24: Heute werden die Kleinkinder von ihren Papis schon früh im Verein angemeldet. Das sind dann die „Bambinis“. Wie war das bei Dir?

GBB: Das ging ja damals erst mit der D- oder C-Jugend los. Bis zum Alter von 9 oder 10 Jahren kickten wir irgendwo in der Neustadt auf freiem Gelände, zunächst mit einem Tennisball. Später hatten wir einen richtigen Ball. Der Vater von Ramon Berndroth, Heinz, war quasi unser Privattrainer. Der spielte mit uns Buben, wenn er Zeit hatte. Mein Vater hatte keine Beziehung zum Fußball. Meine Oma aber freute sich, wenn sie mit mir immer zu den Vereinsfeiern ging.

flw24: Und wann ging‘s zum Verein?

GBB: 1959 wurde ich dann bei den 05ern angemeldet. Das war ja auch der nächste Verein. Bis zum Bruchweg war es nicht so weit. Da war ich noch 9.

flw24: Wie war dann Deine Entwicklung als Jugendfußballer?

GBB: Das klappte offensichtlich ganz gut. Ich durfte immer bei den Älteren mitspielen. Das hat sich dann fortgesetzt bis in die A-Jugend. In dem Alter habe ich dann schon bei den Senioren mittrainiert und hatte bald mein Debüt in der ersten Mannschaft. Da war ich noch 17.

flw24: Die Mainzer spielten damals in der zweiten Liga, der Regionalliga Südwest.

GBB: Richtig. Meine erste Meisterschaftssaison war 1967/68. Es wurden dann drei Jahre.

flw24: Und dann geht ein „Meenzer“ so einfach weg?

GBB: Es war ja nur ein Sprung über den Rhein in die Regionalliga Süd zu Opel Rüsselsheim.

flw24: Wie kam das zustande? Hattest Du einen guten Spielerberater?

GBB: Nein. Spielerberater war ja noch ein Fremdwort. Erich Bäumler, der früher lange bei Eintracht Frankfurt gespielt hat, war mein erster Trainer in Mainz gewesen und trainierte nun Opel Rüsselsheim. Der schätzte offensichtlich meine Qualitäten und bewegte mich zu dem Wechsel an den Main.

flw24: Die zwei Jahre bei Opel waren dann ja ein Selbstläufer. 69 Spiele und 21 Tore können sich für einen jungen Stürmer ja sehen lassen.

Fast wie bei James Bond

GBB: Das stimmt. Die Konkurrenten haben das auch gemerkt. 1860 München spielte  ebenfalls in der Liga. Die waren aus der Bundesliga abgestiegen und wollten ja mal wieder hoch.

flw24: Und Anruf genügt?

GBB: So ähnlich. Bei unserem Spiel von Opel in München steckte mir in der Halbzeit auf dem Weg in die Kabine jemand einen Zettel in die Hand.

flw24: Du scherzt. Das war dann die frühere Form der SMS oder der WhatsApp.

GBB: Im Ernst. Den Mann kannte ich nicht. Er sagte nur: “Rufen Sie bitte diese Nummer an.“

flw24: Hört sich an wie bei 007. Und wer war der Geheimnisvolle?

GBB: Dr. Schmöger, ein Arzt. Er gehörte zum Vorstand. Den rief ich dann an. Er sagte: „Wir haben Interesse an Ihnen“. Es kam zu zwei Treffen in München. Der Verein organisierte dazu einen Flug von Frankfurt nach München. Ich unterschrieb dann bei den Sechzigern.

flw24: Die Bilanz war, wenn das Archiv nicht lügt, insgesamt nicht so berauschend. Im ersten Jahr viele Spiele. Nach der Statistik nicht so viele Tore. Was war los?

GBB: Ich war ja als Stürmer und Torjäger geholt worden. Gleichzeitig hatte der Verein, was er mir bei den Gesprächen nicht mitteilte, seinen früheren Stürmer Ferdinand Keller, der später beim HSV spielte, aus Hannover zurückgeholt. So wollte mich der Trainer dann umfunktionieren. Schließlich wechselte ich dann 1973/74 zu Jahn Regensburg.

flw24: In der Spielzeit 1974/75 kam dann der nächste Wechsel zur Spielvereinigung Fürth. Da hast Du ja zusammen mit Paul-Werner Hofmann gespielt, der bei mir um die Ecke wohnt.

GBB: Ja, mit Paul-Werner spielte ich zwei Jahre zusammen. Wir waren für die Tore zuständig. Wenn Du ihn mal siehst, bestelle ihm schöne Grüße.

flw24: Das werde ich tun. In der Mitte der 1970er Jahre schließt sich dann der Kreis mit der Rückkehr ins „gude alde Meenz“. 

Mainzer Offenbarungseid

GBB: Ja. Wir spielten in der Saison 1975/76 mit 05 in der 2. Bundesliga Gruppe Süd und schlossen mit dem gesicherten 12. Tabellenplatz ab.

flw24: Und dann erfolgte der „worst case“, ein bisher einmaliger Vorgang im deutschen Profifußball.

GBB: Ja. Der Verein stieg wegen Überschuldung freiwillig in die 3. Liga ab. Das war die Oberliga Südwest.

flw24: Das bedeutete doch für Euch Profis einen finanziellen Einschnitt. Und an die Verträge wart Ihr doch sicher auch nicht mehr gebunden. Wie gingen denn die Spieler mit der neuen Situation um?

GBB: Eine Reihe wechselte den Verein. Aber mit Jürgen Janz, Herbert Scheller, Charly Mähn und mir blieben schon einige. Wir spielten dann mehrere Jahre in der Oberliga Südwest und hatten ja auch ein paar Erfolge. Und ganz mittellos war der Verein in der 3. Liga ja auch nicht.

flw24: Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Persönlich wurdest Du zweimal hintereinander Torschützenkönig in der Südwestliga. Dazu einmal Südwestmeister und einmal Südwestpokalsieger. Und dann das Sahnehäubchen.

GBB: Ja, der Höhepunkt war 1982. Ich darf mich ja Deutscher Meister nennen, wenn auch nur der Amateure. Wir gewannen das Endspiel am heimischen Bruchweg gegen Werder Bremen II mit 3:0. Etwas hat mich gewurmt, dass ich nicht getroffen habe (lacht)

flw24: Und, gab es eine Trophäe?

GBB: Soweit ich mich erinnere, lediglich ein Plakettchen.

Gegen Keegan und Co

flw24: Immerhin. Das vergeht nicht und vor allem der Erfolg bleibt. Gerhard, vielleicht zum Schluss ein paar Höhepunkte bzw. Kuriositäten aus Deinem reichhaltigen Leben als Fußballer.

GBB: Da gibt es zunächst eine Reihe von DFB-Pokalspielen gegen Schalke, HSV, Dortmund, Köln oder Stuttgart u.a. zu nennen. Man spielte ja nicht jeden Tag gegen Kevin Keegan, Felix Magath, Pierre Littbarski oder Bernd Schuster. Ein absolutes Highlight war unser Pokalspiel gegen Schalke 1982. Erst in der Verlängerung verloren wir 3:6. Zu den Highlights gehören auch Freundschaftsspiele mit den Löwen gegen die Bayern. Zur Saisoneröffnung kamen dann 70 Tausend Zuschauer ins Olympiastadion.

flw24: Und Kuriositäten?

GBB: Naja, wenn man so will unser Umzug nach München. Die Möbelpacker hatten alles in Mainz eingepackt und fuhren nach München voraus. Wir wollten mit dem Flugzeug vor ihnen an Ort und Stelle sein. Da aber die Fluglotsen streikten, kamen wir später an. Da gab es in München eine schöne Überraschung.

flw24: Und die wäre? 

Vier Dortmunder Nationalspieler als Trainer

GBB: Die Möbelpacker hatten die Häuser verwechselt und in der falschen Wohnung komplett eingeräumt. Auch die Gardinen hingen schon.

flw24: Hast du Töne? Wie ging’s weiter?

GBB: Wir haben am nächsten Tag alles umgeräumt. Meine Frau hat fleißig mitangepackt. Ende gut, alles gut. Zu den sportlichen Kuriositäten gehört sicherlich auch, dass ich mit Aki Schmidt, Hans Tilkowski, Hans Cieslarczyk und Lothar Emmerich vier Trainer hatte, die alle einmal bei Borussia Dortmund gespielt haben und Nationalspieler waren.

flw24: Gibt es noch Kontakte zu früheren Mitspielern?

GBB: Alle vier Wochen treffen wir uns zum Plaudern mit ehemaligen Mainzer Spielern. Willi Löhr ist z.B. dabei und unser langjähriger Mainzer Trainer Horst Hülß kommt auch. Bis zu meinem 65. Lebensjahr habe ich noch in der Traditionsmannschaft von Mainz 05 mitgemacht, die mein früherer Mitspieler Werner Orf betreut hat.

flw24: Gerhard, wenn Du ein Fazit über die lange Laufbahn ziehen sollst, wie sieht das aus?

GBB: Ich bin mit meiner Karriere als Fußballspieler sehr zufrieden, wenn es auch für ganz oben nicht gereicht hat. Ich habe tolle Erlebnisse gehabt, viele Leute kennen gelernt und habe nach der Profizeit in meinem Zivilberuf als Autoverkäufer – gelernt habe ich KFZ-Mechaniker - ebenfalls Erfolg gehabt in der Firma, in der ich bis zur Rente Jahrzehnte gearbeitet habe.

flw24: Gerhard, vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute.

Interessante Links zur Karriere von Gerhard Bopp:

Deutsche Amateurmeisterschaft 1982

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Fu%C3%9Fball-Amateurmeisterschaft_1982

DFB-Pokal TSV 1860 Weißenburg - SpVgg Fürth

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1974-1975-1-runde-tsv-1860-weissenburg-spvgg-greuther-fuerth/

DFB-Pokal  SpVgg Fürth - Borussia Dortmund

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1974-1975-2-runde-spvgg-greuther-fuerth-borussia-dortmund/ 

DFB-Pokal  SG 99 Andernach - Mainz 05

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1976-1977-1-runde-sg-99-andernach-1-fsv-mainz-05/

DFB-Pokal KFC Bayer Uerdingen – Mainz 05

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1976-1977-2-runde-kfc-uerdingen-05-1-fsv-mainz-05/

DFB-Pokal Mainz 05 – Hamburger SV

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1977-1978-2-runde-1-fsv-mainz-05-hamburger-sv/

DFB-Pokal 1. FC Köln – Mainz 05

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1979-1980-1-runde-1-fc-koeln-1-fsv-mainz-05/

DFB-Pokal Mainz 05 – Schalke 04

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1982-1983-2-runde-1-fsv-mainz-05-fc-schalke-04/

DFB-Pokal Mainz 05 – VFB Stuttgart

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1983-1984-1-runde-1-fsv-mainz-05-vfb-stuttgart/ 

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1974-1975-1-runde-tsv-1860-weissenburg-spvgg-greuther-fuerth/ DFB-Pokal 1974/75 

Fürth - Borussia Dortmund

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1974-1975-2-runde-spvgg-greuther-fuerth-borussia-dortmund/ DFB-Pokal 1974/75

Fürth - Andernach

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1976-1977-1-runde-sg-99-andernach-1-fsv-mainz-05/ DFB-Pokal 1976/77

Mainz - Andernach

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1976-1977-1-runde-1-fsv-mainz-05-sg-99-andernach/  DFB-Pokal 1976/77

Mainz - Bayer Ürdingen

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1976-1977-2-runde-kfc-uerdingen-05-1-fsv-mainz-05/  DFB-Pokal 1976/77

Mainz - Hamburger SV

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1977-1978-2-runde-1-fsv-mainz-05-hamburger-sv/ DFB-Pokal 1977/78 

Mainz - FC Köln

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1979-1980-1-runde-1-fc-koeln-1-fsv-mainz-05/  DFB-Pokal 1979/80 

Mainz - Schalke 04

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1982-1983-2-runde-1-fsv-mainz-05-fc-schalke-04/  DFB-Pokal 1982/83 

Mainz - VFB Stuttgart

http://www.weltfussball.de/spielbericht/dfb-pokal-1983-1984-1-runde-1-fsv-mainz-05-vfb-stuttgart/  DFB-Pokal  1983/84  Mainz 

Deutsche Amateurmeisterschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Fu%C3%9Fball-Amateurmeisterschaft_1982  Deutsche Amateurmeisterschaft 1982