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04.06.2018
Kategorie: Interviews, Aktuelles, TopNews
Von: flw24 von Timm Henecker

„Alle Mann an Bord“ - Ein Limburger chauffiert die DFB-Elf

Interview mit Christian Hochfellner, dem Busfahrer der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Zwei Limburger im Einsatz für den DFB. Christian Hochfellner (li.) und Georg Behlau im Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol. Foto: privat

Nach der Saison ist in diesem Jahr vor der WM. Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich derzeit im Trainingslager in Südtirol, um sich auf die WM-Titelverteidigung in Russland vorzubereiten. Dort werden die DFB-Kicker tagtäglich von einem Limburger zum Trainingsgelände, den Spielstätten oder wichtigen Terminen gebracht. Der 34-jährige Christian Hochfellner aus Limburg ist nämlich seit gut zwei Jahren der Busfahrer von Deutschlands Elitekickern. Schon sein Vater Wolfgang Hochfellner chauffierte die deutsche Nationalmannschaft und dessen Tross mehr als 20 Jahre zu den großen Arenen dieser Welt. Vor der Abreise ins Trainingslager nach Südtirol haben wir uns mit Christian getroffen und mit ihm über seinen Job und seine Erlebnisse mit den Weltmeistern gesprochen. 

flw24: Hallo Christian, schön, dass du für uns Zeit hast. Wie bist du denn DFB-Busfahrer geworden?

Christian: Zum Busfahren kam ich eher zufällig und dank meines damaligen Fahrlehrers. Dieser hatte mich mehr oder weniger dazu überredet, den Bus-Führerschein zu machen, da mein Onkel ein Bus-Unternehmen in Dietkirchen betrieb. Eigentlich wollte ich zunächst nur einen LKW-Führerschein zusätzlich zum normalen PKW-Führerschein machen. Glücklicherweise habe ich aber auf meinen Fahrlehrer gehört und den Bus-Führerschein gleich mitgemacht. 

Zum DFB kam ich im Jahr 2004, als die U21-EM in Deutschland stattfand. Für diesen Event wurden Fahrer gesucht und ich habe seinerzeit UEFA-Delegierte von einem Spielort zum anderen gefahren.  Die Nähe zum DFB und der Nationalmannschaft hatte ich aber natürlich schon immer ein wenig, da mein Vater ja lange für den DFB tätig war.

„Meine erste Fahrt der A-Nationalmannschaft war nach dem Titelgewinn“ 

flw24: Wie ging es dann beim DFB für dich weiter und wann durftest du die A-Mannschaft das erste Mal fahren?

Christian: So ab dem Jahr 2011 war ich immer häufiger für den DFB im Einsatz und habe zunächst verschiedene U-Mannschaften gefahren. Meine erste Fahrt mit der A-Mannschaft hatte ich dann tatsächlich nach dem WM-Gewinn in Brasilien 2014. Ich bekam einige Tage vor dem Finale einen Anruf vom DFB, dass ich den Nationalmannschafts-Bus von Frankfurt, wo er immer geparkt ist, nach Berlin überführen sollte, mehr wusste ich allerdings auch nicht. Als die Mannschaft nach dem WM-Triumpf dann in Berlin ankam, sollte ich den Bus mit dem Team direkt weiterfahren nach Moabit, wo ein offener LKW die Spieler durch die Stadt bringen sollte. Ich bin dann langsam mit dem Bus hinter dem LKW durch die Menschenmenge hergefahren. Das war ein absolutes Wahnsinnserlebnis. 

Ich bin ja selbst großer Fußballfan und so nah an der Mannschaft zu sein, die gerade Weltmeister geworden ist und diesen ganzen Hype in Deutschland ausgelöst hatte, war einfach sensationell. Die Spieler kannten mich natürlich nicht wirklich, aber als sie aus dem Flieger stiegen, waren sie alle verständlicherweise super drauf, umarmten mich und feierten. Schließlich konnte ich die ganze Zeremonie und Party am Brandenburger Tor aus nächster Nähe miterleben. Das war einfach nur grandios.

flw24: Das glauben wir dir aufs Wort. Wann hast du den Fahrerjob bei der Nationalelf schließlich komplett übernommen?

Christian: Nach der EM 2016 in Frankreich wurde ich offiziell zum Busfahrer ernannt. Mein erstes Spiel als Fahrer war das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger in Mönchengladbach. Das war ebenfalls sehr beeindruckend, weil ich die ganzen Emotionen und das ganze Drumherum hautnah miterleben durfte.

flw24: Wie sieht denn jetzt dein normaler Arbeitstag als Busfahrer der Nationalmannschaft aus?   

„Am Vortag checke ich die Strecken“

Christian: Normalerweise reise ich bei den Länderspielen oder den Qualifikationsspielen einen Tag vor der Mannschaft an, mache sozusagen eine Leerfahrt mit dem Bus und hole die Mannschaft am nächsten Tag am Flughafen ab. Die meisten Kilometer fahre ich mit dem Bus also alleine. An dem Vortag fahre ich die Strecke zum Stadion oder zu dem Trainingsgelände ab, um zu schauen, ob es Baustellen oder sonstige Probleme gibt und um die Dauer der Fahrten festzustellen. Während der Länderspiel-Termine bringe ich die Mannschaft nämlich täglich mit dem Bus zu den Trainingsplätzen und schließlich natürlich zum Spiel selbst. Beim Spiel werden wir meistens von der Polizei ins Stadion begleitet, so dass wir da weniger Probleme haben, aber es kann immer mal etwas sein, daher ist es besser die Strecke zu kennen. 

flw24: Was machst du während des Spiels?

Christian: Das Spiel schaue ich mir mit den anderen Kollegen und Leuten hinter dem Team auf der Tribüne im Stadion an. So ab der 85. Minute gehe ich dann aber in die Katakomben, um den Bus vorzubereiten, d.h. schon Sachen einzupacken, Sachen zu säubern oder ähnliches. Nach dem Spiel trudeln dann die Spieler nach und nach ein und wir fahren entweder ins Hotel oder manchmal direkt zum Flughafen zur Weiterreise zum nächsten Spielort bzw. zur Heimreise. 

Beim letzten Doppelspieltag im März in Düsseldorf (gegen Spanien) bin ich mit dem Bus nach dem Spiel direkt weiter zum nächsten Spielort Berlin (gegen Brasilien) gefahren. Die Mannschaft ist geflogen. Die gesamte Organisation und Logistik läuft über das „Management der Mannschaft“, also über Georg Behlau und sein Team. Da wird wirklich nichts dem Zufall überlassen, alles bis ins letzte Detail geplant und ist immer bestens vorbereitet, sodass die ganzen Abläufe meist reibungslos funktionieren. Das ist echt klasse.

„Es wird gezählt, ob alle da sind“

flw24: Woher weißt du denn eigentlich, ob alle Mann an Bord sind? Zählst du immer durch?

Christian: Nein, ich nicht, aber ein Kollege aus dem Organisationsteam schaut, ob tatsächlich alle Mann da sind und gibt mir dann das „Go“, dass wir fahren können. Der zählt dann auch wirklich durch, hat aber zudem auch die Infos, ob ein Spieler verletzt ist und deshalb nicht mitkommt oder anderweitig vom Spiel weggebracht wird.

flw24: Auf den ganzen Fahrten lernt man doch sicher den einen oder anderen Spieler kennen. Kannst du uns da ein bisschen was aus dem Nähkästchen erzählen?

Christian: Den direkten Kontakt mit der Mannschaft habe ich jetzt nicht unbedingt, außerdem muss ich mich ja während der Fahrten auch auf meine Aufgabe konzentrieren. Es fällt natürlich auf, dass die Spieler nach einem Sieg gelöster und lockerer sind. Da hört man schon mal einen gut gelaunten Thomas Müller Späße machen. Vor dem Spiel herrscht meist komplette Stille im Bus, alle sind total konzentriert und im Bus wird kaum gesprochen. Nach dem Spiel ist es wie gesagt je nach Ausgang weitaus lebendiger.

Ein schönes Erlebnis zuletzt war, als Sebastian Rudi nach dem Spanien-Länderspiel in Düsseldorf abreiste und zum Brasilien-Spiel in Berlin als frischgebackener Papa zurückkam und die gesamte Mannschaft ihm im Bus applaudierte und beglückwünschte.

„Vorne sitzt immer das Trainerteam“

flw24: Wer sitzt denn eigentlich alles im Bus und gibt es eine Sitzordnung?

Christian: Neben den Spielern sitzen natürlich das Trainerteam und Oliver Bierhoff sowie die medizinische Abteilung im Bus. Wir haben zudem noch Security mit an Bord. Eigentlich ist es ein 50-Mann-Bus, allerdings hat er nur 36 Sitzplätze, so dass es die Spieler etwas bequemer haben. Der aktuelle Bus ist knapp ein Jahr alt und technisch auf dem neuesten Stand. Vorne sitzt immer das Trainerteam, hinten meistens die Spieler, die schon länger in der Mannschaft dabei sind. 

flw24: Also wie in der Schule damals. Gibt’s eigentlich nach einem gewonnenen Spiel auch mal einen Kasten Bier im Bus? 

Christian: Nein (lacht), das wäre für die Regenration wohl auch nicht wirklich vorteilhaft. Nach dem WM-Sieg gab’s aber schon was zu trinken. 

„Der Bundestrainer ist eine beeindruckende Persönlichkeit“

flw24: Du hast während der Länderspiele und auch jetzt im Trainingslager ja ständig Kontakt zum Trainerteam. Wie sind Oliver Bierhoff und Jogi Löw so im täglichen Umgang?

Christian: Ja klar, man spricht im täglichen Umgang ganz normal miteinander und agiert als Kollegen. Oliver Bierhoff ist sehr nett, begrüßt stets alle Mitarbeiter und fragt immer nach dem Wohlbefinden. Und auch der Bundestrainer ist immer super freundlich. Ich muss wirklich sagen, dass er eine besondere Aura hat, wenn er irgendwo den Raum betritt. Er ist immer freundlich und strahlt eine große Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Für mich ist Jogi Löw wirklich eine sehr beeindruckende Persönlichkeit. 

„Mir ist sehr bewusst, dass ich da einen tollen Job habe“

Ich muss auch dazu sagen, dass es für mich immer wieder ein Erlebnis ist, bei den Länderspielen der Nationalelf oder jetzt im Trainingslager dabei zu sein zu dürfen und das alles hautnah miterleben zu können. Mir ist schon sehr bewusst, dass ich da einen tollen und außergewöhnlichen Job habe. Gerade als Fußball- und Nationalmannschaftsfan ist es schon klasse, ein Teil dieses Teams sein zu dürfen.

flw24: Du sprichst es an. Wie ist es jetzt im Trainingslager mit der DFB -Elf? Und bist du eigentlich auch in Russland mit dabei?

Christian: Ich bin mit einem anderen Fahrer zwei Tage vor der Mannschaft in Südtirol und schaue mir schon mal die Gegebenheiten vor Ort an, vor allem die Strecke zum Trainingsgelände. Dann stehen Testspiele auf dem Programm, die ich begleite, wie etwa am Freitag das Vorbereitungsspiel gegen Saudi-Arabien in Leverkusen. Bei der WM selbst werde ich nicht fahren, weil die FIFA dort eigene Busfahrer und Busse einsetzt. Dort kommt der FIFA-Sponsor Hyundai mit seinen Bussen zum Einsatz und nicht unser Mercedes-Bus. Bei den Turnieren werden prinzipiell zudem immer landeseigene Fahrer gestellt. Die WM verbringe ich dann als Fan vor dem Fernseher.

flw24: Zu guter Letzt: du bist FC Köln-Fan, hast also in dieser Saison schwierige Zeiten erlebt. Weiß denn Jonas Hector eigentlich, dass du FC-Fan bist?

Christian: Ja, das war ein schlechtes Jahr vom FC, aber wir kommen wieder. Und ja, Jonas Hector weiß, dass ich Köln-Fan bin, ich werde mich bei ihm auch nochmal bedanken, dass er beim FC bleibt (lacht).

flw24: Besten Dank, Christian, für das ausführliche Gespräch und die spannenden Einblicke in deinen DFB-Busfahrer-Alltag. Halte uns aus dem Trainingslager auf dem Laufenden. Wir sind auch schon ganz heiß auf die WM und werden mit Teilen der flw24-Redaktion nach Moskau zum ersten Spiel der DFB-Elf reisen.

Das Interview führte Timm Henecker