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05.04.2016
Kategorie: Interviews, Aktuelles, flw24 intern, TopNews
Von: flw24 von Florian Dempewolf

„Die geringe Fluktuation in Dietkirchen ist Fluch und Segen zugleich“


Florian Dempewolf und flw24-Redakteur Tobias Schneider im Ballon-Shop von Propan-Fischer (http://www.propan-fischer.de/2015/09/30/ballonshop/). (Foto: flw24)

Florian Dempewolf (rechts) im Laufduell mit Interimscoach Steffen Moritz. Nächste Saison ziehen sie in Hadamar an einem Strang! (Foto: Claus Coester)

Mit 26 Jahren als Spielertrainer ins kalte Wasser der Gruppenliga Wiesbaden gesprungen, gleich aufgestiegen und den Kreispokal geholt, in den Folgejahren bis auf Rang 2 der Verbandsliga gestürmt und nun zur kommenden Saison den Wechsel zum ranghöchsten Kreisvertreter aus Hadamar verkündet: Die Trainerkarriere des Florian Dempewolf ist bislang wie aus dem Bilderbuch. Im Interview mit der flw24-Redaktion blickt Florian noch einmal zurück auf seinen bisherigen Werdegang, spricht über mögliche Spielerwechsel von Dietkirchen nach Hadamar, nennt die Gründe für den Erfolg mit dem TuS – und er erklärt, warum es trotzdem Zeit war für eine Veränderung.

Flw24: Flo, wir haben uns heute an deinem Arbeitsplatz in Diez getroffen. Was viele nicht wissen: Du gehst nicht nur im Fußball als Spielertrainer voran, sondern führst auch noch mit deinen Brüdern ein Unternehmen. Wie ist denn dein beruflicher Hintergrund?

Dempewolf: Richtig, wir führen zusammen mit unserem Vater das langjährige Familienunternehmen Propan-Fischer in Diez, welches unser Großvater 1953 gegründet hat. Neben Diez haben wir Niederlassungen in Niedernhausen und Heppenheim und beschäftigen über 20 Angestellte. Nach meinem bestandenen Fachabitur habe ich ein Sportmanagement-Studium absolviert und bin zudem gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann.

Flw24: Also hast du mit dem Studium auch gleich die Grundlage für deine Trainerlaufbahn gelegt?

Dempewolf: Damals wusste ich natürlich noch nicht, wie sich alles entwickeln würde, aber das Studium hat mir bislang sicher nicht geschadet. (lacht) Aber auch ich muss natürlich weiterhin noch einiges lernen – deshalb werde ich demnächst die DFB-Elite-Lizenz angehen (Anm. der Redaktion: nächsthöherer Trainerschein nach der B-Lizenz).

„Erwartet haben wir die Erfolge natürlich so nicht“

Flw24: Die Entwicklung war in der Tat nicht absehbar. Erzähl doch nochmal, wie es dazu kam, dass du schon mit 26 Jahren Spielertrainer in Dietkirchen geworden bist.

Dempewolf: Ich habe damals beim RSV Würges in der Landesliga (Anm. der Redaktion: heutige Verbandsliga) gespielt. Leider habe ich mir während eines Spiels gegen den SV Wehen das Schienbein gebrochen, was mich anderthalb Jahre außer Gefecht gesetzt hat. Nach vollständiger Genesung ging ich wieder zurück zu meinem Heimatverein TuS Dietkirchen, wo mein Vorgänger Thomas Meuer erfolgreiche Arbeit geleistet hatte – er führte die Mannschaft zum Abschied sogar noch zum Aufstieg in die Gruppenliga. Trotzdem wollte der Verein nach dreijähriger  Zusammenarbeit etwas Neues. Schließlich trat unser Abteilungsleiter Fußball Peter Schmitt an mich heran, ob ich mir nicht vorstellen könne, das Traineramt zu übernehmen.

Flw24: Und wie man sieht, konntest du es dir vorstellen. (lacht) Damit begann das kleine Fußballmärchen…

Dempewolf: Märchen möchte ich es nicht nennen, denn die Erfolge waren in erster Linie Resultat harter Arbeit, unseres großen Zusammenhalts und der tollen Jugendarbeit des TuS Dietkirchen. Aber erwartet haben wir die Erfolge natürlich so nicht…

Flw24: Unter deiner Führung habt ihr im ersten Jahr den Durchmarsch in die Verbandsliga geschafft und den Kreispokal geholt. Den vorläufigen Höhepunkt habt ihr dann vorletztes Jahr erreicht mit Platz 2 in der Abschlusstabelle (Anm. der Redaktion: in dieser Saison gab es keine Aufstiegsrelegation, weshalb nur der Erste aufstieg). Es ging eigentlich immer nur bergauf – bis zur Hinrunde dieser Saison…

„Wir haben uns nie über Einzelspieler definiert“

Dempewolf: Das stimmt, das Team hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und in der Verbandsliga etabliert. Wir haben bislang jedes Jahr einen einstelligen Tabellenplatz erreicht. Ganz wichtig war dabei immer, dass wir uns nie über Einzelspieler definiert haben, sondern als Team aufgetreten sind. Dadurch war es überhaupt erst möglich, immer wieder junge Spieler ins kalte Wasser der Verbandsliga springen zu lassen und ihnen eine Chance zu geben. In einer funktionierenden Mannschaft steckst du Ausfälle ganz anders weg. Anfang dieser Saison kam dann allerdings einiges zusammen, unter anderem die Verletzung unseres neuen Keepers Raphael Laux und unseres Spielführers Maximilian Zuckrigl, der sich erneut das Kreuzband gerissen hat. Danach haben wir einige Partien verloren, wir waren verunsichert und das Selbstbewusstsein wie weggeblasen.

Flw24: Das war natürlich auch eine neue Situation für euch. Da wurde es euch etwas zum Verhängnis, dass ihr so erfolgsverwöhnt seid.

Dempewolf: Fast wurde uns das zum Verhängnis, stimmt. Aber wir haben ja nochmal die Kurve bekommen. (lacht) Einen großen Anteil daran hatte natürlich die Rückkehr von Raphael Laux und Miguel Granja.

Des Weiteren möchte ich unserem Vorstand ein ganz großes Kompliment aussprechen, denn trotz der schwierigen Situation konnte ich in Ruhe weiterarbeiten und habe das volle Vertrauen des Vereins gespürt.

Flw24: Trotzdem ist nun auch für dich die Zeit für eine Veränderung gekommen. Wie kam es zu deinem Wechsel nach Hadamar?

Dempewolf: Der große Vorteil des TuS ist die geringe Fluktuation innerhalb des Kaders. Für einen Trainer ist das in gewisser Weise Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist es schön, wenn man Jahr für Jahr größtenteils mit derselben Mannschaft zusammenarbeitet, andererseits ist es schwer nach fünf Jahren dieselben Spieler immer wieder neu zu motivieren. Daher bin ich der Meinung, dass die Jungs nach fünf Jahren einen neuen Trainer benötigen, der wieder neue Impulse setzen kann. Zudem habe ich eine neue sportliche Herausforderung gesucht, da ich mich als Trainer noch weiterentwickeln möchte.  

„Die Hessenliga mit Hadamar ist natürlich ein besonderer Anreiz“

Flw24: Wie ging es weiter, nachdem deine Entscheidung feststand?

Dempewolf: Nachdem bekannt wurde, dass zum Saisonende Schluss ist, kamen Anrufe aus verschiedensten Klassen, was mich sehr gefreut hat. Eine ambitionierte Mannschaft zum Beispiel aus der Kreisoberliga aufzubauen, hätte mich auch sehr gereizt, aber die Hessenliga mit Hadamar ist natürlich noch einmal ein besonderer Anreiz.

Flw24: …wobei Hadamar derzeit ja noch abstiegsgefährdet ist. Auch wenn an Ostern zwei ganz wichtige Siege gelangen, bei denen du den Interimstrainer Steffen Moritz ja auch unterstützt hast.

Dempewolf: Das stimmt, der Klassenerhalt ist noch nicht sicher. Mir liegt es natürlich am Herzen, dass Hadamar in der Hessenliga bleibt und deshalb stehe ich Steffen Moritz auch gerne zur Seite. Das war auch ganz offen mit dem TuS Dietkirchen abgesprochen, ich spiele da immer mit offenen Karten.

Flw24: Erstmal möchtest du dich sicher noch erfolgreich aus Dietkirchen verabschieden.

Dempewolf: Auf jeden Fall! Wir peilen auch dieses Jahr wieder einen einstelligen Tabellenplatz an und stehen im Halbfinale des Kreispokals. Das wäre natürlich ein Traum, wenn wir zum Abschluss noch einmal den Kreispokal holen würden.

Flw24: Eventuell nach einem Finalsieg über deinen zukünftigen Verein.

Dempewolf: Das wäre natürlich eine besondere Konstellation für das Finale. (lacht) Aber klar ist auch: ich bin ab Sommer in Hadamar, bis dahin will ich mit dem TuS alles erreichen, was möglich ist.

Flw24: Wenn du abschließend zurückblickst, was war neben den sportlichen Erfolgen ein besonderes Highlight während deiner Zeit in Dietkirchen?

Dempewolf: Highlights gab es viele, aber etwas ganz Besonderes war sicherlich unser Trainingslager in der Türkei in der diesjährigen Wintervorbereitung. Mit 28 Personen waren wir eine Woche in der Türkei, da haben wir uns fast wie Profis gefühlt. Das Trainingslager hatten wir jahrelang geplant und mit der Mannschaft selbst Sponsoren gesucht und über ein selbst organisiertes Fußballcamp Geld eingenommen.

 „Die Spieler müssen selbst entscheiden, was sie tun“

Flw24: Eine Frage zum Abschluss: Es wird natürlich gemunkelt, dass dir einige Spieler nach Hadamar folgen könnten. Steffen Rücker hat ja schon seinen Abschied bekannt gegeben. Werden weitere folgen?

Dempewolf: Steffen hat ja selbst betont, dass seine Entscheidung unabhängig von meinem Wechsel nach Hadamar gefallen ist. Im Endeffekt müssen die Spieler sowieso selbst entscheiden, was sie tun. Dass Hadamar an Spielern des TuS Dietkirchen interessiert ist, ist ja nichts Neues, das ist schon seit Jahren der Fall.

Flw24: Flo, vielen Dank für das Interview, einen erfolgreichen Abschluss in Dietkirchen und viel Erfolg ab Sommer bei deiner neuen Aufgabe in Hadamar.

Dempewolf: Vielen Dank.