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24.11.2015
Kategorie: Interviews, Aktuelles, flw24 intern, TopNews
Von: flw24 von Timm Henecker

„Oh nein, jetzt muss ich eine Punktprämie ausschütten“

Zweiter Teil des Interviews mit Eintracht Frankfurt-Vorstand und flw-Leser Oliver Frankenbach

Oliver Frankenbach mit Dominik Groß (Fotos: flw24)

Oliver Frankenbach mit Timm Henecker

Oliver Frankenbach im Gespräch mit Dominik Groß

In der vergangenen Woche hatten wir den ersten Teil unseres Interviews mit dem in Eisenbach lebenden Eintracht-Vorstand Oliver Frankenbach veröffentlicht. Hier folgt nun die Fortsetzung des flw-Gesprächs mit dem Finanzchef von Eintracht Frankfurt.

Flw24: Oliver, wie können wir uns Deinen Arbeitsalltag bei der Eintracht vorstellen? 

Oliver Frankenbach: Zunächst mache ich mir jeden Morgen mal ein grundsätzliches Bild über die finanzielle Lage, schaue mir bestimme Zahlen an und bringe mich selbst erstmal auf einen aktuellen Stand. Auch den Pressespiegel lese ich natürlich mit Interesse, um ganz einfach die gegenwärtige Grundstimmung einzufangen, die in den Medien herrscht. Dann gibt es natürlich verschiedene Themen, die je nach Jahreszeit (Quartalszahlen, monatliche Aufsichtsratsberichte, Prognosen, Steuerliche Betriebsprüfung, Lizenzierungsverfahren, Transfers in der Transferzeit, ...) abzuarbeiten sind. Einen typischen Arbeitstag gibt es daher eigentlich nicht.

Flw24: ... und welche Berührungspunkte hast Du mit den Spielern?

Oliver Frankenbach: Mit den Spielern selbst habe ich wenig Kontakt. Zumeist konzentriert sich das auf den Anfang der Saison, wenn Verträge geschlossen werden. Während der Saison nur bei konkreten Anlässen oder auch mal nach einem Spiel im Businessbereich des Stadions. Es gibt Spieler, die sind mitteilungsbedürftig, andere eher nicht. Ein Spieler, der erst zwei Jahre da ist, den kennt man natürlich weniger gut, als beispielsweise einen Alex Meier, der schon lange bei uns ist.

Flw24: Wie schaffst Du eigentlich den Spagat zwischen enthusiastischem Fan und analytischem Finanzchef?

„Ich lebe die Partien emotional auf der Tribüne mit“

Oliver Frankenbach: Im Finanzbereich kann es sicher hilfreich sein, wenn man nicht ganz so emotional mit der Eintracht verbunden ist. Bei mir ist das allerdings nicht der Fall. Ich lebe die Partien immer sehr emotional auf der Tribüne mit.

Zum Spagat zwischen Finanzverantwortlichem und Fan kann ich mal eine kleine Anekdote beim entscheidenden Aufstiegsspiel in der zweiten Liga gegen Reutlingen im Jahr 2003 erzählen. Da lagen wir schon 1:3 zurück und Mainz, unser Konkurrent um den Aufstieg, führte uneinholbar. Dann haben wir zehn Minuten vor Schluss das 3:3 geschossen und ich dachte nur, `oh nein, jetzt müssen wir auch noch eine Punktprämie ausschütten´. Letztendlich haben wir ja 6:3 gewonnen und sind tatsächlich noch aufgestiegen. Das war grandios.  

Flw24: Zum Transfergeschäft: Wie ist das eigentlich, wenn wie bei der Eintracht immer wieder gute Spieler von anderen Vereinen angefragt werden – ist das große Geld dann verlockend, auch wenn der sportliche Erfolg darunter leiden könnte?

Oliver Frankenbach: Natürlich hat man immer das Gesamtkonstrukt im Blick. Es macht ja keinen Sinn einen Spieler zu verkaufen, wenn man dadurch die Mannschaft schwächt und möglicherweise für keinen Ersatz sorgen kann. Man muss das immer abwägen.

Wenn aber ein Angebot in einer Größenordnung wie bspw. im Fall von Kevin Trapp eingeht -  wo man zudem weiß, irgendwann ist der Spieler ablösefrei - dann macht man sich natürlich seine Gedanken. Das ist nicht nur bei Eintracht Frankfurt so, das macht auch der FC Bayern nur auf einer anderen Ebene. Jeder hat immer das Interesse daran, einen Spieler günstig zu erwerben oder aus der Jugend zu entwickeln. Irgendwann ist aber (oftmals) der Zeitpunkt erreicht, an dem diese Spieler abgegeben werden müssen. Es ist dann meist auch wirtschaftlich unsinnig diesen Spieler zu behalten, weil auch dessen Gehaltsentwicklung steigt und diese dann nicht mehr mit der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung in Einklang steht. Natürlich muss man aber vor einem möglichen Verkauf immer schon einen Nachfolger im Auge haben.

Flw24: Heißt das, Ihr habt für jede Position einen möglichen Ersatz im Hinterkopf?

„Man sollte immer einen Schattenkader haben“

Oliver Frankenbach: Ich spreche da immer von einem sogenannten `Schattenkader´. Man sollte immer einen Kader neben dem eigentlichen Kader haben - mit Spielern, die möglicherweise auf der Bank sitzen, noch in der eigenen Jugend spielen oder noch bei anderen Clubs unter Vertrag stehen. Dieser Switch funktioniert natürlich nicht immer, weil sich die Spieler manchmal schneller oder langsamer als die eigene Planung entwickeln.

Flw24: Wie läuft so ein Transfer hinter den Kulissen dann ab?

Oliver Frankenbach: Der interessierte Verein und/oder der Vermittler des Spielers melden sich beim sportlichen Leiter - in unserem Fall bei Bruno Hübner - und schildert das konkrete Interesse von Verein XY an Spieler XY. Meist geschieht dies erst mal mündlich oder auch per E-Mail inklusive eines ersten Angebotes für den Spieler. Dann diskutieren wir im Vorstand darüber, ob das Angebot passt, zu gering ist oder zusätzliche Klauseln benötigt. Natürlich ist vorab auch immer der Trainer in die Diskussion einzubeziehen, da dieser letztendlich die sportliche Bewertung eines Abgangs und die möglichen Optionen eines Ersatzes beurteilen muss. Der Spieler selbst, ist in der Regel vollumfänglich über alles informiert. Wenn man sich den Transfer von Vereinsseite her vorstellen kann, dann wird das professionell abgewickelt: Abgabe eines schriftliches Angebots durch den aufnehmenden Club, Erstellung eines Transfervertrags und Vertragsauflösung mit dem Spieler. Auf der umgekehrten Seite - ein Spieler kommt zu uns - kommen noch Arbeitsvertrag und Verhandlungen mit dem Spieler bzw. dessen Vermittler hinzu. In einer Aktiengesellschaft wie der Eintracht Frankfurt Fußball AG kann ein Vorstand ab einer gewissen Größenordnung aber nicht alleine entscheiden. I. d. R. handelt es sich dabei um sog. genehmigungspflichtige Geschäfte, die vom Aufsichtsrat genehmigt werden müssen.

„Hinter jedem Transfer steckt enorm viel administrativer Aufwand“

Das alles klingt nicht so wirklich spektakulär, aber hinter jedem Transfer steckt enorm viel administrativer Aufwand. Jeder Transfer muss mittlerweile über ein nationales (DFL) oder internationales (FIFA) computergestütztes System abgewickelt werden, über das am Ende die Spielberechtigung erwirkt wird. Gerade zum Ende eines Transferfensters (31.08./31.01.) ist da enorm viel Routine notwendig, so dass den Verbänden alles frist- und formgerecht eingereicht wird. Hier benötigt man Mitarbeiter, auf die man sich zu 100% verlassen kann. In unserem Fall ist das Martin Kirchner (Abteilungsleiter Personal). Ich kann mich dabei noch an viele Transfers erinnern, wo wir beide bis in die späten Abendstunden an der Zusammenstellung der Unterlagen gesessen haben. Und oftmals auch „umsonst“, wenn sich der Transfer dann in letzter Sekunde zerschlagen hat.

Flw24: Wodurch verdient die Eintracht denn neben Spielertransfers und Zuschauereinnahmen ihr Geld? Merchandising und internationale Vermarktung?

Oliver Frankenbach: Merchandising ist keine nennenswerte finanzielle Größe bei einem Klub wie Eintracht Frankfurt, aber natürlich enorm wichtig für die visuelle Präsenz und die Vermittlung von Emotionen. TV-Vermarktung, Zuschauerzahlen, Sponsoring und Hospitality-Leistungen sind Größen die finanztechnisch viel wichtiger sind. Beim Merchandising machen wir zwar inzwischen mehr als sechs Millionen Euro Umsatz, aber der Deckungsbeitrag liegt nur bei ca. zehn Prozent. Einen nennenswerten Beitrag zum Unternehmensergebnis ist dann eher bei Vereinen wie Real Madrid oder Bayern München möglich, weil dort Umsätze in einer Größenordnung erzielt werden, die dann auch zu Deckungsbeiträgen in entsprechendem Umfang führen.

„Irgendwann muss internationaler Fußball gespielt werden“

Wir haben in den letzten 3 Jahren angefangen uns international stärker zu präsentieren, weil wir glauben, dass der Standort Frankfurt mit dem Flughafen als Drehkreuz, der Finanzkraft und seiner Internationalität eine Plattform bietet, die andere Klubs in dieser Zusammenballung nicht vorweisen können. Aber wir stehen dort noch am Anfang und müssen Jahr für Jahr unsere Intensität erhöhen. Nur alleine durch Trainingslager in Abu Dhabi oder anderen Zielmärkten gelingt das nicht, bietet uns aber natürlich eine hervorragende Plattform. Irgendwann muss dann auch internationaler Fußball gespielt werden. Das ist die logische Konsequenz.

Flw24: Die Eintracht wurde ja finanziell in den letzten Jahren auf „gesunde Füße“ gestellt. Der ein oder andere Fan hat die Geldpolitik der Eintracht manchmal als zu konservativ kritisiert? Was entgegnest Du ihm?

Oliver Frankenbach: Die finanzielle Situation bzw. Stabilität eines Klubs ist zunächst einmal enorm wichtig und daher besprechen wir im Vorstand sämtliche Optionen und inwieweit sich diese realisieren lassen. Hier gilt es sämtliche Risiken, die entstehen können zu beurteilen und abzuwägen. Das ist enorm wichtig für den Verein, sonst wären wir sicherlich nicht auf dem wirtschaftlichen Stand auf dem wir heute sind.

Man kann natürlich immer darüber diskutieren, inwieweit man finanzielle Risiken eingeht, aber diejenigen, die das als zu konservativ beurteilen, denen halte ich immer entgegen, dass es nicht unser eigenes Geld ist, mit dem wir hier agieren. Es ist Geld, das uns letztendlich auch die Fans zur Verfügung stellen. Und wenn du zu Hause 50 Euro im Portemonnaie hast, dann denkst du ja auch nicht darüber nach 80 Euro auszugeben, nur weil du hoffst, es in ein paar Wochen zurückzubekommen. Sowie ein Familienvorstand die Verantwortung für seine Familie hat, tragen wir als Vorstand einer Aktiengesellschaft die Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Stake-Holder (Aktionäre, Fans, Region, etc.).

„10 Millionen Euro sind sicher nicht konservativ“

Wir haben dieses Jahr über 10 Millionen Euro in die Mannschaft investiert und das ist sicher nicht konservativ. In den Spielzeiten 2013/2014 und 2014/2015 waren es jeweils neun Millionen Euro. Ich denke es passt bei uns. Wir sind als Klub gewachsen, wir werden in dieser Saison erstmals einen Umsatz von über 100 Millionen Euro erzielen. Das ist für Eintracht Frankfurt sicherlich ein hervorragendes Ergebnis. Es gibt aber noch enorm viele Wachstumsfelder, die wir angehen möchten und müssen, um dann tatsächlich zu einem  Klub zu werden, wie es unser Standort von uns fordert.

Flw24: Du bist als Finanzvorstand in den Medien weniger präsent als Deine Kollegen Heribert Bruchhagen oder Axel Hellman. Warum ist das so?

„Wenn Sie von mir nichts hören, dann können Sie davon ausgehen, dass es dem Klub gut geht“

Oliver Frankenbach: Der Finanzvorstand steht nicht so im Fokus der Öffentlichkeit wie die anderen beiden Vorstände, die für den Sport und die Vermarktung bzw. die Kommunikation zuständig sind. Ich hatte das auch schon in einem Interview mit der BILD-Zeitung gesagt: `Wenn Sie von mir nichts hören, dann können Sie davon ausgehen, dass es dem Klub gut geht´. Wenn man sich den Wirtschaftsteil einer Zeitung anschaut und sich ein Finanzvorstand eines Unternehmens des Öfteren äußert bzw. äußern muss, dann geht es dem Unternehmen meist nicht so gut.

Flw24: Abschließend, wie bewertest Du als Eintracht-Vorstand die gegenwärtige sportliche Situation des Klubs?

Oliver Frankenbach: Vor dem Bayern-Spiel waren wir sicher nicht zufrieden, wie die Mannschaft in den 2-3 Spielen zuvor aufgetreten ist, speziell beim Pokal-Aus in Aue. Man darf sich nach schlechten Spielen als Klub aber auch nicht so runter ziehen lassen, damit meine ich Presse-Berichte oder Social Media-Posts.

Man muss das immer ein bisschen nüchterner betrachten. Ich versuche daher immer auf die nackten Zahlen zu schauen. Wir verfallen nicht in großer Euphorie, wenn wir Köln zu Hause 6:2 schlagen, aber wir sind auch nicht die absoluten Pessimisten, wenn wir 0:1 in Aue verlieren. Ich denke die Unzufriedenheit, die sich vor allem nach dem Pokal-Aus in Aue allenthalben breit gemacht hat, ist darauf zurückzuführen, dass man glaubte, die Leistung aus dem Spiel gegen Köln könnte beliebig oft wiederholt werden. Soweit ist die Mannschaft aber noch nicht. Und wenn man sich die Clubs anschaut, die in der Tabellenregion 7-15 spielen, haben alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

In den letzten Spielen konnten wir teilweise wieder an die Leistungen des ersten Saisondrittels anknüpfen oder zumindest wieder punkten. Wenn wir auf die Fakten schauen, liegen wir aus unserer Sicht mit 14 Punkten nach 13 Spieltagen innerhalb unserer Planung. Wir machen vor der Saison eine interne Planung zwecks Prämienberechnung und da liegen wir aktuell exakt im Plan. Betrachtet man die Spiele gegen die gleichen Gegner in der letzten Saison, liegen wir sogar einen Punkt darüber. Man muss das also immer ein wenig relativieren. Und wir haben bis zur Winterpause mit den zwei Heimspielen gegen Darmstadt und Bremen sowie den beiden Auswärtspartien in Mainz und Dortmund noch genügend Gelegenheiten uns eine gute Ausgangsbasis für die Rückrunde zu schaffen.

„Irgendwo zwischen Platz 7 und 15“

Wenn sich die Mannschaft dann unter optimalen Voraussetzungen im Trainingslager in Abu Dhabi auf die Rückrunde vorbereiten kann, wird man sehen wohin der Weg führt. Ich denke als Eintracht Frankfurt müssen wir uns aktuell irgendwo zwischen Platz 7 und Platz 15 orientieren. Natürlich wollen wir alle mehr in Richtung Platz 7. Wenn die Mannschaft ihr Potenzial zu 100 % abruft, ist das auch grundsätzlich möglich. Aber dann muss alles passen. Der Konkurrenzkampf hinter Platz 6 ist enorm groß. Und deshalb muss man wachsam sein. Die Beispiele Hamburger SV oder auch Borussia Dortmund in der ersten Saisonhälfte des letzten Jahres zeigen, dass eine latente Abstiegsgefahr immer besteht, wenn man nicht gewillt ist sein gesamtes Potential abzurufen oder man vom Verletzungspech verfolgt wird.

Flw24: Oliver, vielen Dank für das angenehme Gespräch und den guten Kaffee!

Das Interview führte Timm Henecker.