Die Bauunternehmung Albert Weil AG sucht einen Sachberarbeiter Einkauf (m/w)

05.01.2016
Kategorie: flw24 around the world, Aktuelles, TopNews
Von: von Thorsten Mankel

Marokko – Fußball aus 1001 Nacht


Maghreb Fes - Wydad Casablanca

Kawkab Marrakech – Ittihad Tanger

Rachad Bernoussi - Olympic Marrakech

Fankurve Wydad in Fes

Raja Casablanca - Olympique Safi

Gewürze auf dem Basar

Auf dem Basar

Auf dem Basar

Casa Moschee

Casa Moschee (Bilder von Thorsten Mankel)

Nach dem Länderpunkt ist ja vor dem Länderpunkt...

Schon bei der Tour im Oktober im Kaukasus hatte ich mir Gedanken über die nächsten Ziele gemacht. Marokko schwirrte mir da schon im Kopf herum, zumal sich da auf den Rängen in den letzten Jahren eine mehr als respektable Fankultur etabliert hat. Viele Vereine mir ordentlichen Zuschauerzahlen, gut organisierte Fangruppen mit Top-Choreos und lauten Gesängen. Es wird Zeit, diesem Land mal einen Besuch abzustatten! Auf der Suche nach einem passenden Termin hatte ich sofort die Winterpause im Visier, denn dort herrschen ja auch in der Zeit beste Temparaturen. Die Wahl fiel dann auf das Wochenende zu Weihnachten, die Familie hatte nichts dagegen, ausnahmsweise mal auf mich zu verzichten und sogar die Bescherung wurde ein paar Tage mir zu liebe verschoben... Ein großes Dankeschön hierfür!

Von Frankfurt/Hahn nach Marrakech

Der Flug war recht günstig gebucht von Hahn nach Marrakech und zurück, Marrakech hat ja auch außerhalb von Fussball einiges zu bieten wie mir mein marokkanischer Arbeitskollege bestätigte. Der war zwar wegen meinem Reisetermin etwas irritiert und als ich ihm sagte das ich es klasse finde das dort kein Weihnachten gefeiert wird, war er es noch mehr. Aber nun denn, auch meine Kollegen kennen mich mittlerweile ganz gut. Die Vorfreude stieg, zumal auch das Derby in Casablanca an diesem Wochenende starten sollte. Grundsätzlich gilt in diesen Ländern aber immer Obacht beim Spielplan-Studium, hier wird gerne mal kurzfristig ein oder mehrere ganze Spieltage verlegt, weil den Gestaltern plötzlich einfällt das eine Wahl ist, der König Geburtstag hat oder was auch immer. So natürlich auch dieses Mal, das Derby war eine Woche vorher und an Weihnachten waren plötzlich ganz andere Spiele... Nun ja, nicht zu ändern, Flug war gebucht, die Reise startet trotzdem. 

Heiligabend in Marrakech

Nach einem relativ entspannten Flug landete ich dann pünktlich kurz vor Mittag am Heiligabend in Marrakech und es dauerte nicht lange bis mir die Schweißperlen auf der Stirn standen. Das lag zum einen an dem Temparaturen und zum anderen daran das ich als einer der letzten aus unserer Maschine rauskam und wir insgesamt die 3. Maschine waren die innerhalb kurzer Zeit dort ankam. Dementsprechend hat dann die Einreise-Prozedur mehr als eine Stunde gedauert, aber der Rest des Tages war ja eh zur Stadterkundung eingeplant, da machte es auch nix noch auf 2 Bekannte zu warten die aus Düsseldorf angereist waren. Zu dritt ging es dann in Richtung Medina (Altstadt) von Marrakech und das per Taxi und hier durften wir dann zum ersten Mal unser Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen. Da hier kein Preis in Stein gemeißelt ist, wird hier immer gehandelt. Das kann manchmal etwas dauern, ist aber größtenteils ganz lustig. Irgendwie tut jeder immer sauer über das miese Angebot des anderen, aber man einigt sich immer irgendwie...

Aufgeschmissen in den Gassen (Souk) der Altstadt

Auf dem zentralen Platz Djemaa El Fnaa trennten wir uns dann zunächst weil jeder sein Hotel suchen musste. Die Adresse half hierbei wenig, denn ohne Ortskenntnis ist man im Gewirr der Gassen (Souk) in der Altstadt aufgeschmissen. Dieses Gewirr hat zwar seinen ganz eigenen Reiz zum Bummeln, aber wenn man etwas sucht kommt man ohne Hilfe nicht besonders weit. Dafür wird man ständig von sogenannten Guides angespochen, die einen auch überall hinbringen, aber am Ziel geht es dann wieder los: das Handeln... Für einen kurzen Fußweg von 3 Minuten werden 10 Euro verlangt, man einigt sich dann irgendwo bei 2 Euro... Das Hotel war dann ein absoluter Glückstreffer. Traumhafte Lage inmitten der Gassen aber superruhig, netter Innenhof mit Pool und Dachterrasse, hier lässt es sich aushalten. Da konnte ich mich kaum losreißen als es am Nachmittag zum Treffpunkt mit den Kollegen ging, unsere Gruppe war mittlerweile auf 5 Personen angewachsen mit 2 weiteren Kollegen aus Gelsenkirchen. Gemeinsam ging es dann etwas auf Stadterkundung und bereits zum Stadion um für das morgige Spiel schon einmal die Kartenfrage zu klären. An der Hotelbar klang dann der Abend bei ein paar Bieren aus, die man hier auch problemlos bekommt wie auch in normalen Restaurants, solange keine Moschee in der Nähe ist.

Basar und Kawkab Marrakech gegen Ittihad Tanger

Am nächsten Morgen stürzten wir uns dann mal komplett in den Basar und durchstreiften die Gassen der Altstadt und sogen die Atmosphäre auf. Diese Stadt nimmt einen absolut gefangen mit ihren Händlern, Gewürzen, Obst oder einfach nur Krimskrams. Sogar Gebisse werden hier verkauft, was ich auch bildlich festhalten wollte, jedoch wollte der Händler auch für das Foto einen kleinen Obolus haben, was ich allerdings nicht wollte... Frühzeitig ging es dann zum Stadion weil wir bei der Internet-Recherche festgestellt hatten das bei dem heutigen Spiel von Kawkab Marrakech – Ittihad Tanger ausverkauftes Haus erwartet wird. Kawkab spielt normal in einem großen Stadion relativ weit außerhalb was nicht besonders beliebt ist. Hier wird seit einigen Monaten der Rasen gemacht und so muß man ausweichen nach Agadir. Aber nicht heute, denn man hat (warum auch immer, hier geht alles...) die Genehmigung bekommen im alten Stadion El Harti zu spielen welches wiederum sehr beliebt ist. Dazu kommt eine der reisefreudigsten Fangruppen als Gast und wir wurden nicht enttäuscht... Bereits eine gute Stunde vor Anstoß war es ordentlich gefüllt und es gab schon gut was auf die Ohren. Schlußendlich waren es bestimmt 4000 Gäste aus Tanger und in punkto Lautstärke und Kreativität steckte man die Heimkurve locker in die Tasche. Absoluter Ohrenschmaus mit Melodien die man bei uns so nicht kennt, auch der Respekt den die Kurven untereinander aufbringen ist bei uns so leider undenkbar. Auf jeden Fall genügend Eindrücke und Erlebnisse, die abends beim gemeinsamen Bier besprochen werden mussten. Der abendliche Heimweg hatte dann auch seinen Reiz denn auf dem zentralen Platz konnte man nun vollends eintauchen in die Atmosphäre mit 1001 Nacht mit seinen Gauklern, Schlangenbeschwörern und einigen alten Frauen die einem aus der Hand lesen wollten. Aber ich kann eh kein arabisch...

Mit dem Zug nach Casablanca

Samstag früh hieß es dann früh raus aus den Federn und vor allem Abschied nehmen vom fast schon lieb gewonnenen Hotel in Marrakech, herzlich Willkommen auf der Zugfahrt nach Casablanca! Zugfahren ist hier ziemlich günstig, es gibt 2 Klassen, die 1. Klasse ist wenig teurer als die 2., aber man hat deutlich mehr Platz und auch eine Sitzplatz-Reservierung. Strategisch günstig wurde ein Hotel in Bahnhofsnähe reserviert weil heute zum einen 2 Spiele anstanden und zum anderen noch etwas Sightseeing gemacht werden sollte. Casablanca ist das wirtschaftliche Zentrum Marokkos aber hat nicht annähernd so viel Charme wie andere Städte und man ist ganz sicher enttäuscht, gerade wenn man gerade aus Marrakech kommt. Wenn man ein Flair erwartet wie es der Bogart-Film suggeriert ist man hier definitiv falsch. Anschauen sollte man sich aber in jedem Fall die Moschee Hassan II. in der Nähe des Hafens, die 3.größte Moschee der Welt. Diese hat eine Grundfläche von 200x100 Metern und bietet innen Platz für 25.000 Betende und draußen nochmal für weitere 80.000 Personen. Per Taxi ging es dann anschließend in den Vorort Bernoussi zum Spiel der 2. Liga zwischen Rachad Bernoussi und Olympic Marrakech. Dort traf man auch die Kollegen wieder, die per Auto angereist waren. Das Stadion war eine schöne sympathische Bruchbude mit etwa 1000 Zuschauern in dem wir recht schnell die Attraktion waren und ein Einheimischer uns auf Schritt und Tritt folgte. Der sprach sogar recht gut deutsch und konnte fast alle Stadtteile von Frankfurt aufzählen, war aber dann doch recht nervig. Zum Glück mussten wir zügig nach Abfiff weg weil abends noch das Spiel zwischen Raja Casablanca und Olympique Safi anstand. Karten hatten die Kollegen mittags schon geholt, so galt es nur einen passablen Parkplatz zu finden, was dann auch gelungen ist und rein ins Vergnügen. Das Stadion ist eine relativ große Schüssel ähnlich des Olympiastadions in München und war bei weitem nicht voll, aber trotzdem konnte die Kurve von Raja ihr Potenzial andeuten. Das Niveau vom gestrigen Spiel wurde natürlich bei weitem nicht erreicht, aber trotzdem gaben sich beide Gruppen Mühe sich bemerkbar zu machen, was auch erneut deutlich interessanter war als das Gebolze auf dem Rasen. Der Abend klang dann gemütlich bei einem ordentlichen Grillteller aus und es war auch schon die Zeit des Abschieds gekommen denn die beiden Schalker Kollegen traten morgen schon den Heimweg an.

Nach Fes zum Spiel Maghreb Fes gegen Wydad Casablanca

Für uns restlichen 3 hieß es erneut früh aufstehen und erneut Zugfahren, dieses Mal nach Fes zum Spiel zwischen Maghreb Fes und Wydad Casablanca. Fes ist Letzter und von Wydad wurden zwischen 5 und 10.000 Leutchen erwartet, mehr als genug Grund für uns den Weg anzutreten. Die beiden Kollegen hatten ein Ryad gemietet, eine Art Privatunterkunft und dort könne man problemlos mit mehreren Leuten übernachten. Nach der Ankunft am Bahnhof ging es per Taxi in die Nähe der Unterkunft. Alleine diese Fahrt hat mich schon für Fes begeistert... Alte Stadtmauer, viele Gassen, mindestens genauso viel Charme wie Marrakech. Auch dieses Mal war die Unterkunft ohne fremde Hilfe nicht zu finden, wir folgten unserem Guide bis dieser auf einmal verschwunden und wir aufgeschmissen waren. Allerdings stand der kurz danach mit unserer Vermieterin neben uns und diese ging dann mit uns die letzten Meter zur Unterkunft. Im 2. Stock eines Hinterhauses lag die Wohnung und alle Aktivitäten in der Wohnung wie z.B. Haare schneiden waren sofort beendet, alle verschwanden und wir hatten die Riesen-Bude mit 3 Zimmern für uns alleine. Der absolute Hammer, dort hätte man problemlos mit einer ganzen Fußball-Mannschaft einmarschieren können! Unsere Vermieterin besorgte uns dann noch ein Taxi zum Stadion für einen sehr geringen Festpreis obwohl der Fahrer sehr wenig Lust hatte dort hinzufahren weil a) weit außerhalb und b) Leerfahrt zurück. Am Stadion wurden wir auch recht schnell von Wydad-Leuten in Beschlag genommen die völlig begeistert über unser Erscheinen waren und mit uns Fotos machen wollten. Schwer sich dort loszueisen, aber der Ball ruft und wir konnten beste Plätze mittig auf der Haupttribüne einnehmen und waren kurz danach hin und weg. Aber nicht wie erwartet wegen Wydad, sondern was die Anhänger des Tabellenletzten auf den Rängen zauberten war der Hammer. Eine wahnsinnig aufwendige Choreo mit 2 quer durchs Stadion gespannten Schnüren an denen ein Bild hochgezogen wurde und eine teilweise brachiale Lautstärke. Das Spiel auf dem Rasen interessierte kaum noch, war aber auch nicht der Rede wert. 90 absolut kurzweilige Minuten die sicher noch länger im Gedächtnis bleiben, was auch ganz gut war, denn der Weg zurück war dann doch länger als erwartet. Aufgrund der Lage gabs dort kein Taxi, mehrere Straßen waren gesperrt und so ging es erstmal locker 15 Minuten zu Fuß Richtung Stadt mit einem Zwischenstop in einem Cafe und dann konnte endlich ein Taxi erwischt werden. Für mich war das Ende der Tour angebrochen, noch ein paar Schritte durch die wunderschöne Altstadt, ein paar marokkanische Köstlichkeiten und früh ins Bett. Der nächste Tag war mit Zugfahrt zurück nach Marrakech und Rückflug komplett verplant.

Der Länderpunkt Marokko war auf jeden Fall einer der beeindruckendsten in letzter Zeit und ich werde ganz sicher wiederkommen. Wer guten Fußball sehen will ist hier zwar völlig fehl am Platz, aber wer sich auch für das Drumherum begeistern kann ist hier goldrichtig!