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06.10.2015
Kategorie: flw24 around the world, TopNews, Aktuelles, flw24 intern
Von: Markus Kapitza

Der Balkan ruft - flw24 around the world


Foto: Choreographie von Roter Stern Belgrad

Foto: Auswärtsblock von Partizan Belgrad

Foto: Bengalomeer von Roter Stern Belgrad

Foto: Ausblick von der Burg auf die Donau

Nachdem es mich für meinen Sommerurlaub im letzten Jahr raus aus Europa nach Singapur und Bali verschlug, sollte dieses Jahr der Balkan unsicher gemacht werden. War es mir bisher nur vegönnt Spiele in Serbien und Kroatien zu sehen, sollten innerhalb von 2 Wochen noch die Länderpunkte Montenegro, Albanien und Mazedonien hinzukommen. Nachdem dann der Spielplan für Serbien veröffentlicht und das große Derby in Belgrad auf das Wochenende während unseres Aufenthaltes auf dem Balkan gelegt wurde, hatte man sein Leckerli gefunden und es konnte eine nette Tour zusammen gestrickt werden.

Per Flieger ging es zunächst über Wien nach Dubrovnik und von dort auf dem Landweg weiter nach Montenegro und Albaninen. Leider spielt auch der Fussballgott manchmal unfair und so gingen einen erst das Spiel in Montenegro und einen Tag darauf das anvisierte Spiel in Albaninen flöten. Aber so ist das nunmal, mal gewinnt man, mal verliert man. Immerhin konnte man sich so etwas ausführlicher Land und Leute anschauen und grade Montenegro wusste einen durchaus zu überzeugen. Nette Buchten, leckeres Essen und man hat der Einfachheit halber einfach mal den Euro als Landeswährung übernommen, sodass lästiges Tauschen von Devisen nicht nötig war.

Nach etwas Frust aufgrund der verpassten beiden Spiele konnte man mit dem "ewigen Klassiker" Mazedonien gegen Spanien noch ein neuer Länderpunkt auf der Habenseite verbuchen. Anschliessend ging es für unsere Reisegruppe für 2 Tagen am Ohridsee, bevor es eigentlich mit dem Nachtzug von Skopje nach Belgrad gehen sollte. Dies konnte dann aber nicht wie von uns erhofft als kleines Highlight unserer Tour abgehakt werden. Aufgrund des immer stärker werdenden Flüchtlingsstromes sind nahezu alle Kapazitäten auf Verkehrsmitteln gen Zentraleuropa ausgeschöpft. Da wir einen engen Zeitplan hatten, wollten wir es nicht riskieren ggf nicht in einen überfüllten Zug zu kommen. So wurde kurzerhand ein Flug von Skopje nach Belgrad gebucht. In aller Herrgottsfrühe ging es dann Samstag von Skopje nach Belgrad. Da ein früher Checkin in unser Appartment nicht möglich war, wurde noch ein wenig am Flughafen rumgegammelt. Mit dem Linienbus ging es dann gegen Mittag in die Stadt. Als wir dann am Busbahnhof von Belgrad ankamen, wurde einem das erste Mal das Ausmaß der Flüchtlingswelle bewusst. Eine genaue Anzahl konnte man schwer abschätzen, aber es dürften gut und gerne mindestens 1.000 Flüchtlinge am Belgrader Bahnhof gewesen sein, die dort auf eine Weiterreise warteten. Die Zustände waren entsprechend katastrophal. Hunderte Zelte, Schlafsäcke und Decken standen und lagen überall. Entsprechend roch es auch. Sanitäre Analgen waren fehlanzeige. Nachdem wir dann endlich unsere Bleibe beziehen konnten, wurde noch schnell der touristische Pflichtteil absolviert und die Burg besucht, von der man einen sehr schönen Blick auf die Donau und Belgrad hat. Ebenfalls kann man sich dort das Militärmuseum anschauen. Diverse große und kleine Kriegsgeräte sind ausgestellt, unter anderem einer von nur noch 2 vorhandenen Schienenwölfen, der einen meiner Mitreisenden in Verzückung versetzte.

Belgrader Derby

Nach kurzer Stärkung ging es per Taxi zeitnah in Richtung "Maracana", wie das Stadion von Roter Stern umgangsprachlich gerne genannt wird. Letztes Jahr konnte ich das Derby schon einmal im Stadion von Partzian, welches in direkter Nachbarschaft zum heutigen Schauplatz zu finden ist, sehen. Entsprechend groß war meine Vorfreude. Es gibt aktuell in Europa wohl nur wenig Spiele, die einen Stadionsammler so in Verzückung versetzen wie das Belgrader Derby. Wenn nicht gerade eine von beiden Seiten im Streik ist, ist Unterhaltung für Augen und Ohren nahezu garantiert. Dass das Spiel dabei selten von hoher Qualität ist, juckt einen dabei nicht wirklich. Nachdem wir unsere Plätze auf der Hautptribüne eingenommen hatten, konnten wir der Heimkurve schon beim vorbereiten der Choreo zusehen. Auch der Gästeblock füllte sich nach und nach immer mehr. Als eine knappe viertel Stunde vor Anpfiff beide Kurven gefüllt waren, die Heimseite schon mehrere geniale Gesänge ins weite Rund schickte und plötzlich diverse große Sporttaschen durch die Reihen gereicht wurden, war klar, auch hier wird heute wieder auf die Karte Pyrotechnik gesetzt. Was dann aber in den kommenden 90 Minuten auf beiden Seiten abgefackelt wurde, kann kaum in Worte gefasst werden. Die Delje, wie die Ultras der Heimseite genannt werden hatte zu Beginn des Spiels eine große Überziehfahne hochgezogen, auf der ein Löwe ein Zebra reißt. Das ganze wurde mit roten und weißen Schwenkfahnen an der Seite gut abgerundet. Dazu gab es einen ordentliche Portion Rauch und diverse einzelene Fackeln. Es dauerte dann bis zur 23. Minute bis es auf Seiten von Roter Stern das erste mal nicht brannte. Diese Pause dauerte dann aber auch nur 4 Minuten. Mit der Führung von Roter Stern explodierte das Stadion das erste Mal und in der Heimkurve leuchtete es an allen Ecken und Enden. Die Führung für Roter Stern war mehr als verdient. Auch nach dem 1:0 spielte eigentlich nur die Heimmannschaft weiter nach vorne. Umso überraschender war dann der Ausgleich für die Gäste kurz vor dem Pausenpfiff. Der Gästeblock war entsprechend gut am Ausrasten. Auch hier wurde nicht mit Pyro gegeizt. Im Gegenteil, es war meiner Meinung nach sogar nochmal mehr als beim 1:0 für Roter Stern. So ging es also mit einem 1:1 in die Pause. Kurz Luftholen und die überreizten Sinne wieder etwas runter fahren. Das bisher gesehene machte Lust auf mehr. Im Vergleich zum Derby im letzten Jahr konnte sogar das fussballerrische Niveau überzeugen. Kennt man sonst gar nicht so aus dem Ostblock ;-)

Nachdem die 2. Hälfte grade 5 Minuten alt war, ging Roter Stern erneut in Führung, was das Stadion wieder Kopf stehen ließ. Der Jubel und die Rauchschwaden waren noch nicht vollständig vollzogen, da schlug es erneut im Tor von Partizan ein. Das Stadion glich einem Tollhaus. Alles war aus dem Häuschen. Ob Jung oder Alt, jeder schrie und tanzte wie von Sinnen und schickte entsprechende "nette" Gesten und Gesänge in Richtung der Gäste. Diese nahmen das 3:1 als Anlass zunächst ein wenig den Gästeblock umzugestallten und anschliessend noch geordnet 20-30 Bengalen in vorderster Front abzubrennen. Dazu gab es immer wieder einzelne Spruchbänder, die ich aufgrund mangelnder Serbischkenntnisse leider nicht übersetzen konnte. Es schien zunächst so, als hätte Partizan nichts mehr entgegen zu setzen. Nachdem es dann ca 20 Minuten vor Schluss nochmal eine abartige Feuershow auf Seiten der Heimfans gab (ich schätze es waren mehr als 100 Bengalen), welche eine kurze Unterbrechung zur Folge hatte, kamen die Gäste aber doch nochmal auf. Leider waren Sie heute im Auslassen von Chancen ganz weit vorne. Auch wenn ich eher Sympathien für Roter Stern habe, hätte ich es doch gerne gesehen, wenn hier noch das 3:2 gefallen wäre und die Gäste so vielleicht nochmals eine Schippe drauf gelegt hätten. So blieb es am Ende beim verdienten 3:1 für die Rot-Weißen.

Sichtlich begeistert verließen wir den Ort des Geschehens und begaben uns auf den Heimweg. Die Dritte Partei an diesem Derbytag hatte soweit es für uns ersichtlich war alles im Griff und trennte bis weit in die Stadt hinein beide Fanlager. Es war trotzdem interessant zu beobachten, dass sich überall kleine Banden in Richtung ihrer jeweiligen Viertel machten. Fantrennung hörte spätestens da auf und es ist nicht auszuschliessen, dass es abseits der Hauptstraßen noch zu kleineren Auseinandersetzungen kam. Für uns ging es dann noch in ein paar Kneipen wo wir das erlebte bei diversen lokalen Bieren nochmals revue passieren lassen konnten. Nicht nur für mich war schnell klar, dass man hier nicht das letzte Mal gewesen ist. Am nächsten Tag ging es dann für uns weiter nach Zagreb und von dort per Mietwagen entlang der Küste zurück nach Dubrovnik. Kroatien konnte dann voll und ganz überzeugen. Tolle Landschaften, glasklares Wasser und zum Zeitpunkt unserer Reise schon nicht mehr ganz so von Touristenmassen überlaufen. Dazu mindestens 25 Grad und Sonne satt. So ließ es sich dann noch 5 Tage aushalten. Und das sogar ganz ohne Fussball…