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21.03.2018
Kategorie: Der Knappschaftskicker, Aktuelles
Von: Knappschaft - Dr. med. Friedrich Hölzl

Mannis anaerobe Schwelle und der Laktatwahn


Dr. med. Friedrich Hölzl, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und Aufnahmestation der Rhein-Maas Klinikum GmbH in Würselen.

Ausdauertraining steht bei den meisten Fußballvereinen noch einmal ganz oben im Programm, wenn sich Winter und Frost verzogen haben und der Spielbetrieb in die intensive Rückrunde einsteigt. Zumeist ist dann ein Salz in aller Munde: Das Laktat.

Es ist das Salz der Milchsäure, das bei unvollständiger Verbrennung von Glukose gebildet wird. Anfangs unter geringerer sportlicher Belastung entsteht in der aeroben Stoffwechsellage mit genügend Sauerstoff im wesentlichen Wasser und C02. Geht nun dem Sportler zunehmend die Puste aus, kommt es nach Übertreten der "anaeroben Schwelle" zu einer Anreicherung von Laktat. Man sagt ihm nach, es belaste den Körper und ermüde die Muskeln. Genau dort liegt in der Theorie die sog. Dauerleistungsgrenze. In der Idealvorstellung muss man nun einfach an dieser Grenze trainieren und kann damit die Ausdauer effektiv verbessern.

Klingt nach einer perfekten Lösung zur Optimierung und Kontrolle der Fitness vom Hobbyminigolfer bis zum Profifußballer.

Ballsicherheit kontra Blutkontrolle

Tatsächlich lesen wir jedes Jahr immer wieder, dass unsere Spitzenclubs ihr kostbares Personal zum Laktattest antreten lassen und immer mehr Breitensportler investieren lieber in Blutkontrollen als in ordentliche Sportschuhe. Dabei weiß man längst, dass die böse Säure zumindest im Rahmen von sportlicher Ertüchtigung nicht annähernd so gefährlich ist, wie seit Jahrzehnten behauptet und dass sie auch nicht für den schmerzhaften Muskelkater verantwortlich ist, wie es uns noch im Studium eingetrichtert wurde. Zudem ist die nahezu versehentlich und zufällig festgelegte übliche Laktat-Schwelle im  Blut von 4mmol pro Liter Blut heute nicht mehr uneingeschränkt haltbar.

Ohne Frage muss die Interpretation der Laktatwerte idealerweise individuell und im Kontext anderer Untersuchungen erfolgen. Insbesondere der Ausdauerleistungssportler kann dann davon profitieren und sein Training besser steuern.

Aber wie ist das mit Fußballern? Natürlich kann man für alle Spieler einer Mannschaft ein Laktatprofil unter unterschiedlichen Belastungen ermitteln und damit das Ausdauertraining anpassen und Verbesserungen dokumentieren. Das mag im Profigeschäft sinnvoll sein. Dann muss man aber auch für jeden Spieler und jede Position individuelle Grenzen und Ziele festlegen. Aber man wird davon sicherlich weder treffsicher, noch ballsicher noch ein Schwalbenkönig.

Fast müsste man ketzerisch fragen: Wieviel Ausdauer braucht so ein Fußballer überhaupt? Wer würde dem 5maligen Weltfußballer Lionel Messi vorwerfen, er müsse seine Laktatschwelle anheben? Nun kennen wir seine geheimen Fitnesswerte nicht, aber es ist durchaus bekannt, dass er in seinen Spielen kaum mehr als sein eigener Torwart läuft. Sechs bis acht Kilometer sind es in der Regel in den üblichen 90 Minuten.

Und was ist mit den Thekenfußballern des FC Bayern München? Der FCB ist in dieser Saison einer der lauffaulsten Clubs - und trotzdem nicht Tabellenletzter. Bestimmt wird an der Säbener Strasse nahezu täglich das Laktat bestimmt und auf den Punkt perfekt trainiert, denn Fitness und Ausdauer sind wertvolle Säulen des erfolgreichen Sportlers, aber eben nicht das ganze Fundament.

Fußball ist kein Dauerlauf

Der durchschnittliche Fußballer legt eine mittlere Sprintdistanz von 20 Metern hin. Kommt er da überhaupt in die furchtbare "anaerobe Stoffwechsellage"? Fußball besteht aus wiederkehrenden kurzen Belastungen und ist kein Dauerlauf. Außerdem hat jede Position auf dem Feld ein anderes Bewegungsprofil und damit völlig unterschiedliche Anforderungen an die Ausdauer des Spielers.

So berechtigt dennoch die moderne und individuelle Ausdauer- und Fitnessanalyse im Profibereich sein mag, so sehr stellt sich aber nun auch die Frage nach der Bedeutung für den Hobbyfußballspieler. Interessanterweise liegt die Laufstrecke von Amateuren nicht erheblich unter der von Profivereinen.

Hoher Aufwand garantiert keine bessere Platzierung

Dies zeigt, dass es eben nur sehr bedingt auf die Ausdauer ankommt. Natürlich gehört sie irgendwie zu den Grundlagen eines Leistungssportlers, aber im Amateurfußball würde mehr Ausdauerleistung eben vermutlich nicht relevant mehr Erfolg auf dem Platz bringen, vorausgesetzt die Spieler nehmen regelmäßig am Standardtraining teil, das natürlich gerade jetzt auch mehr Ausdauerkomponenten enthält und verfügen über eine stabile Basis. Oder besser: Der Aufwand einer professionellen, regelmäßigen und individuellen Messung, Interpretation der Werte und Anpassung des Trainings ist immens hoch und verspricht kaum ernsthaft einen besseren Tabellenplatz. Und mal ab und zu ein günstiger "Laktattest aus der Apotheke", wenn der neue Sponsor mal in was Besonderes für den sportlichen Erfolg investieren will, entlarvt höchsten diejenigen Spieler im Labor, die eh nie zum Training erscheinen.

Das weiß der Trainer im Zweifel sowieso und trotzdem darf der 130 Kilo  schwere Manni immer wieder mitspielen, weil er gerne mal aus 30 Metern einen Freistoß reinhämmert - auch ohne Training an der "anaeroben Grenze".