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Der NFL-Draft

American Football in Deutschland - das passte lange Zeit in etwa so gut zusammen wie Weißwürste mit Ketchup im tiefsten Bayern. Doch mittlerweile fristet der Sport, der in den Vereinigten Staaten neben Baseball, Basketball und Eishockey seit Jahrzehnten für frenetische Begeisterung sorgt, hierzulande nicht länger nur ein Schattendasein. Zwar liegt die Zahl der aktiven Sportler trotz prozentual immenser Steigerungen in den letzten Jahren absolut betrachtet immer noch auf sehr niedrigem Niveau, doch das Zuschauerinteresse an der NFL, der amerikanischen Profiliga, ist mittlerweile durchaus ein Faktor in der deutschen Fernsehlandschaft. Fast 1,5 Millionen Deutsche waren 2020 live dabei, als der Super Bowl im Fernsehen übertragen wurde - und das nicht etwa zur Prime Time, sondern um 0:30 in der Nacht von Sonntag auf Montag. Man kann also davon ausgehen, dass eine bessere Sendezeit in jedem Fall noch mehr Zuschauer angelockt hätte.

Was genau ist der Draft?

Um zu verstehen, wie das Draft-System funktioniert, muss man wissen, wie der Nachwuchssport in den USA geregelt ist. Während in Deutschland zahllose gemeinnützige Vereine mit ehrenamtlichen Trainern die jungen Sportler ausbilden, läuft das in den Vereinigten Staaten über den Schul- bzw. Hochschulsport. Die besten Sportler in Deutschland werden irgendwann von höherklassigen Teams entdeckt und mit dementsprechenden Verträgen ausstattet. Oft funktioniert dies in Kombination mit einer Schulausbildung in sogenannten Sportinternaten der Vereine. Unnötig zu erwähnen, dass in diesem System oft die finanzstärksten Vereine die Nase im Rennen um die vielversprechendsten Talente vorne haben. Genau dieser Punkt führte in den 30er Jahren in den USA zu einem Umdenken. Seitdem müssen sich die besten Spieler der College Teams, die die Ambition haben, Profisportler zu werden, für den jährlichen Draft anmelden. Dies ist die einzige Möglichkeit, seinen Traum vom Profisport zu verwirklichen.

Wie läuft der Draft ab?

Alle 32 Profiteams dürfen sich nach einer festgelegten Reihenfolge in 7 Runden die besten Spieler der vorangegangenen College Saison herauspicken. Die Besonderheit hierbei ist, dass den schwächsten Teams der Vorsaison hier die besten Bedingungen gewährt werden. Denn der Letztplatzierte hat die erste Wahl und der Gewinner des Superbowls ist erst ganz am Schluss an der Reihe. Durch diese Regelung soll ein Ausgleich zwischen den stärksten und schwächsten Teams der Liga hergestellt werden, um die Chancengleichheit und damit die Spannung zu erhalten. Davon leben natürlich auch Buchmacher wie Betway Sportwetten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieses System im Prinzip dem Sozialismus angelehnt ist und damit eigentlich ganz und gar nicht dem entspricht, wofür der Durchschnittsamerikaner einsteht.

Die Problematik des NFL-Drafts

Bei allen Vorteilen, die dieses System auf den ersten Blick bietet, ist es natürlich nachteilig für die Hauptakteure des Sports, nämlich die Spieler. Denn dadurch wird das Recht der freien Vertragswahl massiv eingeschränkt. Natürlich kann ein Spieler nicht gezwungen werden, gegen seinen Willen beim ungeliebten Verein aufzulaufen, aber die Alternativen sind rar. Wer dem System nicht folgt und sich für 4-5 Jahre an den draftenden Verein bindet, hat nur die Möglichkeit, ein Jahr auszusetzen und sich danach erneut zu bewerben, oder er lässt sich zu einem anderen Verein tauschen. In beiden Fällen hat er jedoch selbst nicht das Heft des Handelns in der Hand.