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Dem Schock folgt die Vision: Rockets wollen Zukunft planen

Abschlusstraining statt Finale. Foto: Nicole Baas

Der Sekt ist nicht getrocknet, er wurde nie verschüttet. Die Homepage ist nicht aktualisiert - statt einem erhofften „Regionalliga-Meister 2019/20“ wird da irgendwann „2019/20 - die Corona-Saison“ stehen. Eishockey spielt dieser Tage keine Rolle. Zumindest nicht im öffentlichen Leben. Solidarität ist das Wort dieses Frühjahrs. Wir halten die Luft an, nicht wissend, wie sich unsere Welt in den nächsten Wochen verändern wird. Und trotzdem versuchen nun alle, die Schockstarre abzulegen. Wir brauchen Ideen und Visionen. Es wird eine Zeit nach Corona geben. Bei den Rockets haben sie dieser Tage Podcast gehört. Nicht den eigenen, einen mit DEB-Vizepräsident Marc Hindelang. Der Blick richtet sich nach vorne. Weichen stellen kann man auch aus dem Homeoffice.

Wie geht es weiter? In meinem persönlichen Umfeld? In meiner Firma? Im Sport? Fragen gibt es viele, was fehlt, sind die Antworten. Bei der EG Diez-Limburg haben sie sich vor zwei Wochen aus der Saison verabschiedet. Nicht mit einem packenden Finale, sondern mit einem letzten gemeinsamen Training. Es wurde viel gelacht, es gab Bier, Trikots, Fotos. Und viele wehmütige Blicke ins weite Rund. Sie haben irgendwie zu Ende gebracht, was so ganz anders enden sollte. Selbst eine Final-Niederlage hätte sich besser angefühlt als ein Abschlusstraining ohne sportlichen Wert. Der Sport braucht Sieger, Emotionen, blutige Nasen und verschüttetes Bier auf verschwitzten Trikots.

„Wir haben viel Geld verloren“, sagt Willi Lotz, der dieser Tage nicht nur als Firmenchef gefordert ist. „Es gibt keinen Grund, sich aufgrund der finanziellen Ausfälle am Saisonende über den Fortbestand unserer Rockets Sorgen zu machen“, sagt das Vorstandsmitglied. „Aber wir haben nicht nur die beste Zeit der Saison, sondern mit Abstand auch die lukrativste verloren.“ In Diez und Limburg kämpfen sie darum, den Eishockeysport mit viel Einsatz und Herz wieder als Sportevent in der Region zu etablieren. Events waren bisher aber meist nur die Derbys – oder eben Finalspiele. In diesem Jahr hätte es beides in einer Serie gegeben – Finals und Derbys – doch dann kam Corona.

„Das hat in vielerlei Hinsicht weh getan. Nicht nur mir, sondern auch allen anderen Vorstandsmitgliedern, ehrenamtlichen Helfern, dem Trainer, der Mannschaft und natürlich vor allem unseren Fans“, sagt Lotz. „Dieses Frühjahr 2020 bleibt für uns alle unwirklich, auch heute noch. Wir haben eine Herausforderung zu meistern, die wir nur gemeinsam stemmen können und die so viel größer ist als Eishockey. Und trotzdem gehört Eishockey zu unserem Leben einfach dazu. Wir müssen jetzt nach vorne blicken und weitermachen.“

Wie die Liga in der neuen Saison aussehen könnte, darüber wurde schon einige Male gesprochen – unter anderem auf Tagungen des Verbands mit den Vereinen. Die jüngste Sitzung fand nicht mehr statt – Corona kam dazwischen. „Wir wünschen uns eine attraktive Liga und sind in viele Richtungen offen. Wir wollen aber auch keinen Weg gehen, der uns als Verein gefährden könnte. Wir brauchen bei aller Lust auf tolles Eishockey den Blick für das große Ganze.“

Mut machte dieser Tage eine Podcast-Folge von „Shorthanded News“, zu Gast war DEB-Vizepräsident Marc Hindelang. „Wenn wir in der Oberliga Nord eine Lösung finden, bei der wir die Teams der Regionalliga West mit einbinden können, würde ich das sehr begrüßen.“ Hindelang spricht da im Speziellen von einigen „herrenlosen“ Vereinen, meint damit die ambitionierten Teams aus Herford, Hamm, Neuwied und Diez-Limburg, die allesamt auf der Suche sind nach der richtigen Lösung für ihre Ambitionen. Eine Regionalliga West in der Form der vergangenen Saison mit nur sieben Teams und einem großen Leistungsgefälle? Das wünscht sich keiner! Ein finanzielles Risiko, in dem alle blind in die Oberliga marschieren (wenn sie denn dürften)? Das will auch keiner!

Ein Vorschlag aus der Hammer Fanszene, der zuvor bereits auch an anderer Stelle viel diskutiert wurde, findet sich auch in den Gedankenspielen von Marc Hindelang wieder. Eine Oberliga Nord, in der neben den bisherigen Teams auch die vier Regionalligisten mit dabei sein könnten. Die Idee: Den Norden in zwei regionale Gruppen unterteilen (im Westen und im echten Norden). Regionale Vorrunde, danach Verzahnung. „Vielleicht käme das auch manchem Verein aus der Oberliga Nord ganz gelegen nach dem Wegfall der Play-offs und den damit verbundenen finanziellen Verlusten“, sagt Hindelang im Shorthanded News-Podcast. „Es ist eine Anfangsidee. Und für mich die beste Lösung.“

Bei den Rockets finden sie diesen Ansatz sympathisch. Es ist ein Lichtblick in diesen schwierigen Zeiten. Es könnte eine finanziell und vom Aufwand her stemmbare Lösung sein. Es wäre attraktiv. Es wäre noch immer ein Abenteuer. Aber es wäre kalkulierbarer. Und allemal eine bessere Lösung als eine Liga mit sechs, sieben Teams und am Ende acht bis zehn Partien (inklusive Zwischenrunde und Playoffs) gegen die gleichen Gegner. „Wir würden, wenn das konkret wird, ganz klar sagen: Das könnten wir uns vorstellen!“ Und die anderen? Das sind nicht nur die ambitionierten Regionalligisten. Es wären vor allem auch die etablierten Oberligisten aus dem Norden. Die müssten schließlich einverstanden sein damit, dass ein paar neue Untermieter einziehen.

Solange keine Klarheit herrscht, wie es wirklich weitergeht, werden die Rockets zwar weitere (Vor)Gespräche mit Spielern führen, aber vorerst ihre Entscheidungen von der weiteren Entwicklung abhängig machen. Mit Alexander Seifert und Kapitän Kevin Lavallee hatten zwei Akteure ohnehin langfristige Verträge und stehen weiter im EGDL-Kader. Alles weitere werden die nächsten Wochen zeigen. Auch wenn Corona das ganze Land lähmt, hilft der Glaube daran, dass im September oder Oktober wieder die Eishallen ihre Tore öffnen. Das zu schaffen muss das erste große Ziel sein. Dann in einer attraktiven Liga am Start zu sein ist das nächste. Mögen aus Planspielen schon bald konkrete Gespräche und Planungen werden. Die Rockets säßen mit am Tisch!