Anzeige

FLW24 - Interview mit Mario Verazzo: "Ich war das Mädchen für alles..."

FLW24 setzt hiermit die Interview-Serie mit aktiven und ehemaligen Fußballern, Funktionären, Fans und Gönnern aus der Region Limburg-Weilburg im Rahmen eines großen Interviews rund um die schönste Nebensache der Welt fort.

Zuletzt sprachen wir mit Mario Verazzo, den viele von Euch sicherlich noch aus seiner Funktion als „Teammanager“ beim Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar kennen.

Mario Verazzo war Teammanager beim SV Rot-Weiss Hadamar

Mario Verazzo während seiner Teammanagertätigkeit in Hadamar.

Mario Verazzo - FORZA NAPOLI

Mario Verazzo ist glühender Anhänger des SSC Neapel.

Verazzo spielte in der Jugend bereits für Hadamar

Verazzo spielte in der Jugend bereits für Hadamar.

FLW24 setzt hiermit die Interview-Serie mit aktiven und ehemaligen Fußballern, Funktionären, Fans und Gönnern aus der Region Limburg-Weilburg im Rahmen eines großen Interviews rund um die schönste Nebensache der Welt fort.

Zuletzt sprachen wir mit Mario Verazzo, den viele von Euch sicherlich noch aus seiner Funktion als „Teammanager“ beim Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar kennen.

Aber Mario war auch ein guter Kicker, spielte schon in der Jugend überkreislich, war als Aktiver ein technisch starker Stratege und später sogar als Spielertrainer unterwegs.

Sein Fußballer-Herz schlägt neben dem Team aus der Fürstenstadt übrigens für die SSC Napoli.

Wir blicken mit Mario zurück – und erfahren dabei so allerhand aus dem Nähkästchen…

FLW24: Mario, zu Beginn möchten wir auch von Dir wissen: Geht es Dir persönlich gut, bist Du gesund oder hat Dir die Coronavirus-Pandemie persönlich oder im familiären Umfeld zugesetzt?

MARIO VERAZZO: Mir persönlich geht es gut. Ich bin 40 Jahre, topfit und habe keinen Bierbauch. Auch in meinem familiären Umfeld gibt es glücklicherweise keine Personen, die gesundheitlich von der Coronavirus-Pandemie betroffen sind.

FLW24: Wir möchten auch mit Dir eine kleine Fußball-Zeitreise machen, auf Deine fußballerische Laufbahn im FLW24-Land blicken. Lass uns mal beginnen…

MARIO VERAZZO: Begonnen hat alles am 18. Oktober 1986. Auf diesen Tag ist mein erster Pass bei der SpVgg Hadamar ausgestellt. Bis zur C-Jugend habe ich dann für die SpVgg gekickt, im Anschluss in einer Jugendspielgemeinschaft mit Elz und Niederhadamar. Auf Kreis- und Bezirksebene haben wir viele Titel gewonnen. Zu meinen damaligen Mitspielern zählten u.a. Sebastian Stahl (der später die Fußballschuhe für Eisbachtal, Wirges und Würges schnürte), Dirk Meudt, Daniel Fonzo (bis zuletzt SG Heringen/Mensfelden), Francesco Capricano (später u.a. Spielertrainer beim SV Wilsenroth) sowie mein Freund Thomas Fritz, der mittlerweile sogar Patenonkel meiner Kinder ist.

Zu Beginn des zweiten B-Jugend-Jahres bin ich dann gemeinsam mit Francesco Capricano nach Rheinland-Pfalz zum VfL Freiendiez gewechselt, die damals in der Landesliga spielten. Dort habe ich dann u.a. auch mit Guiseppe Ferlita und dem ehemaligen Bundesliga-Referee Markus Wingenbach, der auch für den TuS Mensfelden aktiv war, gespielt. Wir spielten da gegen Teams aus Koblenz, Engers, Eisbachtal und Co. - aber nach wenigen Monaten habe ich die Lust verloren und eine fußballerische Pause eingelegt.

FLW24: Und wie ging es dann weiter? Wie kam es dazu, dass Du wieder gespielt hast?

MARIO VERAZZO: Das ist eine lustige Geschichte. Ich war damals mit meinem Roller morgens auf dem Weg in die Berufsschule und musste tanken. In Elz an der Tankstelle traf ich dann Adem Bülbül, der seinerzeit die 1. Mannschaft der SpVgg Hadamar trainierte. Er sprach mich an, dass ich doch mal im Training der 1. Mannschaft vorbeischauen sollte… - den ganzen Tag habe ich damals darüber nachgedacht und bin dann abends auf den Sportplatz. Seither bin ich wieder „Fürstenstädter“.

Ich habe dann immer, als A-Jugendspieler, bei den Senioren mittrainiert - aber noch in der A-Jugend unter Trainer Bülent Ekrek gespielt.

FLW24: Wie weit hast Du es auf Auswahlebene gepackt? Und welcher Spieler war dein fußballerisches Idol in der Kindheit?   

MARIO VERAZZO: Im ersten B-Jugendjahr hat mich Reinhold Fanz, der später u.a. Bundesliga-Trainer von Eintracht Frankfurt wurde, für den Hessenauswahl-Kader berufen. Zu einem Einsatz kam es aber leider nicht.

Als Deutscher mit süditalienischen Wurzeln, der für den SSC Neapel schwärmt, war mein fußballerisches Idol immer Diego Maradona. Ende der 1980er Jahre hatte der Verein seine „goldenen Jahre“. Zum Team zählten damals u.a. der Argentinier Maradona, die Brasilianer Careca und Alemao, Ciro Ferrara in der Verteidigung und der italienische Stürmer Bruno Giordano in der Offensive. Man feierte 1986/1987 die italienische Meisterschaft und den Pokalsieg sowie 1989/1990 erneut die italienische Meisterschaft, den Supercup sowie den Gewinn des UEFA-Cups gegen den VfB Stuttgart, mit Buchwald, Gaudino und Klinsmann.

FLW24: Seit der A-Jugend bist Du also wieder zurück im Fußballkreis Limburg-Weilburg und seither für Hadamar aktiv?

MARIO VERAZZO: Ja, das stimmt. Seither bin ich wieder in Hadamar und habe den Verein nie verlassen. Zusammengespielt habe ich unter anderem mit Jens Schüler, Dimitrios Tsiobanidis, Alexander Maurer, Dirk Henkes, Heiko Weidenfeller, Peter Steinebach, Kai Tillmann, Christopher Strauch, Andreas Fink, Andreas Immel und Torsten Kierdorf – um nur einige zu nennen, mehr als Kreisliga-Legenden sozusagen.

FLW24: Du hast B-Liga, A-Liga, Kreisoberliga und Gruppenliga Wiesbaden gespielt, hast Einsätze in der Pokalrunde der Verbandsliga Hessen zu verzeichnen und sogar eine Nominierung für den Hessenliga-Kader gehabt und Dich trotz Deiner eher kleinen Körpergröße stets behauptet und viele Tore erzielt.

MARIO VERAZZO: Ja, ich war ein gefürchtetes Kopfballungeheuer. (lacht). Nein im Ernst, ich bin zwar klein - habe aber eine gute Sprungkraft und ein gutes Timing. Ich habe zudem wohl eine ganz gute Technik und hab die entsprechend eingesetzt. Zudem sagt man mir nach, dass ich recht flink unterwegs war und habe daher auch Einsätze in den genannten Ligen.

Stolz bin ich, dass mich mein damaliger Trainer Walter Reitz an Ostern 2012 für das Auswärtsspiel in Flieden für den Hessenliga-Kader nominiert hat. Eingesetzt wurde ich aber leider nicht.

FLW24: Zähl doch mal kurz auf, wer alles zu Deinen Trainern zählte und wer war denn Deiner Meinung nach der fachlich beste Coach?

MARIO VERAZZO: Trainiert wurde ich u.a. von Bülent Ekrek und Peter Schmidt in der Jugend. In den Senioren zählten dann Erwin Bill, Klaus Klink, Jörg Fritz, Adem Bülbül, Thomas Meuer, Andreas Schuy, Markus Immel, Willi Behr, Heiko Weidenfeller und Walter Reitz zu meinen Trainern.

Persönlich habe ich von allen profitiert. Toll war es mit Andy Schuy, der auf mich gesetzt hat, mich gefordert und gefördert hat.

FLW24: In der Saison 2010/2011 wurdest Du dann Spielertrainer der SpVgg Hadamar II in der B-Klasse. Gib uns mal einen Einblick – wie das damals war… - und wie warst Du als Trainer? Distanziert und autoritär oder eher der Kumpeltyp mit Stärken in der dritten Halbzeit?

MARIO VERAZZO: Gemeinsam mit Martin Klink übernahm ich im Winter der Saison 2010/2011 die zweite Mannschaft der SpVgg Hadamar in der B-Liga von Erwin Bill. Die 1. Mannschaft der SpVgg spielte damals im ersten Jahr Hessenliga und kämpfte gegen den Abstieg.

Bei der 2. Mannschaft gab es Auflösungserscheinungen, was bei einer Abmeldung wiederum darin gemündet wäre, dass der 1. Mannschaft Punkte abgezogen worden wären.

Glücklicherweise konnten Martin Klink und ich im ersten Training dank großem Engagement dann rund 20 Spieler begrüßen.

Als Trainertyp denke ich, war ich eher der autoritäre und dominante Typ - aber das sollen besser andere beurteilen.

FLW24: Dann kam zum 1. Juli 2012 die Fusion zwischen dem SC Niederhadamar und dem SV RW Hadamar. Welche Auswirkungen hatte das für Dich als Trainer?

MARIO VERAZZO: Zuvor gelang uns im Sommer 2012 mit der zweiten Mannschaft  noch der Aufstieg von der B-Liga in die A-Liga Limburg-Weilburg - ein toller Erfolg.

Nach der Fusion stellte der SV Rot-Weiss Hadamar dann drei Teams. Die 1. Mannschaft spielte Hessenliga, die 2. Mannschaft Gruppenliga Wiesbaden und die 3. Mannschaft, die weiterhin Martin Klink und ich betreuten, A-Liga Limburg-Weilburg.

Meiner Meinung nach gelang uns auf sensationelle Art und Weise mit der damals neuen Truppe der Klassenerhalt.

FLW24: Und ein Jahr später hattest Du dann eine neue Funktion. Kann man das so sagen? Du wurdest zum „Teammanager“ des Hessenligisten. Was kann man sich darunter vorstellen?

MARIO VERAZZOJa, auch das ist korrekt - ich bin dann Teammanager der ersten Mannschaft geworden.

Zu meinen Aufgaben zählten dann vielfältige Tätigkeiten… - im Grunde genommen ging es darum, den Spielbetrieb zu organisieren. Dazu zählten das Sortieren von Pässen, die Ein- und Freigabe vom elektronischen Spielbericht, die Organisation und Koordination der Busfahrten zu Auswärtsspielen, die Verköstigung der Mannschaft bei Heimspielen, Trikotabstimmung und Organisation mit dem Gegner und so weiter… - auch für die Spieler und den Trainer war ich Ansprechpartner.

Ich habe viel gelesen und beispielsweise Berichte der nordhessischen Teams zusammengetragen.

Im Kern kann man sagen war ich das „Mädchen für Alles“.

FLW24: Auch Deinen Neffen Giulio hast Du integriert, korrekt ?

MARIO VERAZZO: Genau, Giulio war schon in jungen Jahren immer mit dabei und war mein Assistent. Er hat alles mit mir gemeinsam gemacht.

FLW24: Blickt man zurück auf Deine Jahre in der Hessenliga – kann man sagen, dass Du im ganzen Bundesland Hessen bekannt bist wie der berühmte „bunte Hund“?

MARIO VERAZZO: Naja, so würde ich es nicht beschreiben. Aber in den Spielstätten der Hessenliga bin ich bekannt. Und es freut mich natürlich, wenn ich an meinem Geburtstag viele Anrufe und Gratulationen bekomme, auch von Vereinsvertretern aus Fulda oder Kassel.

FLW24: Die andere Seite der Medaille ist, dass Du viel Zeit investiert hast – da braucht man eine verständnisvolle Ehefrau, nicht wahr?

MARIO VERAZZO: *schmunzelt* Auf jeden Fall! Meine Frau ist die Beste. Sie hat mich in meiner Tätigkeit stets voll unterstützt und immer den Rücken frei gehalten - auch mit zwei Kindern. DANKE!

Mein Heiratsantrag fand übrigens im Zuge der Aufstiegsfeier 2012 statt - Fußball hat also schon damals eine große Rolle in unserem Leben gespielt.

FLW24: Was waren die sportlichen Höhepunkte während Deiner Teammanagertätigkeit?

MARIO VERAZZO: Zweifelsfrei das Hessenpokalfinale 2017 in Wiesbaden gegen den SV Wehen Wiesbaden, dass erst im Elfmeterschießen verloren wurde und live im TV übertragen wurde. Trainer war damals übrigens Florian Dempewolf.

FLW24: Du hast in dieser Tätigkeit zahlreiche bekannte und geschätzte Trainer kennengelernt wie Walter Reitz, Florian Dempewolf, Torsten Kierdorf und zuletzt Stefan Kühne. Welchen Coach stellst Du persönlich besonders heraus?

MARIO VERAZZO: Herausstellen möchte ich niemanden, da jeder seine Stärken und Qualitäten hat. Mein bestes Verhältnis bestand zu Torsten Kierdorf, mit dem ich aber auch noch persönlich zusammengespielt habe.

FLW24: Zudem hast Du in all den Jahren unglaublich viele gute Kicker kennengelernt – wer war denn Deiner Meinung nach derjenige mit dem größten Talent?

MARIO VERAZZO: Eine richtige Granate ist und war Khaibar Amani. Er spielte in der Saison 2014/2015 für Hadamar und war afghanischer Nationalspieler, der entsprechend auch abgestellt werden musste. Er kam aus der Jugend von Mainz 05 und spielte später für Hessen Dreieich.

FLW24: Wenn man auf die Spielerliste schaut, hat das „who is who“ vom FLW24-Land in Hadamar gespielt. U.a. trugen Schwarz, Kuzcok, Tahiri, Strauch, Vorschneider, Wilk, Heene, Wilhelmy, Gros, Moritz, Burggraf, Bangert, Merfels und viele weitere Akteure das  rot-weisse Trikot. Nenn uns doch mal bitte Deine persönliche Top 11?

MARIO VERAZZO: Das ist echt eine schwierige Frage. Vorab - diejenigen, die ich hier nicht nenne, haben mich dennoch persönlich überzeugt. Aber folgende 11 Spieler würde ich wählen: Strauch, Schraut, Böcher, Kuczok, Horz, Herdering, Haubrich, Decise, Bangert, Moritz und Burggraf.

FLW24: Zum Abschluss erzähl doch mal aus dem Nähkästchen. Uns wurde von legendären Auswärtsfahren und Rückreisen mit dem Bus berichtet. Wie war das so?

MARIO VERAZZO: Ja, das war so. Wir hatten überragende Rückfahrten mit reichlich Gerstensaft nach richtig dreckigen Siegen oder Punktgewinnen aus Kassel, Fulda oder Alzenau.

FLW24: Und gab es denn nie den Wunsch nach einem Vereinswechsel oder Anfragen anderer Vereine?

MARIO VERAZZO: Doch natürlich, die Anfragen waren da. Aber irgendwie immer zum falschen Zeitpunkt. So bin ich Hadamar treu geblieben.

FLW24: Schauen wir nochmal kurz gen Italien. Du bist glühender Anhänger der SSC Napoli. Deine persönliche Einschätzung: Gelingt es dem Verein Juventus Turin die zehnte Meisterschaft in Serie zu entreisen?

MARIO VERAZZO: Ich hoffe es - aber ich denke ehrlich gesagt eher nicht.

FLW24: Abschließend der Blick in die Gegenwart und Zukunft: Sieht man den Trainer, Teammanager oder Betreuer Mario Verazzo in den nächsten Jahren wieder an der Linie oder gar auf der Trainerbank?

MARIO VERAZZO: Mit Sicherheit. Ich bekomme viele Anfragen - von der B-Liga über die Regionalliga bis zur Junioren-Bundesliga ist alles mit dabei.

Aber derzeit konzentriere ich mich auf meine Tätigkeit und Aufgabe als G-Junioren - Trainer (Bambinis) in Hadamar und die fußballerische Ausbildung meines Sohnes.

FLW24: Mario, wir danken Dir für das tolle Interview, Deine Zeit und wünschen Dir und Deiner Familie für die Zukunft Gesundheit und alles Gute.

 

Bildquelle: Mario Verazzo - privat