Titelbild FLW24 - Fußball Limburg-Weilburg

Anzeige

Der TUS hat drei verdiente Speckröllchen mehr - Wörsdörfer-Elf siegt in Hanau

Der Bärenstarke Maximilian "Zucker" Zuckrigl brachte sehr früh den Tus auf die Siegerstraße. Foto: Dominik Groß

1. Hanauer FC - TUS Dietkirchen 0:2 (0:2)

Es gibt besonders während der noch jungen Saison Spiele, wo man „einfach durch muss“, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, wo ein Sieg eine Mannschaft nach oben spült und eine Niederlage einem den ängstigenden Abstiegsgeruch in die Nase treibt, wo man sich Speckröllchen in Form von Punkten für schlechtere Zeiten anfuttern kann. Nach dem Spiel hatte der TUS drei verdiente Speckröllchen mehr und sieht jetzt fast schon so aus wie der Gallier Obelix, falls Sie von dem schon mal was gehört haben sollten, aber mit ganz flotten Beinchen.

Das Spiel hatte eigentlich noch gar nicht angefangen, da stand es schon 0:1 für den TUS (2.Min).

Eine Flanke von rechts in die Mitte setzte der seit Wochen bärenstarke Zuckrigl mit einem seitlichen Volleydreher in die Maschen des FC. Wenn Sie mit einem Strohhalm eine Flüssigkeit hin und her umrühren, ist das ungefähr so als ob sie Zuckrigl beim Spielen zugucken würden. Er mischt die gegnerischen Mannschaften eine nach der anderen auf. 

Kaum waren die ersten unbescheidenen Gedanken an „13 Punkte nach 7 Spielen“ aufgeflammt, kam schon die Bestätigung: Leukel wurde rechts freigespielt und lief kurz Richtung Tor, das Torwart Brao viel zu früh verließ. Geschickter weiter Heber aus 20 Metern in Kombination mit abgezockter Seelenruhe und es stand nach 13 Minuten 0:2. Bei den TUS Anhängern drang schon Engelsgesang „oh wie schööön“ ins Ohr und man ertappte sich bei Hochrechnungen, wie es nach 90 Minuten stehen könnte. Die Chancen auf Erhöhung waren auch für Schaefer da, alles sah so leicht aus. Scheinbar platzte Trainer Michael Fink der Kragen, denn bereits nach 20 (!) Minuten, dass ist Höchststrafe für einen Spieler, wechselte er Carvalho für Purcell ein und kaum später (34.) Arslan für Bulut. In der Pressekonferenz sprach er sogar von 7 oder 8 Spielern, die er zum Einwechseln benötigte hätte, weil fast die gesamte Mannschaft Zweikampfstärke, als absolutes Muss für einen Sieg, vermissen ließ. Tatsächlich erhöhte sich kurzfristig im letzten Drittel der 1. Halbzeit der Druck auf den TUS und man musste wiederholt die Luft anhalten, auch wegen des nassen glitschigen Balles. In der 35. drückte Damar den immer länger werdenden Ball aus kürzester Entfernung rechts am fast leeren Tor vorbei, vermutlich wegen Schutzengeln, die Anhänger des TUS sein müssen.

Auch in der 64. Minute, als ein Tor von Franz wegen vorangegangenem scheinbaren Abseits eines Mitspielers nicht gegeben wurde. Insgesamt aber war die überlegene Bissigkeit des TUS über große Strecken des Spieles unübersehbar, das Nachsetzen und sich Hineinwerfen in die Bälle des Gegners tadellos, eine Augenweide. In der 72. Minute testete Uenal aus 20 Metern, ob Laux mittlerweile schon eingeschlafen war. Nein! Stellen Sie sich die Spannkraft einer schweren Armbrust vor, die sich entlädt, dann können Sie sich Laux Parade annähernd vorstellen.

In der 82. Minute dann gefühlte 5 Schüsse in Sekunden aus kürzester Entfernung, die alle in Hanauer Abwehrspielern hängen blieben. Ein Tor wollte nicht mehr fallen, auch nicht auf der Gegenseite als Laux ein Freistoß mittig in Nähe des 16ers an der 8 Mann-Mauer vorbei gegen die Fäuste gedonnert wurde.

Ein glatter, verdienter, ungefährdeter Auswärtssieg in Augen beider Trainer. Ohne hochnäsig zu wirken: die Siege des TUS in dieser Saison sind bis jetzt kein Zufall, sondern Ergebnis sehr überzeugender Mannschaftsleistung und gelungener Mischung aus Organisation und dem Spiel Luft für Kreativität und helfendem Zufall lassen.  Die beeindruckende Spielintelligenz der ganzen Mannschaft ist mehr als die Summe der einzelnen Spieler und das ist magisch.

Man munkelt, dass bereits zwei gallischen Soldaten geben soll, denen der Erfolg in den Kopf gestiegen ist und die mit weißen, also edlen Pferden, die einen Stern als Brandzeichen auf dem Hinterteil prangen haben, zur Arbeit galoppieren. Falls sie demnächst auch noch wie Boateng Modekollektionen entwerfen sollten, müsste der Dorfälteste Sie vll. zum „beratenden väterlichen Gespräch“ einladen. Andererseits: waren wir nicht alle mal jung und verwegen? Ja!

Noch ein Wort zu den Auswechselspielern, denen man manchmal in den Augen auch nach einem Sieg die Enttäuschung ansehen kann: jeder kriegt seine Zeit, wenn sie reif ist. Man muss nur warten können. Jeder hat seinen Wert für die Mannschaft. Die Möglichkeit, ein Spiel zu drehen, steckt nicht selten in einer Auswechselung. Man kann wetten, dass z.B. Granja, der übrigens gefühlt nie vom TUS weg war, also deshalb auch kein richtiger Neuzugang ist, seinen big-point machen wird, oder Dietrich oder... Und auch ihr gehört jetzt schon auf Eurer Spielposition zu den 1000 Besten in ganz Deutschland! Rechnet es nach!

1. Hanauer FC: Brao, Ries, Bulut (34.Arslan), Bari, Damar( 72.Bejic), Fink, Muratoglu, Uenal, Gavric, Purcell (20.Carvalho), Franz.

TUS Dietkirchen: Laux, Nickmann, Hautzel, Kratz (81.Böcher), Leukel, Müller (84. Granja), Zuckrigl, Schaefer (89.Stahl), P.Schmitt, Bergs, Kuczok.

Tore: 0:1 Maximilian Zuckrigl (2.), 0:2 Dennis Leukel (13.).

Schiedsrichter: Dominik Fober.

Zuschauer: 110.