Die deutschen Fußballerinnen stehen vor einem echten Prüfstein: Im EM-Halbfinale trifft das Team am Mittwochabend in Zürich auf Spanien. Nach zwei kräftezehrenden Spielen in Unterzahl wollen die DFB-Frauen dieses Mal voller Elan und in voller Besetzung kämpfen. Während der Gegner mit seiner Spielweise alles abverlangen wird, setzen die Deutschen auf ihre mentalen und taktischen Stärken. Es ist ein Aufeinandertreffen zweier sehr starker Mannschaften – Spannung pur ist garantiert. Die große Frage lautet: Kann Deutschland die Serie gegen Spanien fortsetzen und ins Finale einziehen?
Deutschland - Spanien
(Mittwoch, 23. Juli 2025 - 21:00 Uhr)
Kampf und taktische Finesse: Die deutsche Marschroute für das Halbfinale
Bundestrainer Christian Wück ist sich bewusst, dass das Spiel gegen Spanien eine enorme Herausforderung wird. „Wir werden viel hinterherlaufen und viel leiden müssen“, sagte er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Das spanische Team setzt, ähnlich wie die Männerauswahl, auf das berühmte „Tiki-Taka“ – eine präzise und flüssige Ballzirkulation, die den Gegner zu Fehlern zwingen soll. Wück erwartet daher ein Spiel, in dem seine Mannschaft viel Laufarbeit leisten muss, um die Spanierinnen unter Druck zu setzen.
Trotzdem ist er zuversichtlich, dass seine Mannschaft dieses Mal nicht wieder in Unterzahl gerät, was in den letzten beiden Spielen große Probleme bereitete. „Das wird der große Unterschied sein“, so Wück. Denn in Ballbesitz will das deutsche Team die eigenen Stärken ausspielen. „Wir müssen die richtigen Momente abwarten und nutzen, um unser Spiel durchzusetzen.“ Die Grundlagen für diesen Plan bilden die jüngsten Spiele, insbesondere der Sieg im nervenaufreibenden Viertelfinale gegen Frankreich, das für die Mannschaft zu einem regelrechten Kraftakt wurde.
Nationalspielerin Rebecca Knaak brachte es auf den Punkt: „Die Leistung gegen Frankreich war ein perfektes Beispiel für Leidenschaft, Kampf, Willen und Geschlossenheit.“ Genau diese Eigenschaften will das Team auch gegen Spanien wieder abrufen.
Almuth Schult, die erfahrene Torhüterin und Expertin der Sportschau, hofft, dass die Euphorie und der Teamgeist aus dem Viertelfinale weiterhin tragen. „Ich würde es mir natürlich wünschen, dass die Deutschen es schaffen. Aber es kann auch genauso andersrum ausgehen“, so Schult. Sie hebt vor allem die Bedeutung einer stabilen Defensive hervor: „Wenn wir in der ersten halben Stunde defensiv so kompakt und gemeinschaftlich agieren wie gegen Frankreich, ist das die Basis für den Erfolg.“
Auch die Mittelfeldspielerin Lena Oberdorf, die aufgrund einer Verletzung nicht mitspielen kann, lobt die Mentalität der Mannschaft: „Wir müssen uns in jeden Zweikampf reinknallen.“ Für sie ist klar, dass das Team den absoluten Willen zeigen muss, um zu bestehen.
Historie, Rivalität und mentale Vorbereitung: Das Duell der Giganten
Die Bilanz zwischen Deutschland und Spanien ist fast makellos – und genau das macht das kommende Spiel so spannend. In acht Aufeinandertreffen konnten die DFB-Frauen fünfmal als Siegerinnen vom Platz gehen, drei Partien endeten unentschieden. Der letzte Erfolg liegt dabei noch gar nicht so lange zurück: Bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr setzte sich Deutschland mit 1:0 durch und sicherte sich die Bronzemedaille.
Diese statistische Überlegenheit ist auch in Spanien ein Thema. Dort wird die deutsche Mannschaft als starke Hürde wahrgenommen, die es zu überwinden gilt. Die spanische Kapitänin Alexia Putellas betont jedoch, dass die aktuelle EM für ihr Team eine neue Geschichte schreiben soll. „Wir wollen Deutschland zum ersten Mal schlagen und erstmals ins EM-Finale einziehen“, sagt die Mittelfeldspielerin selbstbewusst.
Die Spanierinnen sind hochmotiviert und haben sich mit Geheimtrainings auf die Partie vorbereitet. Besonders gespannt sind sie auf das Duell mit der deutschen Torhüterin Ann-Katrin Berger. „Sie wird uns ans Limit bringen – und das mögen wir“, sagt Putellas. Berger wurde zuletzt von Trainer Montse Tomé als „unglaublich“ gelobt, was die Qualität der deutschen Defensive unterstreicht.
Dennoch mahnt die spanische Trainerin zur Vorsicht: „Deutschland bleibt eben Deutschland.“ Trotz ihrer eigenen starken Leistungen sieht Tomé den Gegner weiterhin als Maßstab. „Unsere Mannschaft war schon immer talentiert, aber sie ist auch gereift. Wir sind frisch und bereit für das Halbfinale.“
Für das deutsche Team ist neben der physischen Erholung vor allem die mentale Stärke entscheidend. Nach dem intensiven Elfmeterschießen im Viertelfinale haben sich die Spielerinnen gut regeneriert. Rebecca Knaak bestätigt: „Die Akkus sind wieder aufgeladen. Wir haben viel Zeit bei den Physiotherapeuten und in der Eistonne verbracht. Wir sind bereit.“
Trainer Wück ergänzt jedoch: „Das Wichtigste ist für mich, dass wir mental frisch werden. Wir müssen sofort wieder zu 100 Prozent im Spiel sein.“ Daher wird auch in den verbleibenden Tagen vor dem Spiel weiter intensiv an der mentalen Vorbereitung gearbeitet. Die Spielerinnen haben klare Vorgaben und wissen, was sie gegen Spanien erwartet. „Wir haben Lösungen erarbeitet, die wir auf dem Platz umsetzen wollen“, so der Bundestrainer.
Ausblick auf das Spiel: Bereit, alles zu geben
Das bevorstehende Halbfinale verspricht ein Duell auf Augenhöhe zu werden, bei dem es weniger um fußballerische Dominanz als um Willenskraft, Laufbereitschaft und mentale Stärke gehen wird. Die DFB-Frauen wollen die Vorteile nutzen, die ihnen ein komplettes Aufgebot bietet, und die richtigen Momente finden, um eigene Akzente zu setzen.
Das Ziel ist klar: Der Einzug ins EM-Finale, wo der Traum vom Titel zum Greifen nah ist. Doch der Weg dorthin führt über harte Arbeit und das Überstehen einer unangenehmen und taktisch versierten spanischen Mannschaft. Bundestrainer Wück und seine Spielerinnen sind sich dessen bewusst – und bereit, für diesen Traum alles zu geben.
Die Fans dürfen sich auf ein spannendes, emotionales Spiel freuen, bei dem Deutschlands Fußballfrauen einmal mehr zeigen wollen, dass sie zu den besten Teams Europas gehören. Denn am Mittwochabend in Zürich geht es nicht nur um Fußball – es geht um Leidenschaft, Stolz und den großen Traum vom EM-Titel.
