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„Weil ich den Fußball liebe!“

Sensation! Max Stillger aus Limburg will DFB-Präsident werden

Max Stillger aus Limburg will DFB-Präsident werden. Foto: Thorsten Wagner

Schon im Juli 2018 hatte er nach der verpatzten WM mit einem offenen Brief und offener Kritik an DFB-Präsident Reinhard Grindel für Aufsehen gesorgt. Nun lässt er seinen Taten Worte folgen. „Ich motze nicht nur, ich mache auch“ erklärt Max Stillger – und bringt sich für die Wahl des neuen DFB-Präsidenten im September ins Spiel.

„Ich trete zur Wahl an, weil ich möchte, dass die Menschen im Land, die Ehrenamtlichen, die Fans, die Fußballer wieder stolz auf ‚ihren‘ DFB sind“, erläutert der Limburger Geschäftsmann seine Beweggründe. Die Außendarstellung des Deutschen Fußballbundes vor, während und nach der WM 2018 bezeichnet Max Stillger als „Katastrophe“. Schlimmer noch: „Die Leute lachen doch mittlerweile darüber, wie der DFB sich präsentiert“, äußert er seine Meinung zum öffentlichen Auftreten der DFB-Verantwortlichen.

Direkt nach der verpatzten WM 2018 hatte Stillger, viele Jahre Mitglied im Club „Freunde der Nationalmannschaft“, in einem offenen Brief an DFB-Präsident Reinhard Grindel auf seiner Meinung nach vorhandene Missstände im Umfeld des DFB und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hingewiesen. Resultat nach einigen weiteren kritischen Facebook-Postings seitens Stillger: Der Ausschluss aus den „Freunden der Nationalmannschaft“, nach Meinung Stillgers auf persönliches Drängen des DFB-Präsidenten.

„Wir brauchen wieder jemanden mit Fußballsachverstand an der Spitze des DFB“

Nun ergreift der fußballbegeisterte Börsenexperte die Initiative, um selbst Verbesserungen beim DFB auf den Weg zu bringen. „Ich habe nichts gegen Herrn Grindel persönlich, aber wir brauchen in meinen Augen wieder jemanden mit Fußballsachverstand an der Spitze des DFB“, führt Stillger aus.

Dass diese Spitze aktuell so weit weg sei von der Basis wie noch nie zuvor, hatte Stillger bereits in seinem Brief im Juli 2018 konstatiert – und rückt deshalb die Stärkung der Basis und des Amateurfußballs ins Zentrum seiner Agenda.

„Grindel hat sich am Anfang seiner Amtszeit als „Präsident der Amateure“ definiert, dann hat er nichts Besseres zu tun gehabt, als sich gleich in die entsprechenden Ämter von UEFA und FIFA wählen zu lassen“, so Stillger. Das soll bei ihm anders werden.

Und angesichts der aktuellen Diskussion, um die Vergütung des Präsidentenjobs setzt Stillger noch einen drauf.

„Ich mache das, weil ich den Fußball liebe und nicht das Amt. Und ich mache das unentgeltlich, weil ich das Geld nicht brauche, da ich durch meine langjährige „einigermaßen erfolgreiche“ unternehmerische Tätigkeit finanziell unabhängig bin.“

Die für dieses Amt vorgesehene Aufwandsentschädigung möchte Stillger sozialen Projekten im Amateurbereich zu Gute kommen lassen.

Die Kernpunkte seines Wahlprogramms:

  • der DFB muss sich stärker um den Amateur- und Jugendfußball kümmern

  • Besetzung der Schlüssel-Positionen bei UEFA und FIFA durch international anerkannte, angesehene Fußballfachleute wie z.B. Michael Ballack, Oliver Kahn oder Christoph Metzelder.

    Etablierung eines Beirats mit Fußballkompetenz als Schnittstelle zur DFL und zur Nationalmannschaft
  • Die Nationalmannschaft ist ohne jeden Zweifel des Aushängeschild des DFB. Die jüngst gezeigte Leistung im ersten EM Qualifikationsspiel in Holland darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jahr 2018 im sportlichen Bereich ein „Katastrophenjahr“ war.

Die Nationalmannschaft braucht eine „Image-Kur“, Ansatzpunkte hierfür könnten laut Stillger z. B. sein:

  • kinderfreundliche Anstoßzeiten

  • mehr öffentliche Trainingseinheiten

  • halbierte Ticketpreise bei Freundschaftsspielen

Eine ganz zentraler Punkt für Stillger ist ein bundesligafreier Sonntag. Das würde zwangsläufig die Zahl der ungeliebten Montagsspiele erhöhen. Für Stillger aber kein Problem: „Da muss man einen vernünftigen Dialog mit den Fans suchen. Die europäischen Wettbewerbe werden auch an Wochentagen ausgetragen und die zweite Liga hatte früher immer ein Montagsspiel, da wurde auch nicht gejammert. Das Problem bei der Terminierung sind nun mal die Donnerstagsspiele in der Euro-League. Du kannst nicht Donnerstags in Kiew spielen und 48 Stunden später in der Bundesliga antreten. Aber die Vereine, die Donnerstags ein Heimspiel haben, könnten auch am Samstagabend spielen. Dann gibt es Samstags um 15:30 Uhr und um 18:30 Uhr mehrere parallel stattfindende Spiele.

„Wir dürfen dem Amateurfußball nicht verhungern lassen und da müssen alle zusammen rücken.“

Die 3. Liga sieht Stillger künftig im Bereich der DFL „Das ist eine Profi-Liga und der DFB sollte sich im Vereinsfußball in erster Linie um die Amateure kümmern.“

„Wir müssen für eine stärkere Förderung des Ehrenamtes kämpfen. In vielen kleinen Vereinen wird eine überragende Integrationsarbeit geleistet. Hier müssen wir mit der Politik das Gespräch suchen um z. B. durch eine Verdopplung der steuerfreien Übungsleiterpauschale hier verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Ein zentraler Punkt aus der Vergangenheitsbewältigung beim DFB liegt Stillger sehr am Herzen.

„Ich finde es eine Schweinerei, wie mit Franz Beckenbauer und vor allem auch mit Horst R. Schmidt umgegangen wird. Das sind zwei Männer, die ihr ganzes Leben dem Wohl des deutschen Fußballs untergeordnet haben. Und bei allen Kritikpunkten, die hier manche vorbringen, stelle ich fest, dass hier vor allem der Respekt vor der Lebensleistung dieser beiden herausragenden Persönlichkeiten verloren gegangen ist. Das macht mich manchmal regelrecht wütend und ich werde dafür sorgen, dass aus Richtung des DFB hier künftig andere Signale kommen.“

Zum Thema „Finanzen“ hat Finanzexperte Stillger natürlich auch seine eigenen Vorstellungen

Insbesondere das Projekt DFB-Akademie ist dem Teilhaber eines Bauträgers ein Dorn im Auge: „Die Baukosten der Akademie sind von ursprünglich 77 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro angewachsen – da frage ich mich, wie so etwas möglich ist. Würden wir in unserem Unternehmen als Bauträger und Projektentwickler so arbeiten, wären wir schon lange insolvent. Der DFB muss auch in diesem Bereich endlich arbeiten wie ein Unternehmen und nicht wie eine Behörde.“

Und jedem einzelnen Mitarbeiter muss klar sein, dass er mit Verbandsmitteln genauso sorgsam umzugehen hat, als wäre es sein eigenes Geld.

„Ich will hier keine populistischen Aussagen an die Wand nageln, aber jeder der halbwegs informiert ist und in den letzten 12 Monaten die Nachrichten verfolgt hat, weiß was ich meine. Die besten Ethik- und Compliance-Regeln nützen nichts, wenn sie nicht von der obersten Spitze vorgelebt werden.“

Um es mit den Worten von Harald Stenger zu sagen: Wir brauchen keinen Donald Trump, sondern einen Barack Obama an der Spitze unseres Verbands.

Seinen Facebook-Account, über den er oft gerne auch mal den ein oder anderen provokativen Posts verbreitet hat, will Stillger übrigens – sollte er gewählt werden - für die Dauer seiner Amtszeit abmelden. „Ich brauche auch keinen Twitter-Account wie der aktuelle Präsident – die Kosten für den Berater-Vertrag von Kai Diekmann können schon mal eingespart werden.“

Dem Hessen ist natürlich klar, dass er nicht einfach als DFB-Präsident kandidieren kann, sondern dass ihn ein Landesverband als Kandidaten vorschlagen muss. „Ich bin gerne bereit, mein Konzept und meine Vorstellungen auf den Verbandstagen der einzelnen Landesverbände zu präsentieren und Rede und Antwort zu stehen“, sucht Stillger den offenen Austausch mit der Basis und appelliert an das Gewissen der Delegierten: „Jeder, der bei der Präsidentenwahl für die derzeitige DFB-Führung die Hand hebt, muss dies nicht nur mit seinem Gewissen vereinbaren, sondern beim morgendlichen Blick in den Spiegel auch an die vielen Mitglieder und ehrenamtlich Tätigen denken, die er oder sie vertritt.

Links:
Offener Brief Max Stillgers an Reinhard Grindel vom 01.07.2018:
https://www.markus-stillger.de/2018/07/01/offener-brief-an-den-dfb-praesidenten-reinhard-grindel/

Fortsetzung „Bravo Herr Grindel“ von Max Stillger vom 12.12.2018:
https://www.markus-stillger.de/2018/12/12/bravo-herr-grindel/

Artikel „DFB-Akademie doppelt so teuer“ von Claus-Jürgen Göpfert vom 16.11.2017:
https://www.fr.de/frankfurt/spd-org26325/dfb-akademie-doppelt-teuer-10997305.html