Während viele Jugendliche davon träumen, als Spieler große Fußballbühnen zu betreten, entschied sich Noah Bursky früh für einen anderen Weg – den des Schiedsrichters. Bereits mit zwölf Jahren leitete er sein erstes Spiel und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. Heute gehört er als spezialisierter Assistent der Regionalliga Südwest an. Im Interview blickt er auf prägende Erfahrungen, wichtige Wegbegleiter und seine Ziele für die Zukunft zurück.
Die ersten Schritte an der Pfeife
Der Einstieg in die Schiedsrichterlaufbahn kam für Noah Bursky eher beiläufig zustande. Einige Freunde und Mannschaftskameraden absolvierten damals den Neulingslehrgang, damit ihr Verein genügend Schiedsrichter stellen konnte. „Da habe ich mich angeschlossen“, erinnert sich Bursky. Die Entscheidung sollte sein Leben nachhaltig prägen.
Seinen ersten Einsatz hatte er bereits im Alter von zwölf Jahren. Und an dieses Debüt kann er sich bis heute bestens erinnern: Es war ein E-Junioren-Spiel in Niederbrechen gegen Offheim. Ein erster Schritt auf einem Weg, der ihn viele Jahre später bis in die Regionalliga führen sollte.
Familie und Mentoren als wichtige Wegbegleiter
Gerade in jungen Jahren sind Schiedsrichter auf Unterstützung angewiesen. Für Noah spielte dabei seine Familie eine entscheidende Rolle. Seine Eltern und sein Großvater ermöglichten ihm durch zahlreiche Fahrten zu Spielen und Lehrgängen überhaupt erst die Chance, früh Erfahrungen in höheren Spielklassen zu sammeln.
„Die weiten Fahrten waren in Zeiten ohne Führerschein nur durch sie möglich“, sagt er rückblickend sehr dankbar. Auch spontane Ansetzungen seien dadurch nie ein Problem gewesen.
Besonders sein Großvater prägte die Anfangsjahre. Er war nicht nur Fahrer, sondern gleichzeitig „mein größter Kritiker und Motivator“. Durch die gemeinsame Fußballbegeisterung entstanden viele intensive Gespräche über Spiele, Entscheidungen und Entwicklungen.
Später traten weitere wichtige Unterstützer hinzu. Einer von ihnen war der erfahrene Schiedsrichter Dieter Angermaier, den Bursky bis heute als eine Art Mentor betrachtet. Gerade nach schwierigen Spielen oder in anstrengenden Phasen habe dieser ihn immer wieder motiviert und aufgebaut.
Lernen, wachsen und Rückschläge meistern
Die ersten Jahre als Schiedsrichter waren nicht immer einfach. Vor allem schwierige Spiele oder Begegnungen mit vielen verbalen Anfeindungen belasteten ihn damals deutlich stärker als heute.
„Für jeden Schiedsrichter gibt es in den Anfangsjahren Momente, in denen man sich fragt, ob man das weitermachen möchte“, erklärt Bursky. Die größte Herausforderung sei es gewesen, nach solchen Erlebnissen trotzdem wieder auf den Platz zu gehen und sich nicht entmutigen zu lassen.
Doch genau diese Erfahrungen hätten ihn stärker gemacht. Wenn er heute auf seine bisherigen Spielzeiten zurückblickt, überwiegen für ihn eindeutig die positiven Erinnerungen.
Ein wichtiger Wendepunkt kam, als er merkte, dass seine Leistungen zunehmend Anerkennung fanden. Nicht nur Spieler und Zuschauer lobten ihn nach schwierigen Spielen, sondern auch erfahrene Schiedsrichter. Dadurch entstand erstmals das Gefühl, dass höhere Spielklassen durchaus erreichbar sein könnten.
Wertvolle Erfahrungen im Nachwuchs-Spitzenfußball
Wertvolle Erfahrungen auf höchstem Nachwuchsniveau sammelte Noah Bursky als Schiedsrichter-Assistent in der Jugend-Bundesliga und später in der DFB-Nachwuchsliga. Besonders beeindruckte ihn dabei der Einblick in den professionellen Fußball.
Der Umgang mit Spielern in den Nachwuchsleistungszentren und die dort herrschenden Erwartungen hätten auch seine eigenen Ansprüche verändert. „Dadurch habe ich an mir gearbeitet“, berichtet er. Neben gezielterem Training außerhalb der regulären Spielleitungen beschäftigte er sich intensiver mit Themen wie Ernährung und körperlicher Vorbereitung.
Eine besondere Anerkennung erhielt Bursky im Jahr 2023. Als erster Schiedsrichter im Kreis Limburg-Weilburg wurde er mit dem DFB-Förderpreis ausgezeichnet. Die Ehrung kam für ihn überraschend.
„Ich war vor allem sehr positiv überrascht“, sagt er. Gleichzeitig freute er sich darüber, dass die investierte Zeit und der Aufwand wahrgenommen wurden. Schließlich stünden Schiedsrichter im Vereins- und Fußballalltag häufig weniger im Mittelpunkt als Spieler oder Trainer.
Unvergessliche Spiele und der Umgang mit Fehlern
In seiner bisherigen Laufbahn gab es bereits einige besondere Begegnungen. Fußballerisch hebt Noah vor allem das Spiel zwischen den A-Junioren von Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen hervor.
Wenn es um Atmosphäre und Zuschauerkulisse geht, bleibt ihm besonders das erste Saisonspiel der neu gegründeten U21 von Eintracht Frankfurt bei Bayern Alzenau in der Lotto Hessenliga in Erinnerung.
Doch nicht jedes Spiel verläuft perfekt. Kritik und Diskussionen gehören für Schiedsrichter zum Alltag. Noah lernte früh, damit umzugehen. „Man kann ein gutes Spiel machen und trotzdem Ärger bekommen, weil eine Entscheidung nicht beiden Seiten gefällt“, erklärt er.
Schwieriger sei für ihn stets gewesen, wenn er selbst wusste, dass seine Leistung nicht seinen Ansprüchen genügt hatte oder ihm ein möglicherweise spielentscheidender Fehler unterlaufen war. Dennoch habe er gelernt, solche Situationen als Teil der Entwicklung zu akzeptieren. Fehler passierten jedem Schiedsrichter – selbst auf höchstem Niveau.
Der Sprung in die Regionalliga und der Blick nach vorne
Mit dem Aufstieg als spezialisierter Assistent in die Regionalliga Südwest erreichte Noah Bursky einen weiteren bedeutenden Meilenstein seiner Laufbahn. Für ihn bedeutet dieser Schritt weit mehr als nur eine höhere Spielklasse.
Natürlich reizen ihn das gestiegene sportliche Niveau, größere Zuschauerzahlen und attraktive Spielorte. Besonders beeindruckend findet er jedoch, nun in jener Liga tätig zu sein, in der viele seiner Vorbilder als Schiedsrichter oder Assistenten aktiv sind.
Wenn er heute auf seine bisherige Laufbahn blickt, empfindet er vor allem Stolz und Dankbarkeit. Stolz darauf, bei hochklassigen Partien im Juniorenbereich als Assistent und auf Landesebene als Schiedsrichter Teil des Geschehens gewesen zu sein. Dankbar für die zahlreichen Begegnungen, Erfahrungen und Freundschaften, die ihm das Schiedsrichterwesen ermöglicht hat.
Seine Ziele bleiben dabei klar: Sowohl als Assistent als auch als Schiedsrichter möchte er sich kontinuierlich weiterentwickeln, die nächsten Karriereschritte anstreben und sich durch gute Leistungen für weitere Topspiele empfehlen.
Eine klare Empfehlung an den Nachwuchs
Jungen Fußballbegeisterten, die über eine Schiedsrichterlaufbahn nachdenken, kann Noah nur Mut machen. Für ihn überwiegen nach jeder Saison die schönen Erinnerungen. Zudem lerne man viele interessante Menschen kennen, knüpfe Freundschaften und erhalte einen ganz besonderen Blick auf den Sport.
Vor allem die persönliche Entwicklung sei enorm. Wer früh beginne, habe zudem realistische Chancen, hohe Spielklassen zu erreichen – vielleicht sogar auf einem Niveau, das als Spieler nicht möglich gewesen wäre.
Oder wie Noah Bursky es selbst zusammenfasst: „Nach jeder Saison überwiegen für mich die schönen Erinnerungen.“
