Jürgen Klopp hat sein erstes Aufgebot als Bundestrainer bekanntgegeben – und dabei gleich für eine echte Überraschung gesorgt. Statt eines klassischen Kaders nominierte der neue DFB-Coach insgesamt 44 Spieler für die anstehende, 16-tägige Länderspielphase. Das Aufgebot wird in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils zwei Partien in der Nations League bestreiten sollen. Besonders auffällig: Gleich elf Spieler stehen erstmals im Aufgebot der deutschen A-Nationalmannschaft.
44 Spieler, zwei Teams und vier Begegnungen
Klopp geht bei seinem Einstand einen ungewöhnlichen Weg. Für die vier bevorstehenden Nations-League-Partien gegen die Niederlande, Griechenland, Serbien und erneut Griechenland stehen insgesamt 44 Spieler auf seiner Liste. Die erste Gruppe umfasst 24 Akteure und ist für die Begegnungen in den Niederlanden am 24. September sowie gegen Griechenland am 27. September vorgesehen. Anschließend kommt die zweite Gruppe zum Einsatz: Gegen Serbien am 1. Oktober in München und zum Abschluss am 4. Oktober in Thessaloniki gegen Griechenland.
Eine Besonderheit gibt es zwischen beiden Aufgeboten: Torhüter Finn Dahmen ist der einzige Spieler, der auf beiden Listen auftaucht. Damit möchte Klopp offenbar möglichst vielen Spielern Einsatzmöglichkeiten geben und gleichzeitig über einen längeren Zeitraum mit einem großen Kreis an Nationalspielern arbeiten.
Für die beiden ersten Partien trifft sich die Mannschaft ab Montag, 21. September, im Quartier in Herzogenaurach. Da ein Nations-League-Kader nach UEFA-Reglement lediglich 23 Spieler umfassen darf, soll sich aus der zunächst 24-köpfigen Gruppe noch eine Auswahl herauskristallisieren. Einige Spieler könnten darüber hinaus über einen längeren Zeitraum beim Team bleiben. Klopp nannte dabei insbesondere Nico Schlotterbeck, Jamal Musiala und Serge Gnabry, die nach Verletzungen beziehungsweise längeren Ausfallzeiten möglichst eng betreut und dauerhaft ins Training eingebunden werden sollen.
Kader 1: Erfahrung trifft auf frische Gesichter
Für die ersten beiden Begegnungen in der Nations League setzt Klopp auf eine Mischung aus etablierten Kräften und mehreren Spielern, die erstmals das Trikot der deutschen A-Nationalmannschaft tragen dürfen.
Tor:
Alexander Nübel (Besiktas Istanbul), Finn Dahmen (FC Augsburg), Marc-André ter Stegen (Ajax Amsterdam)
Abwehr:
Hennes Behrens (FC Augsburg), Yann Bisseck (Inter Mailand), Nathaniel Brown (FC Bayern), Max Rosenfelder (SC Freiburg), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (FC Bayern), Philipp Treu (SC Freiburg), Josha Vagnoman (VfB Stuttgart)
Mittelfeld:
Nadiem Amiri (1. FSV Mainz 05), Bambasé Conté (TSG Hoffenheim), Yannik Engelhardt (SC Freiburg), Chris Führich (VfB Stuttgart), Serge Gnabry (FC Bayern), Lennart Karl (FC Bayern), Joshua Kimmich (FC Bayern), Jamal Musiala (FC Bayern), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Kevin Schade (FC Brentford), Anton Stach (Leeds United)
Angriff:
Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt), Kai Havertz (FC Arsenal)
Damit finden sich zahlreiche bekannte Namen im ersten Aufgebot. Kimmich bleibt Kapitän, Schlotterbeck ist nach überstandener Verletzung wieder dabei und auch Musiala, Gnabry, Havertz und Tah gehören zum erfahrenen Kreis. Gleichzeitig sorgt Klopp für frischen Wind: Hennes Behrens, Max Rosenfelder, Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Bambasé Conté und Younes Ebnoutalib stehen erstmals in einem A-Nationalmannschaftsaufgebot.
Besonders interessant ist dabei die Geschichte von Mika Baur, der allerdings für die zweite Gruppe vorgesehen ist. Der 22-jährige Mittelfeldspieler wechselte vor der Saison vom SC Paderborn zu Celtic Glasgow und erhält nun ebenfalls seine erste Chance im DFB-Kreis. Auch Vitaly Janelt von Brentford und Felix Keidel vom SV Elversberg gehören zu den neuen Gesichtern.
Kader 2: Weitere Rückkehrer und fünf neue Namen
Nach den beiden Auftaktspielen verändert sich das Gesicht der Nationalmannschaft deutlich. Für die Begegnungen gegen Serbien und Griechenland greift Klopp auf ein zunächst 21 Spieler umfassendes Aufgebot zurück.
Tor:
Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt), Finn Dahmen (FC Augsburg), Jonas Urbig (FC Bayern)
Abwehr:
Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Ridle Baku (RB Leipzig), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart), Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), David Raum (RB Leipzig), Malick Thiaw (Newcastle United)
Mittelfeld:
Karim Adeyemi (FC Barcelona), Mika Baur (Celtic Glasgow), Tom Bischof (FC Bayern), Said El Mala (1. FC Köln), Brajan Gruda (RB Leipzig), Vitaly Janelt (FC Brentford), Felix Keidel (SV Elversberg), Aleksandar Pavlović (FC Bayern), Derry Scherhant (SC Freiburg), Florian Wirtz (FC Liverpool)
Angriff:
Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt), Nick Woltemade (Juventus Turin)
Auch hier verbindet Klopp bekannte Nationalspieler mit zahlreichen neuen Kräften. Noah Atubolu, Jonas Urbig, Finn Jeltsch, Mika Baur, Tom Bischof, Said El Mala, Brajan Gruda, Vitaly Janelt, Felix Keidel und Derry Scherhant sorgen für eine deutlich veränderte Mischung. Von den elf Neulingen des gesamten Aufgebots sind fünf für den zweiten Block vorgesehen: Jeltsch, Keidel, Janelt, Baur und Scherhant.
Besonders ins Auge fällt außerdem die starke Präsenz des SC Freiburg. Gleich vier Spieler des Bundesligisten finden sich im XXL-Aufgebot: Yannik Engelhardt, Philipp Treu, Max Rosenfelder und Derry Scherhant. Alle vier gehörten bislang nicht zum Kreis der deutschen A-Nationalmannschaft. Damit stellt Freiburg sogar mehr Spieler als Borussia Dortmund oder RB Leipzig.
Ter Stegen vorerst wieder die Nummer eins
Einen ersten Fingerzeig auf seine Torwart-Hierarchie gab Klopp bereits bei seiner Pressekonferenz. Marc-André ter Stegen ist demnach „für den Moment“ die Nummer eins und soll auch im ersten Spiel gegen die Niederlande zwischen den Pfosten stehen. Für den 34-Jährigen ist die Rückkehr ins DFB-Tor mit einem besonderen Umstand verbunden: Seit dieser Saison steht ter Stegen bei Ajax Amsterdam unter Vertrag – und genau dort findet die Partie gegen die Niederlande statt.
Finn Dahmen nimmt derweil eine besondere Rolle ein. Der Torhüter des FC Augsburg ist der einzige Akteur, der sowohl im ersten als auch im zweiten Kader geführt wird. Damit hält sich Klopp auf dieser Position über den gesamten Zeitraum eine Konstante offen.
Zahlreiche bekannte Namen fehlen
So groß das neue Aufgebot auch ist, einige bekannte Gesichter fehlen. Von den WM-Fahrern sind Manuel Neuer und Antonio Rüdiger inzwischen zurückgetreten. Leon Goretzka, Angelo Stiller und Assan Ouédraogo stehen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.
Darüber hinaus finden sich auch Oliver Baumann, Pascal Groß, Jamie Leweling, Maximilian Beier, Leroy Sané und Deniz Undav nicht im ersten Aufgebot des neuen Bundestrainers. Damit setzt Klopp bei seinem ersten DFB-Lehrgang nicht nur auf bewährte Kräfte, sondern öffnet die Tür gleichzeitig für eine ganze Reihe neuer Spieler.
Auffällig ist dabei auch die Personalie Nick Woltemade. Der Angreifer gehört trotz einer zuletzt nicht ganz einfachen Formphase zum Aufgebot und ist für den zweiten Kader vorgesehen. Deniz Undav, der ebenfalls als Kandidat für den Angriff galt, erhielt dagegen keine Nominierung.
Klopps erster Aufschlag bringt reichlich Bewegung
Mit seinem ersten DFB-Aufgebot setzt Jürgen Klopp gleich ein deutliches Zeichen. 44 Spieler, zwei getrennte Mannschaften, vier Nations-League-Partien und elf A-Nationalmannschafts-Neulinge machen den Start des neuen Bundestrainers zu einem ungewöhnlichen. Gleichzeitig hält Klopp an vielen bekannten Kräften fest und gibt Spielern aus unterschiedlichen Alters- und Leistungsklassen die Möglichkeit, sich im Kreis der Nationalmannschaft zu zeigen.
Ob aus dem XXL-Aufgebot am Ende tatsächlich eine dauerhafte neue Hierarchie entsteht, wird sich erst im Verlauf der kommenden Länderspielphase zeigen. Klar ist aber bereits jetzt: Unter Jürgen Klopp bekommen zahlreiche Spieler eine neue Bühne – und der Kampf um Plätze im deutschen Nationalteam ist mit dieser Nominierung wieder ein gutes Stück offener geworden.
