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31.01.2017
Kategorie: Aktuelles, Wisst ihr noch?, flw24 intern
Von: flw24 von Claus Coester

Wisst ihr noch? "Schorsch" Horz und das Eisenbacher Fußballmärchen


Eisenbachs Libero Jörg Springer eröffnet in der 43. Minute den Torreigen. Fotos: Claus Coester

Relegation A - Liga Limburg/Weilburg 2006/07

3. Spieltag - 06.06.2007 - 19:30 Uhr

TuS Eisenbach - FSV Würges 4:3 (2:0)

Dass auch in unteren Amateurregionen packender, niveauvoller Fußball gespielt werden kann, das erlebte die stattliche Kulisse von rund 500 Zuschauern am Mittwochabend auf der vorzüglich präparierten Sportanlage in Eisenbach. Der wankende A-Ligist TuS hatte im entscheidenden Relegationsspiel den B-Süd-Zweiten FSV Würges zu Gast, dem dank des besseren Torverhältnisses bereits ein Remis genügt hätte.

Nervosität bestimmte die erste Viertelstunde mit einem Geplänkel im Mittelfeld. Die Strafräume waren noch Tabuzonen. Den ersten deutlichen Akzent setzte Paul Braun mit seiner Direktabnahme nach Admir Bubics Eckstoß (15.). Eisenbach konnte auf der Linie retten. Der bewegliche, im Abschluss ohne Fortüne spielende Braun war es dann noch zweimal mit hochkarätigen Einschussmöglichkeiten: nach Abpraller von TW Marco Bös und Bubics Auflage wollte die Kugel nicht das Ziel finden (28./30.). Frank Lewalter schloss sein Solo mit einem Schuss an den langen Innenpfosten ab (32.) und schließlich setzte Admir Bubic einen beachtlichen Freistoß knapp über das Gehäuse (34.).

Wo war Eisenbach? Der TuS verteidigte mit viel Glück und Energie gegen eine Würgeser Elf, die dynamischer, physisch frischer spielte und mit ansehnlichen Kombinationen das Publikum unterhielt. Eisenbach belegte dann innerhalb von 120 Sekunden kurz vor dem Pausenpfiff, dass es keine Gesetzmäßigkeiten im Fußball gibt, die unumstößlich sind. Um zu sehen, dass Würges Herr auf fremdem Territorium war, brauchte man keine Brille. Die tief in der Defensive steckende Eisenbacher Elf erhielt bei einem der seltenen Vorstöße, die zu einem Abschluss führten, einen Strafstoß. Jörg Springer pustete durch, behielt die Nerven und stellte mit dem 1:0 den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf. Den Brüdern René und Kai Simon war es dann vorbehalten, in kooperativer Familienarbeit Augenblicke später den zweiten Treffer nachzulegen. FSV-Keeper Tobias Steier verließ seinen Kasten zu zögerlich, Rene Simon luchste ihm das Leder ab und bediente seinen Bruder, der kaltschnäuzig verwandelte.

Die Frage in der Halbzeitpause war klar: Würde der FSV die beiden Tiefschläge verkraften?

Dass das der Fall war, wurde zunächst durch Lewalters Schuss knapp neben den Pfosten signalisiert (53.). Admir Bubic, auffälligster Akteur des Abends, führte - wie schon in der ersten Halbzeit - im Duett mit Arne Wagner glänzend Regie (mit riesigem Laufpensum und gelegentlich übertriebener Ballverliebtheit). Der FSV-Express war wie entfesselt und rollte Welle auf Welle gegen das Eisenbacher Tor. Früchte trug dieses Engagement dann nach exakt einer Stunde in Pascal Frenzels Anschlusstreffer. Rouven Thies besorgte nach einem Eckball, den die Würgeser fahrlässig frei ausführen konnten, für den Ausgleich (72.). Eisenbach am Boden, Würges in diesem Moment A-Ligist. 

In den letzten 20 Minuten sollte die Dramaturgie dieses denkwürdigen Fußballabends dann noch einen nicht mehr erwarteten Höhepunkt erreichen. 

Hinter Eisenbachs Tor lief sich unter den Ersatzspielern auch Georg Horz warm, seines Zeichens hochengagierter Jugendbetreuer und früher feste Größe beim RSV Würges - einer aus der Ära Erich Brands. Die den aus Eschhofen stammenden, auch als Schiedsrichter tätigen "Schorsch" kennen, mögen es, wenn nicht als Scherz, dann doch als moralische Unterstützung für die auf dem Feld sich tummelnden jungen Männer betrachtet haben - aber nein, der Fünfzigjährige wurde in der Schlussviertelstunde eingewechselt und machte sich daran, ein Eisenbacher Fußballmärchen zu schreiben.

Patrick Schwarz, ebenfalls neu ins Rennen geschickt, brachte Eisenbach abermals in Front. Georg Horz hatte mit Köpfchen aufgelegt. Würges am Boden, Eisenbach weiter in der A-Liga. Der FSV zeigte Moral und wollte das Glück erzwingen. Die 88. Minute sollte die vermeintliche Entscheidung bringen. Erneut war es Rouven Thies, der die unermüdlichen Offensivbemühungen der blau-weißen Zebras mit dem 3:3 abschloss. Das Wechselbad der Gefühle schien das Ende erreicht zu haben. 

Aber der Schein trog. Niemand mehr würde mit Eisenbachs letztem Aufbäumen rechnen. Der Schiedsrichter zeigte bereits die Nachspielzeit an. Die Würgeser Sektkorken warteten darauf zu knallen. Allerletzte Aktion in der 93. Minute. Ein Standard auf dem linken Flügel für Eisenbach. Überbevölkerung im Würgeser Strafraum. Der Ball, um den sich bei dieser unberechenbaren Sportart anderthalb Stunden 22 Menschen streiten, fliegt in den Strafraum. In das unüberschaubare Getümmel ist auch Georg Horz eingetaucht und stochert den Ball mit dem Abpfiff des gut leitenden Schiedsrichters ins Netz. 4:3 - Eisenbach im Glückstaumel - Würges am Boden zerstört. Fußball, wie er besser nicht inszeniert werden kann. Man muss einfach beiden Mannschaften gratulieren. Und später können sie erzählen:"Wir sind dabei gewesen."

TuS Eisenbach: Bös, Böcher (89. Schnabel), Wiens, M. Neu, Hartmann, R. Simon, Hassler, Springer, K. Simon (78. Horz), Süßmann, Erwe (63. Schwarz) 

FSV Würges: Steier, Kaiser, Prochazka, Christ, Braun (70. Jukic), Bubic, Lewalter, A. Wagner, Thies, Fritzel (46. M. Kilian), Schneider (46. Frenzel) 

Tore: 1:0 Jörg Springer (44., Foulelfmeter), 2:0 Kai Simon (45.) , 2:1 Pascal Frenzel (60.), 2:2 Rouven Thies (75.), 3:2 Patrick Schwarz (80.), 3:3 Rouven Thies (88.), 4:3 Georg Horz (93.)

Zuschauer: 500.