07.09.2010

Interview / Portraits

31.10.2006

Heinz Hankammer (Präsident SV Wehen)

Zur Person:
Heinz Hankammer, Gründer der BRITA-Werke (Wasserfilter), Präsident des SV Wehen

FLW24 = Fußball-Limburg Weilburg
HH = Heinz Hankammer

FLW24:Herr Hankammer, Sie werden am 4.11. 75 Jahre alt, Bayern München gastiert – wenn auch nur mit der zweiten Mannschaft - an Ihrem Geburtstag im Halberg-Stadion, der SV Wehen führt nach dem deutlichen Sieg bei Kickers Stuttgart die Regionalliga Süd an und steht auf dem ersten Aufstiegsplatz zur zweiten Bundesliga. Wie fühlen Sie sich?

HH:Ich bin im nächsten Jahr 25 Jahre Präsident des Vereins und habe mir immer gewünscht, dass diese Situation eintritt. Der Aufstieg in die zweite Bundesliga wäre die Krönung.

FLW24:Unsere Leser interessiert vornehmlich die sportliche Vita des Heinz Hankammer. Die Website des SV Wehen verrät uns, dass Sie seit 1979 mit dem Verein verbunden sind. Wie war das damals?

HH:Durch meinen Sohn, der beim SV Wehen in der Jugend gespielt hat, bin ich zum Fußball gekommen. Da habe ich gesehen, wie wichtig und wertvoll es für junge Menschen ist, sich in einer Gruppe oder Mannschaft einzuordnen. Mir selbst war es nicht vergönnt, diesen Sport zu betreiben, obwohl ich das wollte. Nach dem Krieg habe ich mir auf dem Schwarzmarkt ein Paar Fußballschuhe gekauft. Mein Vater aber hat diese in den Ofen geworfen mit der Begründung:"Das ist nichts für Dich. Fußball ist Proletensport." Das war's dann mit meiner Fußballerkarriere. Später hat man mich gefragt, ob ich beim SV Wehen mitarbeiten wolle. Ich habe zugesagt, wurde Vorsitzender des Vergnügungsausschusses, bald zweiter Vorsitzender, dann nach einer kurzen Unterbrechung Präsident.

FLW24:Wie definieren Sie Ihre Rolle als Präsident des SV Wehen?

HH:Um das rein Sportliche kümmere ich mich überhaupt nicht. Das fällt nicht in meine Kompetenz. Die sportliche Leitung hat beim SV Wehen Herr Hübner, der das notwendige Fachwissen und große Erfahrung auf diesem Gebiet hat. Ich stehe dem Verein wie einem Unternehmen vor. Das heißt, dass ich durchaus an den Mannschaftssitzungen teilnehme und mir einen Eindruck verschaffe, ob die Beziehung zwischen Spielern und Trainer stimmt. Wenn ich merke, da stimmt etwas nicht, erlaube ich mir, mit den Betreffenden ein Gespräch zu führen.

FLW24: Kommen wir zur gegenwärtigen sportlichen Situation der ersten Mannschaft? Müssten die Verantwortlichen nicht angesichts des haarscharf verpassten Aufstiegs am Ende der letzten Saison und des aktuellen Laufs der
Mannschaft sagen: "Dieses Mal sind wir eigentlich dran"?


HH:Das wünschen wir uns alle. Ich würde mich freuen, es wäre das schönste Geschenk zum Jubiläum als Präsident, ein Sieg gegen Bayern am Samstag wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk.


FLW24:Lassen Sie uns aus aktuellem Anlass die Trainerfrage streifen! Bekanntlich hat Djuradin Vasic Wehen Richtung Zweitligist Braunschweig verlassen und die sportliche Verantwortung liegt momentan in den Händen von Christian Hock und Steffen Vogler, der eine noch relativ frisch am Halberg und in der Ausbildung zum Fußballlehrer, der andere durch seine lange aktive Zeit bei Wehen ein absoluter Insider. Ist das Gespann nur ein Provisorium oder könnte daraus mehr werden?

HH:Zunächst möchte ich sagen, dass Herr Vasic bei uns sehr gute Arbeit geleistet hat und wir bedauern, dass er nicht mehr hier ist. Er hat es verstanden, junge Talente zu fördern, die uns dann leider Richtung Bundesliga verlassen haben. Denken Sie an Daniel Gunkel (Cottbus), Toni da Silva (Stuttgart) oder Idrissu (Hannover).
Christian Hock macht einen guten Eindruck, er ist von der Mannschaft gut aufgenommen worden und ich habe den Eindruck, dass die Motivation noch gestiegen ist. Wenn der Erfolg sich weiter einstellt, kann ich mir vorstellen, dass Herr Hock auch längerfristig in Wehen arbeitet.


FLW24:Wenn Wehen den Aufstieg schafft, wie sieht es dann mit der Standortfrage des Stadions aus?

HH:Dann spielen wir in Wiesbaden Berliner Straße oder, wenn Mainz 05 in ein neues Stadion nach Kastel umzieht, gehen wir dorthin. Das ist notwendig, da auswärtige Fans kaum auf den Halberg fahren werden. Mainz und Wiesbaden haben eine ausgezeichnete Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Der Halberg bleibt natürlich als Spielstätte des SV Wehen erhalten. Wir haben ja genügend Bedarf.

FLW24:Zum Beispiel für die Zweite Mannschaft, die z.Z. in der Landesliga eine hervorrgende Rolle spielt. Welchen Stellenwert hat die Reserve im Gesamtkonzept?

HH:Organisatorisch ist sie komplett abgekoppelt von der ersten Mannschaft, in der ja Profis spielen. Aber die zweite Mannschaft spielt auch guten Fußball, ist eine solide Ebene für ganz junge Talente und für Spieler aus der ersten Mannschaft, die wieder Spielpraxis bekommen müssen, eine gute Basis.

FLW24:Für 2008 ist die eingleisige Dritte Liga geplant. Sind Sie ein Freund des Modells?


HH:Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Natürlich ist es unter verschiedenen Gesichtspunkten interessant, eine Dritte Liga für ganz Deutschland zu haben. Sie bietet den Vorteil von höheren Fernsehgeldern und ist auch für Sponsoren von größerer Attraktivität.


FLW24:Zur Bilanz Ihrer langen Zeit als Präsident bzw. Vorsitzender des SV Wehen. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen, was waren die traurigsten Augenblicke?


HH:Es gab im Laufe der Zeit bemerkenswerte sportliche Erfolge. Da ragen die Pokalspiele gegen Kaiserslautern 1988 in Wiesbaden und gegen Borussia Dortmund vor ein paar Jahren in Mainz heraus. Gegen Dortmund sind wir erst in der Verlängerung gescheitert. Die traurigen Augenblicke vergesse ich, da ich immer nach vorne schaue. Ich bin Optimist.


FLW24:Wie lange möchten Sie bzw. können Sie das Amt des Präsidenten noch ausüben und was wird aus Ihrem "Kind" SV Wehen, wenn Sie nicht mehr an der Spitze des Vereins stehen?


HH:Ich möchte das so lange machen, wie es mir möglich ist und ich fit bin. Mein Sohn hat schon die Bereitschaft signalisiert, das, was wir beim SV Wehen aufgebaut haben, zu erhalten.


FLW24:Wenn Sie möchten, bitten wir Sie, folgende Sätze zu vervollständigen.

Wenn ich an einen Birnbaum und das Jahr 1966 denke, dann ist das der Anfang einer Erfolgstory. Damals haben wir in unserem Garten in Langen Friedrich-Ebert-Straße 54 den Grundstein für die Firma BRITA gelegt. An einem Sommertag haben wir unter einem Birnbaum zum ersten Mal Wasser gefiltert. So hat das angefangen.


Dem SV Wehen haben ich viele Jahre meines Lebens zur Verfügung gestellt, weil ich, wenn ich etwas anfange, dieses möglichst zu einem positiven Ende führen möchte.


Der nach meiner Auffassung beste Trainer auf dem Halberg war bisher... das ist sehr schwer zu beantworten, jeder hat eine andere Art, alle waren auf ihre Weise erfolgreich. Bruno Hübner z.B. hat, als er damals eingesprungen ist, sehr gute Arbeit geleistet.

Der SV Wehen steht am Ende dieser Saison auf... Dazu mache ich keine Aussage, da habe ich nur Wünsche. Der Aufstieg wäre eine wunderbare Sache.


FLW24: Herr Hankammer, gratulieren dürfen wir vor dem Samstag noch nicht.
Aber wir möchten Ihnen persönlich alles Gute, Gesundheit und Erfolg wünschen und dem Verein eine erfolgreiche Zukunft, ob in Liga III oder II. Ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch!















Das Interview führte Claus Coester.


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